und nicht minder hoffnungsvolle – trotz der Sorgen, die auf dieser erledigten Krone lasteten ... Hier eine mit wirklichem Schmerz niederblickende, der schweren Zeit gedenkend – ... Geprüft waren sie alle, diese "letzten Märtyrer", durch die bittersten Erfahrungen, zum mindesten durch ihre ungewohnten Entbehrungen ... In dieser diesmaligen Wahl entschied sich die Frage der säcularisirten Hierarchie für immer ...
Unter ihnen schritt Cardinal Vincente Ambrosi – gern als der künftige Stellvertreter Christi bezeichnet ... Noch immer gab er ein wohltuendes Bild männlicher Schönheit ... Schneeweiss sein Haar, schwarz die scharfe Augenbraue ... Ihm galt der Zuruf der Römer – ... Um so mehr, da man wusste, dass das alte Recht der drei grossen rechtgläubigen Dynastieen Frankreich, Oesterreich und Spanien gegen ihn geübt werden sollte – das Recht, dass, als Bevollmächtigter einer dieser Monarchieen, ein Cardinal gegen ihn protestiren durfte ... Gegen Einen nur und Einmal nur durfte protestirt werden – dann "s t i r b t die Biene, wenn sie den Stachel in ihren Feind senkte", wie Cardinal Wiseman sagt ...
Auch Fefelotti folgte ... Krumm, ganz vom Alter gebeugt, citronengelb, geführt von zwei Conclavisten ... Ein Zischen und Höhnen der Masse verfolgte ihn, wie mit Spiessruten; jeder Mund hatte eine andere böse Tat von ihm zu erzählen ... Auch die Feuersbrunst vor Jahren auf Strada dei Mercanti wurde nur ihm, nur der Fürstin Olympia Rucca mit ihm im Bunde zugeschrieben ... Letztere war nach Spanien entflohen und lebte ihre angeborene natur, vielleicht auch inneren Schmerz, jedenfalls die Zerstörung und den gänzlichen Verfall, den solchen Naturen das Alter verhängt, in den Stiergefechten von Madrid, im Mut der Espadas und Picadoren aus ... Alle Trümmer des ehemaligen Roms verendeten in Spanien – Der junge Rucca befand sich dort mit seinen Orden, mit seinen Titeln und dem klingenden Wert aller seiner verkauften Güter – ...
Ein Glück für Fefelotti, dass ihm im Zug der Cardinäle Bonaventura d'Asselyno folgte – sein Gegner, ein Name, den Italien verehrte – ... Sogleich verstummte der Hohn, als die rollenden Augen dieser wilden Menschen den Erzbischof von Coni sahen ... Auf Bonaventura passten die Worte Samuelis: "Sieh nicht auf sein Angesicht, noch auf die Höhe seiner Gestalt – sieh auf sein Herz" ... Angesicht und Gestalt ragten im zug majestätisch und doch sprach nur jeder von seinem mutigen Geist, von seinem edlen Herzen – Nach des Präsidenten von Wittekind tod wusste alle Welt die geschichte Federigo's ...
drei Tage hatte das Volk durch einen kleinen Schornstein am Quirinal den aufsteigenden Rauch beobachtet, der vom Verbrennen der Wahlzettel im Ofen der Kapelle des Conclave kommt ... Im kleinen Garten, der zu dem von seinem Besitzer verlassenen und deshalb leicht zu ermietenden Palast Ruspigliosi gehörte, wandelten Paula und Armgart schon seit drei Tagen auf und nieder wie mit Flügeln, die ihr Wille gewaltsam niederhalten musste; bangfrohe sehnsucht und Erwartung hob ihre Seelen, als wäre nur noch der Aeter ihr Bereich ...
Die dreifache Krone gewinnt nur Er –! sprach Armgart zur Freundin, der sie Führerin und Lenkerin aller ihrer Lebensentschlüsse geworden ... In deinen Jugendträumen hast du ihn so gesehen; so wird es sich auch erfüllen! ...
Was sah' ich nicht alles und die Erfüllung – – blieb aus! ... sprach Paula ...
Alles kam anders – als wir erwarteten, aber es traf zu – zum Guten –! ...
Armgart durfte gewiss so sprechen in Rücksicht auf den eignen Frieden, der in ihr Inneres eingezogen war ... Tiebold's Hand hatte sie abgelehnt, aber die fortdauernden Beweise seiner Freundschaft liess sie sich gefallen; wenn die Trennungen zu lange dauerten, konnte sie seine erheiternde Nähe kaum entbehren ... Tiebold, reich und guter Laune, gefällig, alles zum Besten wendend, reiste zwischen den "letzten Trümmern seiner schöneren Vergangenheit" hin und her ...
Sein Pate, Benno, wie er genannt wurde, hatte jetzt nur die Krieger im Auge, die Kanonen an den Schanzkörben hinter dem braunen Gestein der Cestiuspyramide, die dreifarbigen Fahnen und die blitzenden Bajonnete auf dem nahegelegenen alten Römertor ...
Als ich heute in unserm haus das Bild des Guido an der Decke betrachtete, sprach Paula, den Aufgang Aurorens über die Gewässer, musst' ich deiner Erzählung gedenken, die du nach dem Schreckenstage des Westerhofer Brandes vom Jagdgelag auf Münnichhof gabst – an des seligen Onkels Schilderung der Farben, die dem Aufgang der Sonne über Meereswogen vorangehen ... So geh' ich auch heute ganz in Licht und Purpur ...
Armgart drückte die Hand der Freundin und sprach:
Wir sind bis zu Gräbern gekommen und haben immer noch Hoffnungen für diese Erde –! ...
Während sie so plauderten auf dem marmornen Sarkophage, versunken in Träume und Erinnerungen, und ihre Augen dem Knaben folgten, der nach Schmetterlingen haschte, erbebte plötzlich die Luft vom Donner eines Kanonenschusses ...
Die Krieger ringsum griffen zu den Waffen ... Auch auf dem Monte Testaccio wurde es lebendig ... Der Schuss kam von der inneren Stadt ...
Bald fielen, während die Kanonenschüsse sich wiederholten, Glocken ein ... Immer mehr und mehr der ehernen Zungen begannen auf allen Türmen zu läuten ...