wieder zu begrüssen, und weil ich mein liebes altes Nürnberg nicht vergessen habe, dessen kunstfertige hände mir weiter dienen sollen, was die Wissenschaft mich gelehrt und die Erfahrung mir bestätigt, in einem neuen Instrumente fasslich darzustellen – wie ja auch mein edler Lehrer Johannes Regiomontanus von Königsberg gegen Nürnberg zog, weil er hier für seine Studien die besten matematischen Instrumente gefertigt erhalten konnte."
"Komm," sagte Elisabet und zog ihn zu sich auf das Sopha, "und erzähle so weiter. Wie freu' ich mich Deiner Rückkehr! Wie tausendmal haben wir in der letzten Zeit Deiner gedacht und uns gefragt, ob Du wohl noch am Leben – ob Du nicht zu Kühnes gewagt und gesonnen, ob Du nicht einer der Märtyrer geworden seist, welche, wie sie ihrer Zeit voraus sind, von dieser nicht verstanden, darum von den Anhängern des Alten verklagt und verurteilt werden, beschuldigt, Irrlehren zu verbreiten und Unheil zu stiften, wo sie der Wahrheit und damit dem Wohle der Menschheit dienen?"
Martin Behaim versetzte mit klugem Lächeln: "Die pfaffen sind mir allerdings nicht besonders hold und alle Freunde der Volksverdummung sind meine Feinde. Indess können sie doch nichts wider mich aufbringen. Solche Gegner werden durch den Erfolg überwältigt – und da ich nicht eher etwas behaupte, bis ich es mit matematischer Genauigkeit berechnet und klar beweisen konnte, so waren sie bald zum Schweigen gebracht. Was mich aber vielleicht am meisten schützt, ist, dass ich niemals meine person in den Vordergrund schiebe. Unter den stolzen, ruhmsüchtigen, aufgeblasenen Portugiesen mag man sich immerhin über die stille bescheidene Art des deutschen Mannes verwundern, der sein Wissen darbietet, ohne Anspruch auf Ruhm und Ehre zu machen, reich belohnt, wenn es nur wirklich der Menschheit nützt und zum Ziele führt; mag die Mit- und Nachwelt immerhin die Namen Bartolomeo Diaz und Diego Can als die Helden der Seeunternehmungen dieses Jahrhunderts nennen, die neue Welten finden und erschliessen: mir genügt das Bewusstsein, dass ich die Seele dieser Unternehmungen war und dass ich die Schlüssel lieferte zu den sonst vielleicht noch unverschlossenen Pforten zu den neuen Wegen und Reichen."
Elisabet drückte ihm die Hand und sagte: "Wie lange Du auch schon unter den heissblütigen Nationen bist – Du bist ein ganzer Deutscher geblieben: Du lässt andern Nationen den Ruhm, den Deutschland haben könnte und der ihm vor allen gebührt!"
"Du bist auch noch immer die Schwärmerin für die deutsche Grösse, die nun einmal nicht ein grosses Deutschland werden kann!" sagte der weitgereiste Bruder; uns Matematikern ist es gleichgültiger, wir reden eine Zahlensprache, die für alle Nationen verständlich. Aber einen Ruhm wenigstens will ich dem vaterland und der Vaterstadt retten: wenn man sich einst von Portugals Seetriumphen erzählt und, wie ich vorhin sagte, dabei auch meinen Namen vergisst, so wird man doch Nürnberg nennen, in dem der erste Globus gefertigt ward. Ich bin hierher gekommen, um nach meiner Angabe die Erdkugel, auf die ich alle Länder und auch die neuentdeckten zeichnen will, von den geschicktesten Landsleuten darstellen zu lassen. Was man mit Augen sehen und mit Händen greifen kann, bezweifelt man nicht mehr, und dann wird Niemand mehr glauben, dass die Erde eine Scheibe, sondern begreifen, dass sie kugelförmig sein muss."
"Rüstet nicht jetzt auch Spanien zu ähnlichen Entdeckungen?" fragte Georg.
Martin Behaim zuckte die Achseln. König Ferdinand und Isabella scheinen noch immer zu zögern, auf die Pläne und Vorschläge eines strebsamen Genuesen einzugehen, der auch in Portugal vergeblich der Regierung dieselben machte. Ich hörte leider erst von ihm, als der König Joiro schon seine Anerbietungen verworfen hatte, und war damals selbst noch in der Lage, ihm nützen oder mit ihm vereint wirken zu können. Ich war noch nicht lange in Lissabon, in den Handelsgeschäften unseres Hauses mich Anfangs nicht um die Seeprojekte kümmernd, als (es war im Jahre 1481) unter dem Oberbefehle Don Diego's von Azambuja eine ansehnliche Flotte nach Guinea segelte und durch die Anlegung eines Fortes an der Küste den dortigen Goldhandel sicherte. Mit grosser Eifersucht verbarg man jedoch die Resultate der bisherigen Entdeckungen und verbreitete die abschreckendsten Gerüchte und abenteuerlichsten Sagen über die Gefahren der Schifffahrt in jenen Meergegenden. Selbst grausame Massregeln vernichteten die Mühe verwegener Fremdlinge, welche, gegen das System des Hofes, zu ähnlichen Zwecken sich anschickten, mit ihren Personen zugleich. Da wies man auch jenen Genuesen Christoforo Colombo ab, wie es ihm schon in seiner Vaterstadt Genua geschehen war. In Lissabon kannte ich ihn wie seinen Schwiegervater Bartolomeo Perestrello, ein tüchtiger Seefahrer, der als Schiffscapitän unter dem Infanten Don Heinrich nach der Westküste Afrikas gesegelt war und an der Entdeckung von Madeira teil genommen hatte. Colombo behauptet, dass die andere Halbkugel unseres Erdbodens festes Land entalten müsse, das man auf kürzerem Wege erreichen könne, indem man durch eine Fahrt nach Westen gerade aus in's offene Meer steuerte. Mir scheint das in der Tat auch nicht unwahrscheinlich und ich glaube, dass ihm sehr Unrecht geschieht, wenn er für einen tollkühnen Träumer erklärt wird. In Lissabon abgewiesen, versucht er jetzt in Spanien sein Heil, zuweilen heisst es, dass man ihm Schiffe ausrüsten wolle – aber bis jetzt ist er immer noch mit leeren Versprechungen hingehalten worden. Vor der gelehrten Junta von Salamanka hat er seine Ansichten vorgetragen, aber auch hier belächelte sie die Mehrzahl als Hirngespinnste eines müssigen Kopfes."
"O ich wollte, ich wäre an Isabella'