seinem eigenen Entschluss, Priester zu werden, von seiner Pfarre in sankt-Wolfgang, einem Ort, wo dann zufällig des Onkels Max ehemaliger Diener schon seit Jahren sich niedergelassen hatte ... Bonaventura erzählte, wie treu der alte Mevissen sein geheimnis gehütet – treu, falls er gewusst, dass der Verschollene lebte ... Dann schilderte Bonaventura die beim tod Mevissen's vorgefallenen Dinge, welche durch Hubertus dem Vater nur hatten unvollständig bekannt werden können ... Eben war er an die Beraubung des Sarges angekommen, als ihm der veränderte blick des Vaters auffiel ... Bonaventura musste sich unterbrechen und fragen:
Vater – wie ist dir –! ...
Dieser antwortete schon nicht mehr und lag wie betäubt ...
Bonaventura eilte, um nach wasser zu suchen ... Aus einem Glase, das er mit wasser gefüllt fand, benetzte er dem Greise die Stirn ...
Noch einmal schlug Friedrich von Asselyn die Augen auf ... Liebevoll liess er das Beginnen des Sohnes gewähren ... Plötzlich starrten seine Augen nach einer Uhr, die an der Wand hing, und er sprach:
Lass dir – von meinen Begleitern – die ich deiner Liebe empfehle – ...
Vater! ... unterbrach Bonaventura, voll Entsetzen die Veränderung der Gesichtszüge, ein krampfhaftes Zucken des Kinns, ein Schütteln der hände bemerkend ...
Die – Stunde – ist – – hauchte der Sterbende mit kaum noch vernehmbarem Ton ...
Bonaventura wollte die Mönche und etwaigen andern heilkundigen Beistand rufen ...
Der Vater hielt noch krampfhaft seine rechte Hand fest ...
Bonaventura's Linke nahm mit seinem Taschentuch vom Mund des Sterbenden schon leichte Schaumbläschen ... Zugleich vernahm er noch die Worte:
Lass dir von meinen Begleitern – lass dir von ihnen – die Pilgerstäbe geben ... Dort der meine ... Ich sehe ihn nicht ... Ist's ein Baum – ... Er grünt – und wächst –! ... Sieh die kühlen – Schatten ... Die Zweige wie sie – dicht – ...
Vater, dich täuscht dein Auge ...
Bonaventura sah die Kennzeichen des Todes, deren er in kurzer Zeit so viele hatte sammeln müssen ...
Ein Baum – wie die Eichen in – Castellungo ... Ha! Sieh – das Feuer! ... Sieh, von rosigen Wolken – alles bedeckt ... Von Licht – und – Wonne des Triumphs ... Sie kommen von allen Zonen und bekennen das Lob des Höchsten ... Ils – engendron – Dio – in lor – – mesêmes ... – In sich Gott und – Gott – in – uns ... – Die – Nobla Leiçon – hörst du – der – Waldenser – Lobgesang – ...
Vater! flehte Bonaventura und mühte sich, dem Sinn dieser Worte zu folgen – – Ich rufe Ambrosi – den Arzt – ...
Der Sterbende beherrschte noch einmal sein unaufhaltsam ihn fortreissendes Irrereden und fuhr fort:
Die Nobla Leiçon nimm – öffne die Wanderstäbe – meiner – Führer ... In ihnen – findest du – mein Leben – und deines – ... Kennst – – die Nobla – Leiçon? ...
Ich kenne sie ... hauchte Bonaventura mit stockendem Atem und die schweissbedeckte Stirn des Vaters trocknend ... Er verstand, dass in den Wanderstäben der Gefangenen ihm ein letzter Gruss gesagt werden sollte ...
In kurzen abgerissenen Sätzen sprach der Vater:
Sie können nicht lesen, was – die Chiffern sagen – ... Der Schlüssel – ist – die Nobla Leiçon ... Im – Anfang – war das Wort – und das Wort – ...
Bonaventura's Lebensgeister blieben in fieberhafter Spannung, während die des Vaters entschwanden ...
Die Nobla Leiçon – macht die Chiffern – der Pilgerstäbe – zu Worten ... O frayres – entende – una – nobla. – A – und – B ... Mein Alpha und – Omega – "Herr bleib – mit – Deiner – Gnade –" ...
Der Irreredende erhob die stimme zum Singen – ...
Die ersten Worte der Nobla Leiçon entalten das Alphabet – des – Testamentes, das du mir – hinterlassen wolltest –! sprach Bonaventura dicht am Ohr des Sterbenden – ...
Amen! sprach der Greis und sank zusammen ...
Und wieder regte es sich in der Nähe ... Und wieder war es, als huschten oberhalb schleichende Fusstritte ...
Diesmal kam auch Geräusch von der Tür ... Ohne Zweifel setzten die Harrenden voraus, dass die beichte des Ketzers vorüber war .... Wenn sein Seelenhirt noch länger blieb konnte es sein, dass ihm auch aus seiner Hand die letzte Oelung und das Abendmahl erteilt wurde ...
Die Tür öffnete sich ... Der General der Dominicaner trat selbst herein, die Monstranz in der Hand ... Ein Assistent hinter, ihm mit den Werkzeugen der letzten Oelung ... Die Tür blieb offen ... Draussen standen Cardinal Ambrosi, der Prälat des Hauses – Bruder Hubertus und Paolo Vigo folgten – beide freigegeben, um ihre Wanderung auf San-Pietro in Montorio anzutreten, wohin man auch Paolo Vigo zunächst verwies ... Schon hielten beide ihre Habe und ihre Stäbe in den Händen ... Alle Dominicanermönche murmelten draussen das