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"Auf jeden Fall ein schreckliches; in dem finstern Loch an der Kette bei wasser und Brod wird man ihn verschmachten lassen – vielleicht auch einmauern –"
"O Gott! und ich habe ihm dies los bereitet!" rief Ulrich ausser sich; "Du sagtest, dass Du schon auf die willkürliche Zertrümmerung aufmerksam gemacht und dass man Dir nicht glaubte; man wollte vielleicht diese schreckliche Strafe vermeiden – und nur durch mich ist der Schuldige gefunden und zum Opfer geworden!"
"Du sagtest ja selbst, dass ein solcher Frevel Strafe verdiene!" entgegnete Konrad verwundert.
"Im Eifer für die Kunst vergass ich den Menschen!" seufzte Ulrich. "Kannst Du mir nicht helfen, diesen Amadeus zu sprechen."
"Wozu sollte das führen? – es wird auch gar nicht möglich sein."
"Konrad – ich beschwöre Dich – verrate mich nicht! Hilf mir! Ich muss ihn sprechen – ich glaube, er ist ein Verwandter von mir. – Hast Du nie etwas von seinem frühern Geschick – seiner Herkunft gehört?"
"Dass er einst ein stolzer Ritter gewesen und vor ungefähr dreizehn Jahren in das Kloster gekommen, hat er mir selbst erzählt. Er habe schwere Sünde auf sich geladen gehabt und sich in diesem wald das Leben nehmen wollen – da er aber das Schwert gegen sich selbst erhoben, habe ihm ein Mönch dasselbe entreissen wollen, so dass er sich nur verwundet; der Mönch, eben der Bruder Martin, der dort schläft, hatte den Bewusstlosen mit in das Kloster genommen und hier den an der Wunde und einem hitzigen Fieber schwer Darniederliegenden verpflegt. Als er wieder zu genesen begann, blieb er im Kloster, um wenigstens für die Welt draussen tot zu sein, und ward Mönch, um seine Sünden zu büssen. Das hat er mir selbst erzählt, da er mich fragte, warum ich so jung schon Zuflucht in diesen Mauern suchte."
"Du wolltest uns Deine geschichte erzählen!" sagte Ulrich.
"Ich glaubte, Du habest mich darum hierher bestellt," antwortete Konrad, "aber Du scheinst jetzt nicht aufgelegt, sie zu hören?"
"Doch" – versetzte Ulrich; "vielleicht gleicht sie der meinen."
"Da sei Gott vor!" rief Konrad im schmerzlich abwehrenden Tone. "Aber ich kann Dir Alles mit wenig Worten sagen. Meine Mutter war eine Wittib in Regensburg, und da mich meine Liebe frühe zur Kunst zog, so lernte ich dort in der Bauhütte und ward in die Zunft der freien Steinmetzen aufgenommen. In dem haus, in dem wir wohnten, hatte die Tochter unserer Hausfrau ein Auge auf mich geworfen, aber ich wollte meinem Gelübde treu bleiben und folgte nicht ihren Lockungen, obwohl ich das Mädchen selbst lieb hatte und es mir manchen schweren Kampf kostete, in meinem Vorsatz fest zu bleiben. Das Mädchen war unglücklich und liebeskrank; ihre Mutter machte mir Vorwürfe und fragte, ob ich ihr die Tochter ermorden wolle oder nicht? Ich hatte keine andere Antwort, als meinen Schwur als Baubruder, der mich zum Cölibat verdammte – da sagte sie: dann wisse sie einen Rat. Ich blieb dennoch von ihr zurückgezogen. Nicht lange darauf erhielt meine Mutter eine gerichtliche Vorladung, deren Inhalt ich nicht erfuhr, und wieder nicht lange darauf ward mir in der Bauhütte angekündigt, dass man mich aus derselben stossen müsse, denn meine Zeugnisse seien falsch gewesen: ich sei nicht von ehrlicher Geburt. Meine Mutter habe mich zwar für das Kind ihres Gatten ausgegeben – aber jetzt habe sie selbst auf Befragen gestanden, dass ich der Sohn des reichsten Nürnberger Patriziers Christoph Scheurl sei. Ich sei dadurch unwürdig bei der Genossenschaft freier Maurer zu bleiben. Um meiner Jugend Willen aber und weil ich noch in den untersten Graden sei, wolle man mich nicht mit Schimpf und Schande ausstossen, dafern ich selbst meinen Austritt erkläre, um mich in ein Kloster zurückzuziehen. So musste ich diese Zufluchtsstätte wählen, um nicht als Geächteter einen ewigen Schimpf auf mich zu laden. So kam ich hierher. Das ganze Unheil hatte unsere Hausfrau angestiftet, der es bekannt war, dass kein unehrlich Geborener Baubruder sein durfte. Sie wollte dadurch ihrer Tochter und vielleicht mir selbst zum Glück verhelfen und dachte, ich könne als profaner Steinmetz mit ihr verbunden überall Arbeit finden – so hatte sie verraten, was ihr meine Mutter schon einst vor vielen Jahren in einem Moment unbedachter Eitelkeit offenbart: dass ich eigentlich ein vornehmer Herr sein sollte, da ein Ratsherr von Nürnberg mein Vater. Ich aber flüchtete vor der Schande in's Kloster, deren Bestrafung auch nur dadurch meiner Mutter erspart blieb. Das unglücklich liebende Mädchen ist gestorben – und ihre Mutter hat durch dies gewaltsame Eingreifen so den Tod des eigenen Kindes und unser Aller Unglück verschuldet!"
Ulrich fühlte sich bei dieser Erzählung von kaltem Schauer geschüttelt – er war keines Wortes fähig, da der Jüngling geendet – umarmte ihn und sagte nur: "Bruder!"
"Du verachtest mich deshalb nicht?" fragte Konrad.
"Nein!" rief Ulrich; "denn ich glaube mehr an den Gott der Liebe, denn an den der Strenge, der die Sünden der Väter an den Kindern heimsucht bis in's dritte und vierte Glied!"
"Dank Dir dafür!" antwortete Konrad. Nach einer Pause, in der jeder seinen Gedanken nachhängen mochte, sagte er: "Und warum willst Du zu Amadeus?"
"Ich muss ihn um