zur Bildsäule, von Ambrosi gehalten, jedes Wort wie die Spitze eines Dolches fühlte, doch mit dem innigsten Anteil sein Ohr darhielt, fuhr der Bericht fort:
Nun stellte es sich heraus, dass der eine der beiden Männer jener deutsche Mönch war, der einst den Grizzifalcone erschossen hat, Frâ Hubertus ... Der andere hat sich keineswegs als Räuber herausgestellt ... Es war – ein Freund der unglücklichen frommen Gräfin, der nur allein zum Helfen gekommen war – ein Priester des Al-Gesú, Pater Stanislaus ... Die Gräfin Sarzana wurde über die Engelsbrücke getragen, noch hatte sie einige Besinnung; sie erreichte das Krankenhaus der Deutschen nicht mehr ... An den Stufen der Peterskirche hielt die Bahre ... Dort ist sie verschieden ...
Bonaventura war auf einen Sessel gesunken ...
Den toten Pater Stanislaus, hiess es, holten seine Ordensbrüder ... Frâ Hubertus hätte, versicherte man, mit seinem Mut und seiner unbändigen Kraft den schreckhaften Ausgang auf alle Fälle verhindert, wär' er nur anfangs auf dem Brandplatz verblieben ... Aber mitten im Gewühl behauptete er die Spur eines Mannes verloren zu haben, dem sein leichtbeschwingter Fuss aus dem Sacro Officio gefolgt war und den er im Gedräng der Menschen aus den Augen verlor ... Darüber verstrich die Zeit ... Endlich erblickte er in jenem vermeintlichen Kampf mit Gräfin Sarzana den Gesuchten, rief Worte in einer unverständlichen Sprache hinauf, kletterte in die Höhe – alles stand entsetzt ... Es war – als wenn der Tod, ein Knochengeripp, beleuchtet vom blutroten Schein der Flammen, die schon brennenden Sprossen der Leiter herabklimmen wollte, zwei Leben im Arm – Der Erfolg des Sprunges gab dem Sensenmann, was er suchte – ... Die Erzählenden hielten auf einen Wink Ambrosi's inne ... Bonaventura vernahm nichts mehr.
Neuntes Buch
18??
Selbst am brausenden Donnerton des Wassersturzes nistet ein Vogel im traulichen Versteck ...
Die ermüdete Menschenseele, Erquickung bedürfend, sucht sich ihre Ordnung aus den Schrecken der Zerstörung, sucht – und findet ihre alte, ihr so wohlbekannte Gewöhnung an Freud' und Leid – auch in Sturm und Ungewitter ...
Am Fuss eines alten unschönen Gemäuers in Rom, die Pyramide des Cestius genannt und, der Inschrift zufolge, das Grabdenkmal eines wohlhabenden Kochs aus Kaiser Augustus' Zeit, schmettert in die blaue sonnige Frühlingsluft eine Nachtigall ...
Die Sängerin der Haine würde vielleicht entfliehen, wenn die Fittiche der Nachtunholde, das ringelnde Schleichen einer Schlange sie umkreisten – die Wildheit der Menschen stört sie nicht ...
Kanonen donnern – ... Wilde Lieder erschallen – ... Tausende von Menschen üben sich im Dienst der Waffen ... Die Nachtigall singt ihre Klage unter Rosenbüschen ...
Am Fuss des alten Gemäuers breitet sich ein Kirchhof aus ...
Wohlgewählt dieser Platz beim alten Cajus Cestius, Koch und Gastwirt in dem alten Rom –! Auch Herberge gab er ohne Zweifel den Fremden – den Griechen, Persern, Afrikanern ... Und dieser Kirchhof hier gibt jetzt den Juden und Ketzern Herberge, wenn sie in Rom ihr Auge schlossen ... Diese Rosen und Lilien an dem alten Gemäuer, wo die Nachtigall schlägt, gehören dem Kirchhof der Protestanten ...
Rom ist in Waffen ...
Ein Dictator ist erstanden ... Eben steht er oben und überschaut an diesem entlegenen Ende der Stadt, vom Monte Testaccio aus, die Ebene mit seinem Fernrohr ... Eine kräftige, gedrungene Gestalt mit gebräuntem Antlitz, schlichtem, schon weissem Haar, fast deutschen Augen ... Ein Italiener ist's mit dem grauen Reiterhut und einer roten wallenden Feder drauf ... Sein militärischer Stab begleitet ihn ...
Von hier aus sieht man deutlich drei Heere zu gleicher Zeit, die in Latiums grosser Ebene, der Campagna, so lagern, wie einst die Cimbern und Teutonen hier und zur Zeit der Völkerwanderung die Hunnen lagerten ... Dem Meere zu liegt das Heer der Franken ... Dem Gebirge zu das Heer der "Deutschen" – was eben "Deutsche" unter Oesterreichs Fahnen sind – ... An der südlichen Seite liegt das Heer der Italiener, im Bund mit der Erhebung in Rom und seinem sieggewohnten Führer ...
Der Monte Testaccio ist ein seltsamer Berg ... Vom Abfall der Küchen, die eine Verwaltung, die im Altertum sorgsamer als die spätere päpstliche war, hier auf einen Haufen an die Tore der Stadt schaffen liess, hat sich ein Hügel erhoben, in welchem Unkraut wuchert auf angeflogener Erde, die, in die Ritzen eingedrungen, den Mörtel dieser zu einem Ganzen vereinigten Scherben bildet ... Wie mancher schöne Henkelkrug liegt da in Trümmern –! ... Wessen Hand mag ihn einst an die dürstende Lippe gesetzt haben –! ...
Noch sind die Götter des friedlichen Hauses nicht ganz von diesen Gefässen gewichen, die ihnen einst geweiht waren ... Der Monte Testaccio ist ausgehöhlt und verbreitet süssen Kelterduft aus zahllosen Weinkellern ... Hier hatte vielleicht schon Cajus Cestius seine Weinvorräte ... über diese Trümmer gibt es Treppen, Estraden, Lauben von Akazien- und Holunderbüschen, wo die, die einen Guten im Kühlen zu schätzen wissen, in Hemdärmeln sitzen und das schöne "Aller Weisheit sich entschlagen" üben, das in Rom von jeher beim Becher geliebt wurde ...
Auch heute