die Hand kraftlos auf die Decke ...
Eine Pause trat ein, die nur vom stillen Weinen Bonaventura's und von den liebkosenden Bewegungen seines Vaters unterbrochen wurde ...
Hat dich Gott so erhöht! ... sprach der Greis, die Gewänder des wiederholt Knienden berührend ... Und als dieser schwieg und die Zeichen seiner Würde mit Geringschätzung betrachtete, setzte er hinzu:
Als du – Bischof in Robillante wurdest, da – musst' ich fliehen ... Denn eines Mannes – Tat soll – nicht halb sein ... Ich wollte nicht – mehr für die Welt – am wenigsten die Meinen – am Leben sein ... Deine Mutter – wollt' ich glücklich machen ...
Sie wurde es nicht –! ... sprach der Sohn ...
Der Greis erwiderte nichts ...
Damals schon wollt' ich dich einem Schicksal ent
reissen, dem du nun doch erlegen bist –! fuhr der Sohn fort und betrachtete die elende Umgebung ... Man wird dich mir herausgeben müssen ... Man soll dich in einer Sänfte in meine wohnung, in die wohnung deines edlen Ambrosi tragen – ...
Ambrosi! sprach der Vater und faltete voll Vereh
rung die hände ... Wo ist – er –? ...
Ich rufe ihn – fuhr Bonaventura fort ...
Der Greis tastete nach seiner Hand und sprach:
Zum – Ketzer – und mich – in das Haus – der Car
dinäle? ... Ich sehe – auch so – mit Freuden auf meine – Saat ... Herzen fand ich, in denen sie aufgegangen ... Auch in den euern ... Mein geheimnis – bleibe bedeckt – vom – grab ...
Vater! flehte Bonaventura, wir beide sehnen uns
nach dem Martyrium! ... Auch Vincente ist angekommen an der Grenze seiner grossen Gelübde ... Nur auf der Höhe wollte er leiden, wie Jesus auf einem Berge litt ... Dank, Dank deiner Lehre ... Er ist heilig – nicht ich! ...
Der Greis faltete, allen diesen Worten scharf auf
merkend, seine hände und sprach:
Die Zeugen des gekreuzigten – Lammes sehe' ich –
in weissen Gewändern ... Sind das – die Glocken – der Peterskirche – die so läuten –? ... Kann – auf Erden – Stolz wohl ewig – währen? ...
Mit bangem Herzen hatte sich Bonaventura erhoben und eine hölzerne Bank dem ärmlichen Bette nähergerückt ... Erschüttert von dem, auch ihm aus der Seele gesprochenen Worte, dass die Peterskirche nur den Eindruck des Stolzes mache und beschämt vom Pomp seiner bunten Kleider, bat er wiederholt:
Schon die sechste Stunde ist es ... Alles ist dunkel ... Ich lasse eine Sänfte bringen und sie tragen dich in die wohnung Ambrosi's ... Und das Officium gestattet es ... Mehr noch, ich bekenne dich als meinen Vater ...
Mein Sohn! wiederholte abwehrend der Greis ... Unser geheimnis decke das Grab ... Schon um Wittekind's willen ... Ich habe den seligsten Tod ... Schöner, als ich ihn je geträumt ... konnte' ich nicht in meiner Wildniss – bittrer enden? ... In Castellungo – ... Horch, was – läuten – so – die Glocken –! ...
Die Augen des Greises wandten sich wie innenwärts ...
Jedes Wort ist ein ewiger Vorwurf meines inneren! nahm Bonaventura mit äusserstem Schmerz die abbrechende Rede des ohne Zweifel in Erinnerungen an Gräfin Erdmute und an seine Hütte bei Castellungo verlorenen Vaters auf ...
Dieser betrachtete ihn und sprach liebevoll mit zurückkehrendem Bewusstsein:
Nein, mein Sohn! ... Vor dem tod – deiner Mutter dich wiederzusehen – das hätt' ich nicht ertragen ... Lieber hätt' ich vor Schaam mir selbst den Tod gegeben – den ich nun auch – in – Jesu Namen – ...
Gib uns nicht den Schmerz, dass du nicht mehr leben willst –! unterbrach Bonaventura ...
Lass nur noch die beiden treuen Seelen – entgegnete der Greis, die mich so oft – erquickt, so oft dem Leben – erhalten haben, nicht ohne deinen Schutz – wenn du, hoff' ich, noch Schutz verleihen kannst, nachdem du – einem Ketzer – deine Teilnahme bewiesen ...
Einem Ketzer! Vater! ... sprach Bonaventura und setzte dicht am Ohr des Greises hinzu: Ich selbst – bin ich – denn nicht – selbst – ein Ungetaufter! ...
Der Greis wandte die Augen auf den Sohn voll Bestürzung ...
Was Leo_Perl einst – dem Bischof von Witoborn – bekannte – ich sollte es ja erfahren! fuhr Bonaventura fort ... War es nicht dein Wunsch? ... Im Sarge deines alten treuen Dieners fand sich ja – ...
Mein Wunsch? unterbrach der Vater staunend und seine letzte Kraft zusammenraffend ...
Bonaventura hielt inne ... Die Aufmerksamkeit des Greises war zu erregt ... Auch machte ihn ein oberhalb des Zimmers wie von einem Fusstritt vernehmbares Geräusch einen Moment betroffen ...
Dann begann er leise eine Erzählung vom ersten Eindruck, welchen damals das Verschwinden des Vaters auf die Welt und ihn gemacht hätte, vom neuen Bund der Mutter, von des Onkels Fürsorge für ihn, von