einander.
Jetzt eilte Hieronymus auf seine Mutter zu – Elisabet legte sie in seine arme. Ulrich stand etwas von fern, seine Blicke begegneten denen Elisabet's – dann kam der Propst und begrüsste auch die Geretteten.
Gleichzeitig erscholl feierliches Geläute – es rief die Baubrüder in die Lorenzkirche, darinnen ihr Kaplan ein Te Deum angeordnet hatte, zum Danke für die Rettung aller Gefährdeten und der Verhütung weiteren Unglückes.
Schnell waren die Baubrüder alle, von den Meistern bis herab zu den Lehrlingen zum zug geordnet und gingen in die Kirche; aber obwohl sie sonst ihren Gottesdienst allein abzuhalten pflegten, so konnten weder, noch wollten sie es diesmal hindern, dass auch die profane Menge ihnen nachdrängte und andächtig froh bewegt, wie sie erst angstvoll gebetet hatte, mit einstimmte in den ambrosianischen Lobgesang.
Inzwischen hatten sich auch die andern Stickerinnen zu den Gobelins mit eingefunden, und sie alle knieeten vereint an einem Seitenaltar und dankten – am innigsten Elisabet Scheurl und Charitas Pirkheimer.
Als sie sich vom Gebet erhoben, sagte diese leise zu Elisabet: "Nun ist mein Geschick entschieden; ich konnte noch schwanken – aber vorhin, als die Sense des Todes über – über den Baubrüdern schwebte" (sie wiederholte sich, weil sie keinen Namen nennen wollte) – "gelobte ich, wenn sie die Heiligen beschützten, mich dem Kloster zu weihen. Von diesem Augenblicke an betrachte ich mich als eine Braut des himmels!"
Elisabet umarmte die Freundin. Sie billigte im inneren ihren Entschluss nicht – aber sie ahnte ihn: Charitas wusste seit diesem Augenblick, dass sie liebte, wo sie nicht lieben durfte – und ging in das Kloster! Hier konnte sie im geist einen Tempel bauen zu Ehre Gottes, wie der, zu dem ihre Gefühle schweiften in der Wirklichkeit – sie wählte eine Gemeinschaft der Heiligen, weil die irdische ihr versagt war.
Fünftes Capitel
Befürchtungen
Die Hoffnungen König Maximilian's, seinen Vater mit seinem Eidam Herzog Albrecht zu versöhnen, scheiterten an Kaiser Friedrich's unbeugsamen Sinn, der nicht eher von einem Vergleiche hören wollte, bis Albrecht Regensburg wieder herausgegeben, dessen Rückgabe dieser ebenso hartnäckig verweigerte, als sie gefordert ward. Unter Androhung der Reichsacht lud der Kaiser die Regensburger vor seinen Stuhl sich wegen ihres Abfalles zu rechtfertigen. Da ihm Jeder willkommen war, der wider Albrecht Klagen anzubringen hatte, fanden zuerst dessen unzufriedene Brüder Christoph und Wolfgang, von denen der erste die ehemals aufgegebene herrschaft jetzt zu besitzen wünschte, der andere durch Misshandlung eines Dieners gekränkt war, williges Gehör; dazu kam der Löwlerbund, der gleich in seinem Ursprung und Fortschritte gegen die anwachsende Macht des Baiernherzogs gerichtet war.
Da statt einer weitern Antwort derselbe Regensburg befestigte, so tat der alte Kaiser zu Linz, unter freiem Himmel auf dem Richterstuhle sitzend, wie es Brauch war, den Achtspruch über Regensburg und bot das Reich auf zu dessen Vollstreckung. Die Löwler waren gerüstet zum Losbrechen unter ihrem Führer und Urheber des Löwlerbundes B e r n h a r d i n v o n S t a u f f . Wer jetzt zu ihrem Heere stiess, der war ihnen willkommen.
Wie immer strömten da auch jetzt kriegslustige oder müssige Gesellen zu einem solchen deutschen Heere, das sich gern durch neue Werbungen verstärkte und dabei nicht ängstlich fragte und wägte, wer sich ihnen bot.
Für Amadeus gab es daher keinen bessern Rat, als auch in dies Heerlager zu flüchten, als ein kampfbereiter Krieger, der einst das Schwert wohl zu führen verstanden und auch jetzt in seinen vorgerückten Jahren dazu noch wohl befähigt war. Das war sein eigener Wille und war auch der Rat des Propstes, aber Amadeus wiederholte noch einmal, dass er nicht scheiden wolle, ohne Ulrich mit sich zu nehmen, der so auch die beste gelegenheit habe, jeder drohenden Gefahr zu entgehen.
Zwar bangte dem Propst nicht minder um diesen – aber selbst von den heiligen Banden der Baubrüderschaft umschlungen und bestrebt ihren schönsten und höchsten Pflichten treu zu bleiben, konnte er selbst den Gedanken nicht fassen, dass Ulrich so ohne Weiteres die heilige Stätte verlassen sollte und statt zu den ewigen Werken der Kunst, statt zu dem schönen Beruf, Bauten des Friedens aufzuführen, die Jahrhunderte hindurch Tausende von Menschen erheben und veredeln mussten – zu dem rohen Handwerk des Krieges zu greifen, das nur ein Leben der Zügellosigkeit und des Zerstörens war, eine Jagd nach Beute oder Ehre, oder nur ein Mittel sein Leben zu fristen. Denn im Mittelalter ward – die Glaubenskriege ausgenommen, mochten sie nun gegen Heiden oder Sarazenen, gegen Hussiten oder die allein seligmachende katolische Kirche geführt werden – der Krieger eben nur um des Soldes Willen Krieger, um eine Beschäftigung, ein Unterkommen zu haben. Von Vasallen- und Heerestreue, noch ohne an ein höher begeisterndes Motiv zu denken, hat die damalige geschichte nur vereinzelte Beispiele aufzuweisen. Es galt nicht für ehrlos und unwürdig, wenn ein Ritter oder Söldnerhauptmann mit seinen Leuten morgen auf einer andern Seite focht als heute: sie verkauften sich für den bessern Sold oder dahin, wo am ehesten auf Triumphe des Sieges oder reiche Beute zu rechnen war. Und wie die Führer und Ritter, so die Söldlinge, die Knappen und Trossbuben – fast niemals gab es ein höheres Band sie zu halten. Ulrich war am Morgen nach der Nacht, die er in der Propstei zugebracht, aus derselben zeitig in die Bauhütte gegangen, da der Pallirer sie nur eben geöffnet hatte. Mit dem grössten Eifer meisselte er an einer Eichenkrone an einem