, deinen Siegen ... Ist es nicht gut, zu entbehren um einen Gewinn? ... Sah ich dich nicht, ob hier, ob dort, in meinen Armen, vereint mit dir in jenen grossen Opfern, die nie ausbleiben werden, solange die Erde in ihren Bahnen der Dunkelheit und der sehnsucht zum unsterblichen Lichte rollt –! ... Ich fürchtete nichts von den Schrecken dieser Welt – nichts von den Schrecken Italiens ... Müssen sich nicht selbst die Drohnisse der natur in Quellen der Freude verwandeln, wenn sie uns die Gemeinsamkeit des Erdenlooses lehren und das Bild eines grossen Zweckes aufstellen, dem aus Tod erst an der ewigen Schöpfungsquelle die Erfüllung wird! ... Wenn ich dir schildern sollte, wie ich auf meinem Pilgergang nach Loretto, in der Gefangenschaft der Räuber, im Silaswald in jener Waldeinsamkeit, die ich in meinen Jugendträumen so oft gepriesen und ersehnt, hin und her bewegt wurde von einer Welt andringender, mich stets beschäftigender Tatsachen, wie ich namentlich im Hinblick auf dich und deine grosse Laufbahn von Zweifel, Hoffnung, innigster Vater- ja Freundesliebe bewegt wurde – dann soviel freundliche Genien fand, die mich auch wiederum einen Jüngling wie Ambrosi, entsagungsmutig, willensstark und willensrein finden liessen – Paolo Vigo – wie ich nun drei schon einem Gottesreiche gewonnen sah, das mit klingenden Harfen näher und näher den Nebeln der Erde kommt – ..."
Bis hierher hatten die Freunde gelesen, als die Lampe erlosch und sie sahen, dass der helle Morgen tagte ...
Sie hatten das Schwinden der Zeit nicht bemerkt ... Auch das Verglimmen des Feuers im Kamin nicht ... Nun meldeten sich die Rechte der natur im Gefühl, dass es Winter war ...
Draussen läuteten die Morgenglocken ... Sie waren so selig ergriffen von Freundschaft, Liebe und Hoffnung, dass ihnen die Besinnung auf die Welt, sogar der Hinblick auf die in den öden Mauern des Inquisitionspalastes liegende Hülle der edlen, schwärmerischen Seele, die hier zu ihnen sprach, wie ein Traum, eine märchenhafte Jugenderinnerung war ...
Den Rest der Blätter wollten sie auf den stilleren Abend lassen und wenige Stunden noch ruhen ... Dann hatten sie die Absicht, zunächst zum General der Dominicaner zu fahren und dem zu danken ... Hierauf wollten sie in den Inquisitionspalast, später nach San-Pietro in Montorio ...
Schon hörte man von der Strasse her den Lärm des Tages ...
Eben wollten die Freunde sich trennen, als sie bemerkten, dass der Diener, welcher die auf dem entlegenen Zimmer Eingeschlossenen nicht ferner hatte stören dürfen und auch inzwischen geruht hatte und sie staunend noch nicht zu Bett gegangen wiederfand, noch eine Eröffnung für sie bereitzuhalten schien ... Er sagte, dass die trübe Nachricht erst nach Mitternacht gekommen wäre und er nicht sofort sie zu melden gewagt hätte ...
Es war verhängt, dass sich keine Ruhe auf die leidüberladenen Herzen senken sollte ...
Die Feuersbrunst hatte auf Via dei Mercanti stattgefunden ... Sie war seit Jahren eine der grössten, die in Rom stattgefunden ... Die daselbst in einem alten Palast befindlichen Waarenmagazine waren von den wütenden Flammen zerstört worden ... Von oben und unten sich begegnend hatten sie die Stiegen unbetretbar gemacht ... Man beklagte Verlust an Menschenleben ...
Ambrosi und Bonaventura fragten nach Gräfin Sarzana ...
Der Diener berichtete ihren Tod ...
Ein Franciscanerbruder, erzählte er und die sich mehrende Dienerschaft ergänzte seinen Bericht, hätte retten wollen ... Mutig stürzte sich der Mönch in die Flammen, zumal als man zu sehen glaubte, dass eine Dame, die oben einen Ausgang aus der Zerstörung suchte, einem Räuber ein Kästchen entriss, das sie mit Verzweiflung und hülferufend vor ihm zu wahren suchte ... Auf einer mit Eisenblech beschlagenen Leiter erreichte der Mönch den Balcon, der schon mit brennendem, zur Rettung bestimmtem Gerät überhäuft war, kletterte in ein vom wirbelnden Qualm und mit knisternden Funken erfülltes Zimmer, wo durch die zersprungenen Fensterscheiben hindurch deutlich das Ringen der Dame mit einem Mann erblickt werden konnte, dem sie jenes Kästchen nicht überlassen zu wollen schien ... Der Mönch machte sich Bahn, ergriff den kleinen Schrein, warf ihn auf die Strasse – in die verzehrende Glut, die ihn sofort zerstörte ... Die Flamme loderte so hoch auf, dass bereits die glühend gewordene Leiter brannte ... Eine neue versuchte man anzulegen ... Vergebens ... Noch einmal hörte man aus dem allgemeinen Lärm der Verwüstung und Zerstörung heraus die stimme des Mönchs, der seine schon brennende Kutte abgerissen hatte, hörte den mächtigen Ausruf: "Schon einmal gelang es, Brüderchen!" ... Da verloren sich die italienischen Worte, die der Mutige noch verständlich gerufen hatte, in eine fremde Sprache ... Mit dem einen Arm ergriff der Mönch den Räuber, mit dem andern die Gräfin Sarzana, hob beide hochhinweg über die brennenden Gerätschaften auf dem Balcon und schickte sich zum Sprunge an ... Die Balken des Daches stürzen, die Flamme sucht mit gierigem Schlund die schon Erstikkenden ... Jetzt, mit dem Ausruf: Noch einmal in Jesu Namen! springt der Rettende in die Tiefe ... Mit zerschmetterten Gliedern lagen drei Menschen auf der Strasse – bedeckt von den brennenden Balken und dem Schutt der Zerstörung – ... Sie lagen tot – ...
Während Bonaventura erstarrt