1859_Otto_159_103.txt

gefeiert, dem auch der König mit Kunz von der Rosen und andern seinen Rittern selbst beiwohnte. Auch der Markgraf von Brandenburg war erschienen und noch viele hohe Gäste, sammt Allen, die am Hochzeitszug sich beteiligt.

Auch Konrad Celtes war zugegen. König Max selbst hatte seine Gegenwart gewünscht und beschlossen, den Dichter ganz an sich zu fesseln, Elisabet sah ihren Wunsch erreicht, ihr eigenes Streben dazu war mit einem glücklichen Erfolg gekrönt: in ihrem eigenen haus sah sie den König und den Dichter vereint und sich nahe gebracht, wie sie schon vor zwei Jahren zu König Max gesprochen: "Mich kümmert es wohl, die beiden einzigen Männer, die ich als die edelsten ihres Geschlechtes verehre, berufen, dem gesunkenen deutschen Reiche wieder aufzuhelfen, Hand in Hand wirken zu sehen und die neue Zeit heraufzuführen, der Alle, welche denken können, sich entgegensehnen."

Elisabet beobachtete gegen Celtes wie gegen den König eine gleich strenge Zurückhaltungeine strengere als vordem. Weder dem Einen noch dem Andern hatte sie ein Alleinsein mit ihr gestattet, obwohl der königliche Gast in einer aufgeregten Stunde einen Versuch gemacht hatte. Sie hatte sich Kunz von der Rosen zu ihrem Schützer und vertrauten Freund gewählt und ihm darauf gesagt, dass sie von ihm fordere, dafür einzustehen, als des Königs kluger Rat, dass jener das Recht der Gastfreiheit nicht verletze, noch dass sie selbst genötigt werde es zu tun. Kunz nahm dabei noch einmal vor der ernsten Frau die Narrenmütze ab und sagte, dass er sich freue, unter allen feinen Kunststücklein Nürnbergs das feinste bei ihr zu finden: das schöne Weib eines alten Gatten, das ihm, selbst dem schönsten und mächtigsten Herrscher gegenüber, die Treue bewahreund er werde Alles aufbieten, dass solch' heilig Kunstwerk selbst unverletzt bleibe, ja unbedroht von jedem Vandalismus.

Seitdem war ihr der König mit erneuerter achtung begegnet, und als sie an dem Hochzeitsfest, da er im Gespräch mit Celtes war, in seine Nähe kam, rief er sie zu sich und sagte:

"Nun, edle Frauseid Ihr nun mit mir zufrieden? Mir fiel eben ein, wie ich einst mit Euch tanzte und Euch versprach, jede Bitte zu erfüllen, die Ihr an mich richten möchtet: Ihr batet für das Brautpaar und für Konrad Celtesfür Euch selbst wusstet Ihr nichts, und endlich besannt Ihr Euch darauf, dass ich einmal in Eurem haus wohnen möchte. Das ist geschehen und auch das Andere ist erfüllt: das Brautpaar ist heute vermählt und Konrad Celtes wird mich begleiten und im Dienste des römischen Königs Grösseres noch wirken können, als in dem des Bischofs von Worms."

"Majestät," sagte Elisabet, "verzeiht, wenn ich noch nicht die rechten Worte fand für meinen Dank!"

"Nicht Dank!" antwortete er. "Als ich Euch die Rose gab, sagte ich Euch, dass ich, wenn Ihr sie mich wiedersehen liesset, Euch jeden Wunsch erfüllen würde, den Ihr daran knüpft. Die Rose habt Ihr wohl mir immer zu Ehren getragen, aber einen Wunsch habt Ihr nicht daran geknüpft."

"Ihr sagt es selbst," antwortete sie, "dass Ihr heute alle meine Wünsche erfüllt habtfür mich selbst ist nichts mehr übrig zu wünschen –" und zu hoffen! dachte sie dabei und lächelte befriedigt, weil sie vor uneingestandenen Schmerzen hätte weinen mögen. "Die Rose bleibt mir als Talisman," fuhr sie fort, "wer weiss, welche Gnade ich noch einst damit von Euch erbitteheute kann ich Euch nur danken für die schon erwiesene."

Der König schüttelte mit dem Kopf und meinte, sie wolle nicht nur darum nichts von ihm erbitten, damit er nicht dafür zum Danke Unziemliches von ihr verlangeer wendete sich darum fast unwillig, weil er beschämt war von ihrer klaren Frauenhoheit, schweigend von ihr ab.

Konrad Celtes blickte sie wohl traurig an, aber er verstand sie doch nicht ganznur das weiche Gemüt in Kunz fühlte, welch' eine Tiefe von Schmerz und Entsagung sich hinter diesem stolzen Lächeln verbarger konnte sich nicht helfen: er musste ihr die Hand drücken und dann einen Augenblick sich abwenden, damit Niemand die Träne sähe, die in seinem Auge stand.

Neuntes Capitel

Verurteilung

Im Benediktinerkloster hatte man den beiden Baubrüdern zu ihrem Nachtquartier eine gemeinschaftliche Zelle angewiesen, welche sich etwas gesondert von den eigentlichen Mönchzellen nahe am Tor bei der wohnung des Pförtners befand.

Ermüdet von dem ziemlich weiten Weg, den sie zurückgelegt, und von der Arbeit die sie nach kurzer Ruhe vorgenommen, warfen sie sich bald auf das ihnen bereitete Lager.

"Neugierig bin ich," sagte Hieronymus, "wie sich die geschichte mit dem Sacramentshäuslein aufklären wird. Wer weiss, welche rohe Hand sich daran mag vergriffen haben."

"Kaum kann es anders als in einem Anfall von Wahnsinn, einen Wut-Paroxismus geschehen sein," sagte Ulrich.

"Wer weiss, ob nicht ein widerwilliger Novize oder ein Mönch, der vielleicht ein vorschnell abgelegtes Gelübde bereut, diese Empfindungen im tollen Frevel an dem Allerheiligsten ausgelassen; wer weiss, ob nicht der Abt schon etwas davon ahnte oder wusste und sehr ungelegen durch Dich an seine Pflicht erinnert ward," bemerkte Hieronymus.

"Vielleicht erfahren wir es von dem Bruder Konrad," antwortete Ulrich, "der schon unsere Ansicht ausgesprochen und doch damit zurückgewiesen worden war."

"Hast Du ihn schon nach dem