und dadurch wieder in Anmut und Fülle neu erblüht, versprach Alles gern, was die minder glückliche Freundin verlangen mochte, und Ulrich verabschiedete sich mit kurzem Dankeswort von den Damen.
Auf der Treppe begegnete ihm nur ein Diener; da Ulrich aber einen langen schwarzen Mantel übergeworfen und so durch seine Tracht sich nicht verriet, konnte ihn jener wohl für einen der Gäste halten, von denen sich bereits einige entfernt. Als er auf die Strasse kam, schwankte ein Mann vor ihm her, dem seine Füsse den gewohnten Dienst zu versagen schienen. Jetzt schien dieser seinen Austritt aus dem haus bemerkt zu haben und rief ihm zu:
"Seid Ihr es, Herr Anton Tucher? Ihr hab't mir einen schlechten Dienst erwiesen. – Ihr habt mir diesmal doch zu viel zugetrunken – aber nein, Ihr soll't nicht sagen, dass Ihr mich wirklich zu Boden getrunken – aber hier – jetzt hab' ich wirklich keinen Boden!"
Ulrich erkannte die stimme des Propstes Anton Kress, der ihn für Anton Tucher halten mochte, mit dem Ulrich ungefähr die gleiche Grösse und Stärke hatte, und mehr war in der Dunkelheit nicht zu erkennen. Offenbar hatte der Propst im Trinken des Guten zu viel getan und nun sich fortgeschlichen, da er seinen Zustand gefühlt, und wenn er auch sonst im vertrauten Männerkreise sich keinen Zwang antat, wollte er doch vor der grösseren Gesellschaft und den Damen gegenüber seine Würde wahren. Was sollte Ulrich tun? Wenn ihn Kress, der ihn aus dem haus Scheurl's hatte treten sehen, erkannte, so konnte er keine Erklärung geben, die nicht ihn und Elisabet einem unwürdigen Verdacht ausgesetzt hätte; da er ihm auch nicht von Rachel sagen mochte und konnte – er war einmal in diesem Netz von Heimlichkeiten gefangen; aber jedes Bedenken wies er von sich, da er den Propst an dem Eckstein taumeln sah, nahe daran zu fallen oder sich zu stossen. Ulrich sprang ihm bei und bot sich ihm als Stütze.
Anfänglich erkannte der Propst ihn nicht, hielt ihn noch für Anton Tucher und sagte: "Ei, das ist wacker, dass ihr mit mir geht – indess ist's nicht so arg – ich fände den Weg schon noch. Ein capitaler Wein! in jedem Humpen eine andere Sorte! dazu die schönen Frauen gegenüber – man kann doch die Augen nicht zublinzen, da sie selbst ihre Reize zeigen! Da erhitzt man sich mehr, als wenn die Männer allein! Die schönste freilich bleibt immer Frau Elisabet, ist sie auch nicht die Jüngste mehr! Ihr müsst es zugesteh'n, wenn Ihr auch sonst nicht für sie eingenommen! Bald eine antike Venus, bald eine christliche Himmelskönigin. Sie kann das viele Trinken nicht leiden und läuft immer fort, wenn die Zungen schwer werden, und man ihr die Artigkeiten lieber handgreiflich als mit zierlichen Worten sagte. Wer weiss aber – der junge Immhof war auch verschwunden – wer weiss, ob sie nicht mit ihm in einem ihrer feenhaften Gemächer ein Schäferstündlein gefeiert! – Aber warum redet Ihr gar nicht? Denkt Ihr, ich sei nicht genug bei verstand, Euch anzuhören?"
Von Allem, was der Propst so und weiter schwatzte, und schilderte, erglühte Ulrich selbst viel mehr, als der Trunkene, der noch in Gedanken an Wein und Weiber schwelgte. Jetzt wollte er nicht von ihm erkannt sein – nicht um sich einen Verdacht und fragen, sondern um dem Propst, seinem Oheim und geistlichen Vorgesetzten, eine Beschämung zu ersparen. Er verharrte darum hartnäckig in seinem Schweigen und wollte sich an der Haustür der Propstei entfernen, ehe etwa Beleuchtung käme, ob auch der Propst ihn mit Gewalt zurückhalten wollte und immer rief:
"Ich lasse Euch nicht fort – bis ich weiss, wer mein stummer Begleiter gewesen!"
Da stürzte plötzlich eine Gestalt hervor, die indess unbemerkt unter einem der nächsten Schwiebbögen gehockt hatte und rief:
"Herr Propst, geb't einem verirrten Pilger ein Obdach für die Nacht!"
Ulrich kannte diese stimme, und jetzt rief er, vor dieser plötzlichen Erscheinung alles Andere vergessend: "Um Gotteswillen öffnet und nehm't ihn mit hinein!"
"Ulrich!" rief der Propst erschrocken und ernüchtert.
"Ulrich!" rief auch der Andere mit freudigem Erschrecken.
"Still! nur auf offenem Platz keine fragen und Erklärungen!" rief Ulrich; "nehm't uns mit in das Haus, Herr Propst, aber in aller Stille, und steckt uns in die nächste dunkle Ecke Eures Hauses, wo uns Niemand vermutet und findet!"
Der Propst hatte schon den gewichtigen Klöppel an der Haustür dreimal geschwungen und sagte: "Hoffentlich macht sich's die Haushälterin bequem und öffnet von oben, dann könnt Ihr mit eintreten, und ehe sie mit Licht herabkommt, kann dieser da links in die Tür schlüpfen. Du gehst rechts mit mir, Dich kann sie sehen – aber ihn nicht, denn sie kennt ihn auch."
Es geschah so, wie er gesagt. Die Tür sprang auf, die drei traten ein, die Haushälterin kam erst mit Licht die Treppe herab, als der Propst schon den zuletzt hinzugekommenen Begleiter in ein dunkles Seitengemach geschoben hatte. Das Gesicht des Propstes glühte noch von Wein und seine Augen funkelten; aber Schreck und Angst hatten ihm die Besinnung wiedergegeben. Er nickte indess lächelnd der Haushälterin zu und sagte auf Ulrich deutend:
"Der da dachte, ich bedürfe seiner als