und gar zu verderben? Hab't Ihr nicht aus dem Benediktinerkloster fortgeholfen einem Mönch, der verurteilt gewesen zum tod? Hab't Ihr nicht damit selbst verwirkt den Tod vor dem geistlichen Gericht? Ihr und Euer Freund, der mit Euch gewesen ist, und der Novize, der Euch geholfen hat? Denkt Ihr, ich weiss das Alles nicht haarklein? Aber ich weiss auch noch mehr. Wird nicht ein Baubruder, der nicht keusch und züchtig lebt, sondern mit Frauenzimmern sich abgiebt und zur Nachtzeit in ihre Wohnungen dringt, mit Schimpf und Schande verwiesen aus der Genossenschaft freier Steinmetzen? Denkt Ihr, ich weiss nicht, dass Ihr Euch hab't eingelassen mit der schönen Frau von Scheurl, und dass Ihr trotzdem seid nachgeschlichen dem armen Judenmädchen – seid zur Nachtzeit in die verachtete Judengasse geschlichen, weil Ihr hab't gewusst, ich sei auswärts, hab't Ihr mir wollen verführen mein einziges Kind?"
"Haltet ein, so frech zu lügen!" rief Ulrich erglühend.
"Oho!" antwortete der Jude; "ich habe viele Zeugen, und Ihr vermöget weder mich einer Lüge zu zeihen, noch eine dieser Anklagen abzuwälzen, wenn sie werden angebracht wieder Euch. Wenn die Tat sich lässt so klar beweisen, gilt auch das zeugnis des Juden, wenn Ihr das etwa darum verachten solltet; es gibt genug Christen, die mit mir das Alles bezeugen werden – und soll Euch bleiben nicht die mindeste Ausflucht. Aber ich hab' ein dankbar Gemüt und nicht vergessen, dass Ihr Euch einmal angenommen meiner und meines Kindes, und hab't mir herausgegeben den gefundenen Ring darum will ich schweigen, wenn Ihr mir nur tut einen einzigen kleinen Gefallen: verschaffet mir denselben Ring wieder von der Frau von Scheurl – denn der Ritter von Streitberg wollte einlösen sein Pfand, und will mir nun an Leib und Leben, weil ich es habe vorher gelassen aus meinen Händen."
"Der Ritter von Streitberg wird Euch schwerlich viel schaden," antwortete Ulrich, "denn die Nürnberger werden nicht eher von Weispriach's Burg ziehen, bis sie sich der beiden gefährlichen Strassenräuber bemächtigt – und mir scheint, Ihr tätet besser, Euch als ein Feind dieser Herren zu zeigen, als zuzugeben, dass Ihr allezeit gemeinschaftliche Sache mit ihnen gemacht. Im Uebrigen muss ich Euch wiederholen: sag't über mich aus, wahr oder falsch, was Ihr woll't – ich kann Euer Verstummen nicht durch etwas erkaufen, das mir ganz unmöglich ist zu tun –"
"Ist nicht unmöglich!" feil ihm der Jude in's Wort. "Trotzdem, dass Ihr mich nimmer hab't haben wollen zum Liebesboten, hab't Ihr Euch doch gegen mich verraten; ich weiss nun um so mehr, wie Ihr steht mit der Frau von Scheurl, und dass sie Euch wird jeden Wunsch erfüllen, den Ihr von ihr fordern möget, schon damit sie nicht –"
"Still!" gebot Ulrich und stampfte unwillig mit dem fuss. "Ich höre nicht länger solch' unsinniges Gewäsch mit an. Ich kann nicht tun, was Ihr woll't; tut selbst, was Euch gut dünkt, redet mir nach, was Ihr wollt und wo Ihr es wollt; ich habe kein Mittel, Euer Schweigen zu erkaufen und Euch vom Lügenund falschem Zeugnissreden zurück zu halten, denn ich verschmäh' es, Euch wieder zu drohen wie Ihr mir: dass es mich auch nur ein Wort kostet, und Ihr seid überwiesen an Streitberg's und Weispriach's Schuld mit teil zu haben – seid versichert, man wird keine langen Umstände mit dem Juden machen!"
"Gott meiner Väter!" rief der Jude, "Ihr redet das nur so in das Blaue hinein; der Jude Ezechiel ist alt und erfahren genug, um zu wissen, wie es mit ihm steht und was er hat zu tun oder zu lassen. So lange Weispriach's Burg noch steht, gebe ich Euch Bedenkzeit, so lange werde ich schweigen. Schafft Ihr mir bis dahin den Ring, so seid Ihr für alle zeiten meiner Dankbarkeit gewiss. Dann wird Ezechiel nicht allein schweigen, dann wird er Euch weiter helfen – Euch und Amadeus, wird Euch dienen und der Frau Scheurl. Schafft Ihr mir aber den Ring bis dahin nicht wieder, so wird das Verderben kommen über Euch und Alle, die ich da habe genannt, so wahr ich selbst Ezechiel heisse. Das überlegt Euch, und die wohnung des armen Juden wisst Ihr ja nun zu finden!"
Damit ging er, ohne von Ulrich noch eines Wortes gewürdigt zu werden. –
So war Ulrich in der Tat durch den Juden von einem Netz umsponnen, dass er gar nicht einmal sehen konnte, aus welchen Fäden es gewoben, noch wen es mit ihm umgab. Und wie es ihm jetzt schien, war kein höheres Motiv dabei im Spiele, es war die gemeinste jüdische Geldprellerei, der er zum Opfer fallen sollte! – Die Zeit, die ihm der Jude schenken wollte, schien ihm überflüssig als Bedenkzeit; aber er wollte sie nützen im Dienst der ewigen Kunst, der er sich geweiht – und vielleicht konnte er sie auch so nützen, Alles so zu leiten, dass er allein als Opfer fiel und alle Gefahr und Schuld auf sich allein nahm, die jetzt drohend über den Häuptern aller andern Wesen schwebte, die ihm im Leben teuer geworden,