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; aber der Regen hatte die Strasse, die noch vom Winter her nicht ausgetrocknet war, so schlecht gemacht, dass wir Mühe hatten fortzukommen, und darum kam uns die Dunkelheit über den Hals, als wir noch im Reichsforst waren, indess wir gemeint hatten, wir könnten vor Nacht in Nürnberg sein. Nun ging es immer langsamer mit uns vorwärts. Da brach plötzlich ein bewaffneter Haufe durch den Wald und überfiel uns. Meint nicht, dass wir uns nicht tapfer gewehrtes gab tote und Verwundete auf beiden Seiten. Aber sie überwältigten unswir mussten fliehensie waren uns weit überlegender Wagen sammt den Pferden und Waaren fiel in die hände dieser Strassenräuber und Ritter. Ich meine die Beiden in ihnen erkannt zu haben, die am Mittag mit uns sprachen, obwohl sie jetzt die Visire geschlossen hatten; denn sie wussten auch, an wen unsere Sendung ging, und Einer sagte: Wenn die Affen für Elisabet Behaim gewesen, so sag't ihr, sie brauche keinen, da sie sich schon seit zwei Jahren einen angeschafft."

Elisabet errötete und trat zurück; sie verstand

nur zu gut die dreiste Anspielung auf ihren Gatten, die der Bote in seiner Dummheit getreulich wieder berichtete, und die also doch auf Raubritter ihrer Bekanntschaft schliessen liessund sie nahm sich vor, sobald sie den Boten allein sprechen könne, sich eine genaue Beschreibung der Ritter geben zu lassen, indess Martin, mit den Füssen stampfend, zornig fragte:

"Also ist wirklich Alles in ihre hände gefallen?"

"Alles," antwortete der Bote.

"Nun das muss ich sagen!" rief Martin Behaim,

"ich denke, der von Kaiser Friedrich auf acht Jahre gestiftete Landfriede ist erneuert worden, der schwäbische Bund wie die Löwler und die Reichsstädte wachen sorgfältig, dass er gehalten werde, und indess ich mein Gut von den neuentdeckten Inseln, dem Kap der guten Hoffnung über die weite See, dann durch die ganze pyrenäische Halbinsel und Frankreich glücklich hereingebracht in's deutsche Reich und in ihm bis vor die Tore der friedlichsten Reichsstadtwird es auf ihrem Gebiete mir noch geraubt! Das freilich liess ich mir nicht träumen, dass es noch also zugehe im heiligen römischen Reich; indem man von dem neuen römischen Könige grosse Dinge und Wundertaten erwartet, geht es im inneren des Reichs schlimmer zu, als bei den Nationen des Südens, die sich nicht solcher Bildung und Gesittung rühmen und sich noch mit dem heissblütigen Charakter des Südländers entschuldigen können. Wie hab' ich mich oft in die Heimat gesehnt, nach biederer deutscher Artund nun empfängt sie mich so! Mir scheint, als sei hier eine bodenlose Verwilderung unter die Menschen gekommen. Das Gute hat es, dass ich nun wohl das Vaterland nicht überschätzen und auch in der Ferne von Heimweh geheilt sein werde."

"Wir müssen diese Sachen wieder haben!" rief Herr Scheurl, und auch Georg stimmte bei, dass der Rat von Nürnberg den Schimpf nicht könne auf sich sitzen lassen, dass ein Behaim, der nach zwölf Jahren zurückkehre, mit dem Ritterkreuz des portugiesischen Königs geschmückt, der seiner Vaterstadt und seinen Landsleuten so viel Ehre gemacht, so um sein Reisegut betrogen werden dürfe.

"Gott sei Dank," sagte Martin, "dass ich wenigstens meine Instrumente, Karten und Pläne bei mir behielt; ihr Verlust wäre mir unersetzlich gewesen. Was ich da mitgebracht und was man geraubt, das habe nicht ich sowohl verloren, als Ihr und der Rat von Nürnberg; denn es waren meist Gegenstände seltsamer Art von meinen Entdeckungsreisen, dergleichen man hier noch nicht gesehen, und ich darum Euch und dem Rat, der ganzen Stadt zu Nutz und Letze mitgebracht und geschenkt hätte."

"Eben das," sagte Georg, "dass es noch nie gesehene Gegenstände sind, muss zur Entdeckung der Täter und Wiederhabhaftwerdung jener führen."

"Wir wollen sogleich das Nötige anordnen bei dem Rat," sagte Scheurl, sich wichtig und geschäftig zeigend.

"Zum Glück," sagte Martin, "habe ich eine Abschrift des Verzeichnisses zur Vergleichung, die mögt Ihr einreichen. Ich klage wider Friedensbruch, auf Strassenraub und Ueberfall, auf Todtschlag des Geleites für friedliche Handelsleute. – Bis Augsburg war ich bei den Gütern geblieben, weil ich aber unterwegs in Eichstädt einen alten Freund aufsuchen wollte, trennte ich mich von ihnen, allein schneller reisend, und blieb dort zwei Tage, wonach ich berechnete, dass ich wohl ziemlich zugleich mit den Gütern ankommen werde, denn um Euch zu überraschen, wünschte ich nicht, dass sie mir zuvorkommen."

"Nun kommt und lasst uns gleich alle drei auf dem rataus die nötigen Schritte tun," sagte Georg.

"Gehab' Dich indessen wohl, Elisabet," sagte Martin; ich bin Dein Gast, wenn ich zurückkehre. Du siehst, ich habe nicht die Schuld, wenn ich Dir nicht einige Affen und indianische Raben zur Gesellschaft lassen kann, damit sie Dir von ihrer mährchenhaften Heimat erzählten."

"Ich erwarte Euch wieder zum Nachtmahl," antwortete sie; und wen Du etwa von alten Freunden wiederfindest, den bringe mit, oder nenne mir ihn, damit ich nach ihm sende."

"Wir können ja auch unter uns bleiben," versetzte Martin; "Du hast mir ja selbst noch gar nichts erzählt!"

Damit gingen sie, und Elisabet seufzte bei den letzten Worten; was sie am meisten bewegte, mochte