sich darum nicht einlassen könne und sie allein der klugen Jacobea überlassen müsse.
"O was Ihr kurzsichtig seid!" rief diese; "hätte das in meinem Leben nicht von dem weisen Ezechiel gedacht! Aber freilich, das Eine könnt Ihr nicht wissen, wenn Ihr nicht selbst darauf gekommen seid, weil in dem Ring, den Euch Streitberg gegeben, ein E B steht."
"So genau hab' ich mir noch gar nicht angeschaut den Ring," versetzte der Jude.
"E B," wiederholte Jacobea: "das heisst Elisabet Behaim – den hat sie als Mädchen dem Ritter von Streitberg gegeben. Da sie nun nichts mehr von ihm wissen will, so wird ihr sehr viel daran liegen, wenn sie ihn wieder in ihre hände bekommt. Gehet darum damit zu ihr – sag't ihr, dass ihn Euch Streitberg zum Pfande gegeben, und dass Ihr ihr ihn für dasselbe Geld lassen wollt – wenn ihr damit gedient sei."
"Lassen für dasselbe Geld?" rief der Jude; "oho! ich glaube, da ist zu machen ein gutes Geschäftchen!"
"Das mein' ich wohl auch!" rief Jacobea; "es ist, als hättet Ihr in einen Glückshafen gegriffen, dass der Ring in Euren Händen. Dadurch, dass ihr ihn ausliefert, erwerbt Ihr Euch das Vertrauen der stolzen Frau – und dadurch, dass sie sieht, Ihr wisst ihr geheimnis, hab't Ihr sie schon ganz in den Händen. Wer einmal eins von einer solchen Frau weiss, dem vertraut sie auch noch ein zweites an. O müsst' ich nur nicht fürchten, von ihr erkannt zu werden, ich wollte diese Sache vortrefflich anfangen! Ihr redet dann von Ulrich von Strassburg, sag't, wie Euch sein Schwert beschützt, und dass Ihr ihm zu lebenslänglichem Dank verpflichtet seid –"
"Meint Ihr das nicht im Ernst?" fragte Ezechiel.
"Ei ja doch! dafür, dass er Euch der Wache übergab und ihr so schwere Strafe bekommen hab't!" lachte Jacobea höhnisch.
In dieser Weise ging die Unterredung noch eine Weile fort und in's Genauere ein im Hin- und Herberaten.
Als Jacobea fort war, verlangte Ezechiel von Rachel den Ring: es war ihm gar nicht eingefallen, dass er nicht da sein könnte, er hielt ihn für gut aufgehoben bei den andern Kleinodien.
Da musste Rachel das geständnis machen, dass sie ihn verloren.
Ezechiel brach in Jammer und Wut darüber aus; erst hielt er es für unglaublich – ja er glaubte, Rachel könne irgend wodurch geahnt oder gehört haben, dass Jacobea irgend einen Plan mit dem Ringe verbinde, und ihn deshalb verstecken, weil sie immer nichts von der Alten wissen wollte und es schon eben jetzt auf's Neue durch ihr Betragen bewiesen; aber die Tochter schwor hoch und teuer, dass sie nicht wisse, wo der Ring hingekommen, und gestand endlich, dass sie ihn im haus des Meisters Sebald verloren, in das sie sich geflüchtet, weil aus diesem die Baubrüder gekommen, die ihnen geholfen hätten und die sie dann auch ein paar Stunden in einer finsteren kammer versteckt, bis es draussen ruhig geworden und sie sicher habe nach haus gehen können. Und dort und nirgend anders könne sie den Ring mit dem Handschuh abgestreift haben. Dass ihr die beiden Baubrüder und ihre wohnung schon von früher gar wohl bekannt, verschwieg sie, wie es auch immer ihr alleiniges geheimnis geblieben war, dass sie in Männerkleidern während Ulrich's Krankheit häufig dahin gegangen war und ihm allerlei Unterstützungen gebracht hatte – Gegenstände, die sie freilich ihrem Vater veruntreut: aber doch nur so, dass sie vorgab, dieselben in seinem Trödlerkram verkauft zu haben und das Geld dafür behalten zu dürfen bat, um es zu irgend einem Bedürfniss, Kleidungsstück oder dergleichen für sich verwenden zu dürfen; denn eine solche Bitte schlug ihr der Vater niemals ab, der sie gern geputzt sah, um den Reichtum des Vaters zu bezeigen – natürlich nicht auf der Strasse, wo dergleichen den Juden verboten war und Ezechiel sich auch immer den Christen und besonders der christlichen Obrigkeit gegenüber arm zu stellen suchte, damit er nicht noch mehr von ihr gebrandschatzt würde, sondern bei den jüdischen Festen, die sie nur in ihren Häusern und in der Synagoge, allein unter ihren Glaubensgenossen feierten.
Wohl aber erzählte sie, dass sie die Baubrüder Ulrich und Hieronymus nach dem Ringe habe fragen wollen, dass sie aber von deren Mutter Marta mit Schimpf empfangen und zur Treppe hinabgeworfen worden sei – zugleich auch die Nachricht erhalten habe, dass die beiden Baubrüder in's Kloster zum heiligen Kreuz gegangen seien.
"Gewiss hat die Alte den Ring und verhehlt ihn nur, um selbst damit zu machen ein gutes Geschäft; diese Christen denken ja noch obendrein, dass es verdienstlich ist, den Juden abzujagen so sauer erworbenes Gut. Du hättest laufen sollen zu allen Goldschmieden Nürnbergs und beschreiben den Ring, damit keiner ihn etwa kaufe, sondern der Frau abnehmen, wozu sie auf unrechte Weise gekommen."
"Ich wusste ja nicht, ob Jemand wissen durfte, dass der Ring uns anvertraut worden sei," sagte Rachel.
"Ach, wenn es sich handelt um einen so grossen Verlust, darf man sich von keinem Bedenken abhalten lassen, wiederzukommen zu seinem Kleinod oder dem Geld," belehrte der Vater.
"Die Baubrüder sind ehrlich," sagte Rachel, "und