nicht zu den Dienern ihres Hauses, aber ich habe Dich schon irgendwo gesehen; Du wirst meiner Rache nicht entgehen, wenn Du mich belügst!"
"Herr!" antwortete Albrecht mit edler Glut und entschlossen keinen unwürdigen Verdacht zu dulden: "Ich kann Eurem Gedächtniss gern zu hülfe kommen; ich heisse Albrecht Dürer und bin Lehrling beim Meister Wohlgemut unter der Veste, der Euch begonnen hat zu conterfeien, in seiner Werkstatt habt Ihr mich gesehen. heute' habe ich im haus des hochedlen Ratsherrn Muffel zu malen, da hatte Jungfrau Ursula besseres Vertrauen zu mir denn Ihr, und da sie einen Boten brauchte zu Euch, auf dessen Treue und Schweigen sie bauen mochte, hat sie mich erwählt. Den Brief hat sie vor meinen eigenen Augen gesiegelt, von ihrem Schreibpult genommen und dabei geweint wie schon vorher. Sie hat mir auch geheissen ihr Nachmittag Antwort zu bringen. Und da ich von dem Gemälde geredet, das Meister Wohlgemut von Euch begonnen, hat sie gesagt, Ihr möchtet es bald vollenden lassen."
Während Albrecht sprach, hatten Stephan's Augen wieder auf dem Briefe geweilt, und es war als betrachte er seine Zeilen nun im mildern Lichte. "Antwort sollst Du bringen?" fuhr er jetzt empor, "wozu Antwort? Doch ja! bring' ihr diese." Er riss die schöne weisse Blume ab, die er vorhin betrachtet hatte, und pflückte dann eine der dunkelsten Purpurblüten eines Granatbaumes, gab beide in Albrecht's Hand und sagte: "Bringe ihr die Blumen als Antwort und sag' ihr: die rote gleiche meiner Empfindung und die weisse der ihrigen."
Albrecht nahm die Blumen und wollte gehen. Da besann sich Stephan doch noch, dass er sich voll roher Rücksichtslosigkeit gegen die Briefsenderin wie gegen ihren Boten benommen – und wollte beides durch eine neue Rohheit gut machen. Er nahm ein Goldstück aus seiner tasche, gab es Albrecht, der es erst nahm, weil er dachte, er solle vielleicht damit noch einen Auftrag vollziehen, und sagte: "Hier, damit Du schweigst und keinem Menschen ein Wort von diesem Botengange sagst."
Albrecht legte das Goldstück rasch auf den nächsten Blumenstock, als sei es glühend, und es schien, als jage es auch solche Glut in sein Gesicht. Mit bebender stimme rief er: "Um Gold tue ich weder das Rechte noch das Unrechte. Ich habe Jungfrau Ursula versprochen zu schweigen, da könnt Ihr ruhig sein." Und während der arme Lehrling hoch aufgerichtet hinausschritt, weil er trotz all' seiner Armut eine Demütigung abgeworfen und das Gold nicht genommen, das ihm in anderer Weise sehr willkommen gewesen, da er oft an dem Nötigsten Mangel litt und sich dafür schönes Werkzeug hätte kaufen können, blieb der reiche Patriziersohn zerfallen mit sich selbst, mit seiner Familie, der Geliebten und darum mit der ganzen Welt in seinem prächtigen türkischen Kiosk zurück, und verwünschte diese Pracht, weil ihm nicht vergönnt war die schönste Blume hineinzuverpflanzen, die unter Nürnbergs Jungfrauen ihm erblüht war.
Und es war nur ein leidiges Vorurteil seines stolzen Vaters, das ihn so unglücklich machte.
Sein Vater war seit seiner Rückkehr aus dem heiligen land Loosunger des grossen Rats, wie denn überhaupt seit einiger Zeit in der Nürnberger Verfassung der Missbrauch eingerissen war, dass nur aus den Geschlechtern der H o l z s c h u h e r und T u c h e r die Loosunger hervorgingen.
Werfen wir, um dies und weiter Folgendes zu erklären, einen blick auf die Nürnberger Verfassung.
Schon seit 1219 war Nürnberg zur f r e i e n R e i c h s s t a d t erhoben worden und eine Urkunde Friedrichs II. bestätigte ihr das Recht: keinen andern Schutzherrn zu haben als die römischen Könige und Kaiser. Die Stadt hatte das Recht, sich nach einer selbstgegebenen republikanischen Verfassung selbst zu regieren, und verdankte dieser gleich andern Städten des Mittelalters ihre Blüte.
Das Stadtregiment bestand in einem g r o ss e n und in einem k l e i n e n R a t h . Der erstere ward aus den vornehmsten Bürgern der Stadt gewählt, welche darum den Namen der "G e n a n n t e n " führten. Der kleine Rat, der das eigentliche Stadtregiment führte, ward mit zweiundvierzig Männern besetzt, wovon vierunddreissig aus den edlen ratsfähigen Geschlechtern und acht aus der Gemeine gewählt wurden. Jene vierunddreissig teilten sich in acht alte Genannte und sechsundzwanzig Bürgermeister, von denen dreizehn Diese Loosunger standen in höchstem Ansehen, In den kleinen Rat konnten übrigens nur solche t e r n gehörten, so nannte man diejenigen Nürnberger Bürger, oder vielmehr Patrizier, deren Ahnen und Urahnen auch im Regiment gewesen. Fremdlinge und das gemeine Volk, wie die Verfassungsurkunde sich ausdrückt, hatten keine Gewalt. Nur ausnahmsweise wurden auch solche, welche erst seit kurzer Zeit nach Nürnberg gekommen, als besondere Auszeichnung, sowie Einheimische ihrer Geburt und ihres Stammes wegen in den Rat aufgenommen; doch konnten sie es nicht höher als bis zum jüngern Bürgermeister bringen.
Wenige Geschlechter nur waren es, deren Sprösslinge es bis zum alten Bürgermeister bringen konnten, noch weniger waren es, woraus die sieben alten Herren, sehr wenige, aus denen die Hauptmänner, und am wenigsten, woraus die Loosunger gewählt werden konnten. So war es denn endlich dahin gekommen, dass lange Zeit hindurch nur die Holzschuher und Tucher dieser Würde teilhaft waren.
1469 war noch N i c