wenigstens Ulrich von Strassburg kennt kein Ansehen der person; wenn der den Ring hat gefunden, so gibt er ihn uns ganz gewiss wieder heraus."
"Hast ein gutes Zutrauen zu diesen christlichen Bauleuten!" höhnte der Alte; "das sind die Rechten."
"Sie haben uns ja geholfen –"
"Nur um mit den andern Gesellen Streit anzufangen und mich in's Loch zu bringen – schöne hülfe!"
"Nein, daran sind sie unschuldig; ich danke meine Rettung ganz allein diesem Ulrich; er hat mich nicht nur auf der Strasse, er hat mich auch im haus vor der rohen Frau beschützt. Wenn er weiss, wo der Ring hingekommen, so hilft er uns zu unserem Eigentum – darauf schwör' ich!"
"Du redest, wie Du es verstehst! Wenn ihn hat der Ulrich, so ist das gerade das allergrösste Unglück. Der gibt ihn der Scheurlin – und dann sind wir Alle geprellt."
Rachel starrte den Vater fragend an.
"Hast Du nicht gesehen, dass in dem Ring ein E B steht? Er hat einst Elisabet Behaim gehört. Daran wird der Ulrich gleich denken, mit dem sie sich eingelassen, und wird ihr ihn geben" – – Aber Ezechiel besann sich, dass er eben Jacobea versprochen, seine Tochter von ihrem Plan nichts ahnen zu lassen, und so schwieg er. Er hatte sich niedergesetzt, die Ellenbogen auf den Schooss gestemmt und den Oberkörper vorgebeugt hatte er sein runzliches Gesicht in die hände gedrückt, dass nur der lange Bart darunter hervorwallte, und so sass er da und sann nach, wie er diese Sachen noch leiten könne. Nach langem Schweigen sich wieder aufrichtend sagte er:
"Vor allen Dingen musst Du doch zu den Goldschmieden gehen und fragen, ob ihnen Jemand hat zu verkaufen gebracht den Ring oder wirklich verkauft."
Rachel schickte sich an zu gehorchen, ohne weiter ein Wort zu erwiedern. Aber auch sie hatte dabei ihre stillen Gedanken. Was redete da der Vater von Ulrich und der Scheurl? Was wusste er weiter, was konnte er wissen, als dass damals der Baubruder sein Leben gewagt, und war das doch auf ihre, Rachel's Veranlassung geschehen, hatte doch damals erst Ulrich noch erklärt, dass ihm die Scheurl nichts anginge, und dass lieber Rachel selbst sie warnen möge – nur auf ihre Bitten hatte er Jener sich angenommen. Dann, wusste sie, waren Beide, Elisabet wie Ulrich, gleichzeitig über ein halbes Jahr in Todesgefahr gewesen und hatten so in keiner Weise einander sich nähern können. War es nachher geschehen – oder dachte es nur ihr Vater, hatte nur Streitberg diesen Verdacht? Rachel war wohl selbst noch unschuldig und rein geblieben; aber in der gemeinen Sphäre, in der sie lebte, in der sie nicht nur selbst die gemeinsten und unsittlichsten Dinge geschehen sah, sondern es oft mit anhören musste, wie gerade die christlichen Vornehmen der Stadt niedere Buhlschaft trieben und zur Ausführung dahin führender Bubenstücke sich ihres Vaters oder der alten Jacobea bedient: da hatte sie gerade keinen grossen Respect vor der Unschuld und Tugend der honetten Nürnberger. Elisabet's hohe Schönheit und die Art von Stolz und Freiheit, mit der sie sich über manche hergebrachte Form hinwegsetzte, hatten schon zu manchem nachteiligen Gerücht über sie Veranlassung gegeben – und seit jetzt König Max, der sie bei seinem ersten Hiersein so öffentlich ausgezeichnet, gar in ihrem eigenen haus eingekehrt war, nannte sie der gemeine Volkshaufe seine heimliche Buhlerin, und fand eine neue Bestätigung dafür darin, dass ihrem Gatten der König den Adel verliehen. Freilich war es nun ein weiter Abstand von dem höchsten haupt in Deutschland, das die römische Königskrone trug und dazu bald auch die deutsche Kaiserkrone fügen würde, bis zu dem armen Steinmetzgesellen herab, der nichts sein nannte – nicht einmal einen Namen. Aber für Rachel erschien dieser Abstand ausgeglichen – in ihren Augen gab es keinen edleren, herrlicheren Mann als diesen Baubruder – sie fand es ganz in der Ordnung, wenn das Weib, für das er sein Leben gewagt, ihn in ihr Herz geschlossen hatte; aber eben so überzeugt war sie von Ulrich's hohem sittlichen Wert, dass er weder sein Gelübde der Keuschheit verletzen, noch gar ein ehebrecherisches verhältnis eingehen werde. Was sie jetzt von ihrem Vater gehört, hielt sie für Lüge, und nur das für möglich, dass zwischen Elisabet und Ulrich ein Band der Dankbarkeit sich geknüpft haben könne – wie ja auch zwischen ihm und ihr selbst, und dass es jetzt mehr als je ihre Pflicht sei, Alles daran zu setzen, Ulrich vor den finstern Plänen zu behüten, die jedenfalls gegen ihn im Werke waren, und wieder unter der eigenen Beteiligung ihres Vaters – wenn nicht Ulrich dagegen schon Schutz im Kloster gefunden. Aber bei der Vorstellung, er könne für immer dahinein gegangen sein, empfand Rachel doch einen heissen Schmerz, der ihr bittere Tränen erpresste: denn dann sah sie ihn ja niemals wieder und konnte die Schuld der Dankbarkeit nicht abzahlen, die sie gegen ihn empfand.
Dies Alles überlegend war sie in die Stadt und in die Goldschmiedsstrasse gekommen, wo die meisten Gold- und Silberarbeiter wohnten. Die meisten von ihnen machten mit den Juden heimliche Geschäfte, und so war bei ihnen die Jüdin weder eine fremde, noch gar zu missliebige Erscheinung. Aber bei Allen erhielt sie auf ihre Frage nach dem Ringe dieselbe Antwort. Es hatte keiner einen solchen zu sehen bekommen, und so