sie doch nicht erzählen! –
Als sie allein war, liess sie sich von dem Boten die Ritter, die den Ueberfall gemacht und ihn erst gesprochen, genau beschreiben. Sie konnte nicht zweifeln, dass der eine Eberhard von Streitberg war. Er hatte auch die Bemerkung mit dem Affen gemacht.
Zweites Capitel
Warnende Stimmen
Ulrich von Strassburg war in's Clara-Gässchen gezogen, das sich in der Nähe des Clara-Klosters befand und auf der Lorenzer Seite auch nur durch eine Strasse von der Lorenzkirche, der Propstei und der Bauhütte von St. Lorenz getrennt war. Die dort beschäftigten Baubrüder suchten meist auf der Lorenzer Seite zu wohnen, und insofern war für alle diese Wahl der wohnung gerechtfertigt – nur der Propst Kress hatte ein bedenkliches Gesicht gemacht und Ulrich abgeraten dahin zu ziehen, weil er den geheimen Beweggrund erraten konnte: Ulrich suchte die Nähe seiner Mutter, von der er nun wusste, dass sie im Kloster zur heiligen Clara lebe.
"Ich will ja nichts, als nur eine Luft mit ihr atmen, dasselbe Geläut der Glocken hören, das mich zur Arbeit und sie zum Gebete ruft!" antwortete Ulrich. "Lasst mich gewähren! Wohnte ich nicht dort, so würde ich vielleicht jeden Tag in der Nähe des Klosters auf- und abgehen, und wenn Ihr fürchtet, ich möchte mich selbst verraten, so würde dies viel eher dadurch geschehen, als jetzt, wo ich nur ein Unterkommen gesucht und ein solches zufällig für die bescheidenen Wünsche eines Baubruders passend im Claragässlein fand, aus dem ich so nah' zu unserer Bauhütte habe. Ich verspreche Euch, keinen Schritt zu tun, wenn Ihr meint, dass dadurch der fromme Frieden ihres Gemütes gestört werden könnte!"
"Um Ihretwillen, wie um Deinetwillen," sagte der Propst, "muss Alles bleiben, wie es jetzt war. Es ist auch darum, dass ich Dich nicht selbst bei mir wohnen lasse, wie ich am liebsten täte. Ja weil Du Deiner Mutter ähnlich siehst, woran Dich Amadeus erkannte, oder wenigstens so von Deinem Anblick ergriffen ward, dass er Dir nachforschte, hast Du auch einen Zug von mir – und man hat es schon gewagt, Dich meinen Sohn zu nennen, weil ich Dich vor Andern begünstigt; müsste ich nicht den Schein vermeiden, so würde ich Dich gar nicht von mir lassen. Ich beschwöre sonst wieder ein Gerücht herauf, das meiner geistlichen Würde schadete und Dir ebenso gefährlich wäre, als das an den Tag Kommen der Wahrheit."
Ulrich versicherte noch einmal, dass er keine Vorsicht und Rücksicht aus den Augen setzen werde, die ja selbst seine eigene Zukunft am allermeisten erfordere.
"Wenn nur Amadeus nicht selbst zum Verräter wird!" seufzte der Propst. Von dem Augenblicke an, wo Konrad ihn aus der Kapelle waldeinwärts gesendet, wussten sie nichts von ihm. Nachforschungen irgend welcher Art konnten sie nicht anstellen, um sich nicht selbst zu verraten. Ob er lebend oder tot, sie wussten es nicht. Im Stillen wünschte der Propst das Letztere. Was sollte auch der verirrte Mönch im fremdgewordenen Leben? und dem Sohne konnte sein Leben gefährlich werden! – Der Oheim wünschte nur nicht, dass Ulrich eine Schuld fühle am tod des Vaters, und darum war er froh, dass dieser jenem seine Befreiung verdankte.
"Noch Eines muss ich Dir sagen," begann der Propst; "eine Warnung ganz anderer Art. Als Herr Stephan Tucher mit Jungfrau Ursula Muffel getraut ward, zwei Fürsten sie zur Kirche führten und ein stattlicher Brautzug folgte: da war auch die schöne Scheurlin mit darunter und ragte wie immer auffallend unter Allen hervor, als sei sie selbst eine Königin. Die Kirche war von Zuschauern dicht gedrängt, und auch auf dem erhöhten platz, den ich mit andern Geistlichen und Patriziern einnahm, hatten sich Fremde eingefunden. Darunter auch ein Ritter, der sein Augenmerk besonders auf die Scheurlin geworfen, und der da meinte, er kenne sie gar wohl, seit ihren schönsten Jugendtagen, und nach dem, was er jetzt von ihr höre, müsse er glauben, dass sie immer noch so leichtfertig sei, wie damals, und für Jeden zu haben. Ich meinte, das Letztere sei nun gar nicht wahr und als leichtfertig kenne sie Niemand; sie sei immer eine spröde Jungfrau gewesen und lebe auch jetzt ganz ehrbar mit ihrem Gemahl. Aber er lachte und sagte: Das müsse er besser wissen; da sie noch Mädchen gewesen, habe er selbst ihre Gunst besessen, aber sie aufgegeben, weil er keine Lust gehabt, dieselbe mit Andern zu teilen – und wie ich selbst ja wohl, gleich der ganzen Stadt, wissen müsse, dass sie es darauf anlege, wenigstens so lange der römische König in Nürnberg sei, seine Buhlerin zu sein – wie sie daneben aber auch es nicht verschmähe, seit Jahr und Tag eine Liebschaft mit einem armen Steinmetzgesellen zu haben."
Der Propst hielt inne, wie um zu beobachten, welchen Eindruck diese Worte wohl auf Ulrich machen würden. Dieser war allerdings überrascht, auch den Propst ihm gegenüber von Elisabet sprechen zu hören, und noch mehr über diesen Schluss; seine Wangen glühten vor Zorn und Scham bei den letzten Worten, aber ruhig, fest und stolz blickte er in die Augen des Propstes und sagte nur: "Vollendet!"
"Ich schüttelte zu solch' unsinnigem Mährlein den Kopf," fuhr der Propst fort; "aber der Ritter meinte, er wisse