Inquisition gehörte jenen; er zog den General-Inquisitor ins Vertrauen ... Pater Lanfranco wirkte in der Tat im günstigsten Sinne nach Neapel ... Bald wurde, zur Wut der Jesuiten, der alte Negrino freigegeben, selbst Paolo Vigo sollte unter gewissen Bedingungen zu Ostern das Sacro Offizio verlassen ... Von Frâ Federigo sowohl wie von dem, auf Betrieb der Jesuiten, aufs heftigste von den Franciscanern reclamirten Hubertus hiess es, beide würden nach Rom geschickt werden, sobald die Acten spruchreif wären und den letzten Spruch sollte dann das heilige Officium von Rom fällen ...
Alles das wurde allerdings in einem Stil verhandelt, wie er den in solchen Fällen ehemals üblichen Scheiterhaufen entsprach ... Im geheimen gab aber Pater Lanfranco die Versicherung, dass schon bis zur Weihnachtszeit beide Gefangene in Rom sein würden; schon jetzt würden sie besser gehalten, als jemals andere in ähnlicher Lage ...
Alles das geschah aus achtung vor den Empfehlungen zweier Cardinäle und vorzugsweise den Jesuiten zum Trotz – ... Eine sofortige Unterbrechung der üblichen Proceduren war nicht möglich ... Federigo galt für einen Waldenser, war beschuldigt, Proselyten gemacht zu haben, Bonaventura musste sich ergeben in Das, was zunächst nicht zu ändern war ...
Ambrosi bat den Freund in Rom auszuharren ... Er beschwor ihn, sein Interesse für den unglücklichen Vater nicht zu sehr zu verraten – unfehlbar würde er ihn damit nur verderben – ... Die beiden Frauen, die vor Jahren die masslosesten Huldigungen vor dem Bischof von Robillante zur Schau getragen hatten, sassen jetzt im Palast des alten, zum schäbigsten Wucherer gesunkenen Rucca, auf Villa Tibur und Torresani, und ersannen nichts als Kränkungen für einen Priester, dessen Erhöhung sie nicht hindern konnten ... Die Herzogin hatte sich dem Präsidenten mit kalter vornehmer Haltung als seine Stiefmutter vorgestellt ... Obschon Erbin eines Vermögens, das Friedrich von Wittekind seinem natürlichen Bruder ausgesetzt hatte, gab sie sich doch die Miene, diese Mittel nicht zu bedürfen ... Beide Frauen waren jetzt verbunden mit Fefelotti ... Sie sahen Terschka bei sich, sie hatten Geheimnisse, die selbst die schlau aufmerkende, freilich immer sanft erscheinende, immer demütig ergebene Gräfin Sarzana nicht erfuhr ... Ambrosi bat, alles seiner Führung und der nächsten, sicher nicht zu entfernten Zeit zu überlassen ...
Mit Ambrosi war jener Austausch der Freundesbeichten, von welchem sie vor Jahren gesprochen hatten, wirklich erfolgt ... Einer sah auf den Grund des andern ... Ja – Ambrosi war ein Schüler Federigo's und nur glücklicher, als Paolo Vigo ... Ambrosi war ein Märtyrer geworden – um einst mehr zu sein, als ein Mönch ... Was ist ein Dorfpfarrer, sagte er in der Tat, ganz nach Bonaventura's Ahnung, der mit einem Bischof einen Streit beginnt! ... Nur ein mit dem Papste Streit beginnender Bischof reformirt die Kirche! ... Das war seine Losung ... Die politischen Stürme unterbrachen seine entwicklung, aber die Stunde reifte ... V o r dem 20. August 18** hatte auch er dem Bruder Federigo geloben müssen, nichts zu sein, als Katolik wie die andern ...
Bonaventura hatte dem Freunde offen gestanden, wer Federigo war ... Mehr noch – er hatte ihm gesagt, dass ihm – die Taufe fehlte ... Getauft bist du mit dem geist Gottes! war die Antwort des mutigen Priesters, der ihm ebenso offen gestand, er hätte sein Leben daran gegeben – einst Stattalter Christi zu werden ... Sein Gebet um Kraft und Ausdauer war nichtsdestoweniger ein reines, ein aufrichtiges ... Er brauchte seine Tugend nicht zu heucheln ... Einmal nur strauchelte er, als Olympia von ihm gesagt hatte, seine Lippen hätten im Beichtstuhl ihren Mund berührt ... Ach, er hätte sie geliebt! gestand er dem Freunde. Er hätte sein Bekenntniss darüber, als er bestraft werden sollte, nicht zurückgehalten – Aber – seltsam! selbst dieser Fanatismus, dem Geist einer Sache, nicht ihrem Buchstaben wahr sein zu wollen, hätte sich ihm in Segen verwandeln müssen – für um so heiliger hätte man ihn seitdem gehalten –! ... Wenn Bonaventura sagte: Die Welt erkennt noch Heilige, wenn es ihrer nur gäbe –! – so überhoben sich beide nicht – ihr Sinn war der der Läuterung, Demut und Entsagung – ...
Die Rettung der katolischen Kirche ist ein allgemeines Concil ... In dessen hände legt der Stattalter Christi seine Gewalt nieder – ... Das war ihre Losung und beide liebten das Kreuz ... Dass die Religion nicht Philosophie sein könne, verstand sich ihnen, ebenso von selbst, wie, dass der Katolicismus nicht zum Lutertum übergeht ...
Der treuverbundene Freund hatte dem Trauernden, dessen Liebe zu Paula aufs tiefste aus den eigenen Entbehrungen seines Lebens von ihm nachgefühlt werden konnte, unausgesetzt Nachrichten vom Vater aus Neapel gebracht, hatte ihn um Mässigung gebeten, hatte alles getan, um die Ungeduld des Sohns von übereilten Schritten zurückzuhalten ... Bis zur Weihnachtszeit wollte sich Bonaventura zufrieden geben ... Aber die Roratemessen kamen, die Weihnachtskrippen, das neue Jahr brach an – die Gefangenen kamen nicht. Nun wollten sie allerdings beide selbst nach Neapel ...
Den Vormittag des 6. Januar brachte Bonaventura mit geschäftlichen Briefen zu, die an sein erzbischöfliches Kapitel gerichtet werden mussten .