1858_Gutzkow_031_931.txt

höhnische Blicke auf Bonaventura warf ...

Ein unverkennbarer blick aus den Augen der Gräfin Sarzana sagte: Sprächest D u das Deutsche, so wär' es Wohllaut und die Sprache der Götter! ...

Die Stimmung, in welcher sich Bonaventura befand (vor ihm lagen die Fenster der von Paula heute verlassenen wohnung; sie waren geöffnet, mit Spuren der Abreise ihrer bisherigen Bewohner) bestimmte ihn, ihrem blick durch milden Ausdruck des seinigen zu erwidern ... War es eine durch die deutsche Sprache geweckte Rührung beim Gedanken an die Heimat, beim Hinblick auf alles, was sein Leben, das Leben seiner Nachbarin auf dem Boden des Vaterlandes schon durchlaufen hatte und wie sie beide das Gewand einer fremden Nationalität angezogen hatten und jetzt in der Tat durch ihre Lage Verbundene warenoder welches andere Gefühl ihn ergriffen haben mochtesein blick blieb voll Milde und Anteil ... Lucinde hätte gewünscht, die Rückgabe der Urkunde schon für heute angesagt zu haben ... Sie suchte nach einer gelegenheit, sich ihm verständlich zu machen und hatte ihn auf alle Fälle wegen Neapels zu befragen – ...

Vor Bonaventura sassen mehre Mönche in schlichten Ordensgewändern ...

Unter ihnen befand sich Pater Lanfranco, der General der Dominicaner ...

Ambrosi blinzelte seitwärts auf Bonaventura und flüsterte ihm die Bitte, an den General keine Frage wegen Federigo's zu richten ... Neben dem General sassen zwei fremde, wie es schien, angesehene Weltpriester, denen sich anmerken liess, dass sie zu den Affiliirten der Jesuiten gehörten ... Römischkatolische Geistliche haben darin einen blick, der sich selten täuscht ...

Pater Lanfranco in seiner weissen Kutte sass mit gebeugtem haupt, unbeweglich; am kahlen Scheitel war ersichtlich nur sein Gehör in Tätigkeit ... Ein südfranzösischer Kopf, scharf ausgeprägt ... Ein Schädel nicht rund, eher länglich und nach oben viereckt auslaufend, wie die getrocknete Feige ... Bei einem Lobgesang auf Maria in provençalischer Sprache wurde seine unbewegliche Gestalt lebendiger ...

Ein italienischer Zögling trat auf und sprach malaiischdie Abwechslung blieb die bunteste – ...

Als der Redner in seinem wunderlich lautenden Vortrag stockte, sagte einer der Nebenmänner des Generals:

Im Sacro Officio sollen Ihre Brüder in Neapel einen Mönch haben, der diese Sprache besser versteht! ...

Sie kommt mir vor, entgegnete Lanfranco in fremdartigem Italienisch, als balancirte ein Jongleur auf der Lippe mit geschliffenen Messern; da kann wohl eins zur Erde fallen ...

Bonaventura konnte nicht den Namen Neapels nennen hören ohne aufzuhorchen ... Noch dachte er nicht an den Bruder Hubertus, dessen ehemaliges Leben in Java ihm bekannt sein durfte ...

Nach einer Weile wurde auch ein auf dem Programm verzeichneter holländischer Vortrag gehalten, für welchen der General der Jesuiten, ein Holländer, competent gewesen wäreer war nicht anwesend ...

Diese probe ging geläufiger ...

Der General der Dominicaner sagte zu seinem Nebenmann:

Ist Ihr Malaie nicht auch mit dem Holländischen vertraut? ...

Gewiss! sagten seine beiden Nebenmänner zu gleicher Zeit und einer fügte hinzu:

Jener Bruder Franciscaner, der vor Jahren den Pasqualetto erschoss ...

Bonaventura, erkennend, dass von Hubertus die Rede war, wollte sich in die Unterhaltung einmischen, als ihn Ambrosi mit einer heimlichen Handbewegung zurückhielt ...

Merkt Ihr denn nicht, mein Freund, flüsterte er ihm zu, dass es nur darauf abgesehen ist, Ihre Aufmerksamkeit zu erregen? ...

In der Tat warfen die beiden Weltgeistlichen flüchtig schielende Blicke auf die hinter ihnen Sitzenden und trugen ihre Plaudereien so stark auf, dass Ambrosi's Verdacht sich bestätigte ...

Der General schien wie Ambrosi zu denken und schwieg ...

Doch nun wurden von seinen Nebenmännern auch die Ketzer des Silaswaldes erwähnt ... Frâ Federigo's Name fiel, für beide, Bonaventura und Ambrosi, ein elektrischer Schlag ...

Immer wieder unterbrach der Redeactus, das Beifallklatschen und lachen, das Blättern in den Programmen eine Unterhaltung, die der General offenbar auf andere Gegenstände zu lenken suchte, als die waren, an denen seine Nebenmänner festielten ...

Jetzt sagte der Gesprächigste, der dem General zur Linken sass:

Eure Gnaden werden am besten die Bücher lesen können, welche bei jenem Hexenmeister im Silaswald gefunden wurden; die meisten verbrannte er in seiner Hütte ... Sie sind in provençalischer Sprache geschrieben ...

Sind die Gefangenen eingetroffen? fragte jetzt der andere ...

Ich hörte bei Monsignore Cocle, fuhr der erste fort, dass Einer von ihnen kaum die Anstrengung der Reise überleben wird ...

Dennoch sind sie da! sprach Lanfranco scharf und bestimmt und schnitt damit das Gespräch ab ...

Die wirkung dieser Worte, wurden sie nun in berechneter Weise so betont gesprochen oder nicht, war keine andere, als dass sich Bonaventura sofort erhob und zum Gehen Bahn machte ...

Das aufsehen dieser Entfernung, der sich auch Cardinal Ambrosi anschloss, war allgemein ... Jetzt sah man recht, wie diese beiden Priestererscheinungen das Interesse der römischen Gesellschaft bildeten ... Für ihren hohen Rang zwei noch so jugendliche und männlich schöne Gestalten ... Der eine schlank und ernst wie die Cypresse, der andere blühend wie ein Rosenstrauch ... Von manchem Maler, mancher englischen Touristin, wurden ihre Züge verstohlen aufgefangen ... Beide senkten ihre Augen ... Jener, um nur seiner