den Scheiternden aus und nun kommen auch sie in den Hafen der Gnade, sie, die mit Christo gingen, sie, die mit Christo verloren sein sollen, sie, nur noch erlöst durch Maria –! ...
Ein Ausruf des Schreckens über solche Lehren teilte sich selbst Negrino, Hubertus und Paolo Vigo mit ...
Zorn regt sich in eurer Brust? sprach Federigo – Eure Blicke sagen: Nimmermehr kann solches ein Heiliger auch nur geträumt haben! ... Ihr sprecht: Du von Rom verratener, von Rom auf das Steuer eines untergehenden Schiffes verwiesener Heiland, du, du bist allein der wahre Führer! Deine Hand streckte sich einst aus und liess über Wellen den Verzagenden sogar hinweggehen! Der Nachen, den du, du gezimmert hast, Sohn des Zimmermanns, die Flagge, die du als Wahrzeichen aufgesteckt, sie, die dein mit dem Blut beschriebenes Kreuz trägt, sie sollte nicht die glückliche Fahrt, die Einkehr in den Hafen der Seligen gewinnen? ... – Doch wohin verirren wir uns – meine Freunde –! Ihr müsst in eure Wohnungen zurück – wieder sein, was euch drei Jahrhunderte zu sein zwangen – müsst leben mit den schuldlosen Nachkommen der Mörder euerer Urväter – Vergebt ihnen im geist der Liebe und Hoffnung –! Versagt euern Priestern nicht die Spenden, die sie noch begehren dürfen! Auch die Spenden der Andacht nicht, die in diesen Ländern üblich! Ein Korn Goldes ist immer noch bei dem schlechten Blei verdorbener Lehre! Noch ist die Zeit nicht reif, wo der Schmelztiegel Gut und Böse scheiden wird! Aber das Lamm wird bald das fünfte Siegel auftun, von welchem ich euch schon oft gesprochen habe! Unter den Altären des himmels werden die Seelen derer, die erwürgt wurden um des Wortes Gottes willen zu zeugen beginnen, dass es auf Erden weitin widerschalle! ... Die Stunde kommt näher –! O, bald wird die Freiheit im Glauben und Denken auch für Italien anbrechen! Auch in diese Täler wird der Lichtstrahl einer neuen Sonne dringen! Läutert euch für diesen grossen Augenblick! Tut das Gute, tragt im Herzen euren reinen Sinn und eure geläuterte Hoffnung! Wenn ich – ach! heute von euch scheide – ja, Geliebte ich scheide von euch! Es ist das letzte, letzte – Mal – ...
Warum musste nur das Ohr der drei Ankömmlinge und aller in Tränen gebadeten Hörer so gebannt sein von dem allgemeinen Schluchzen, Wehklagen, von den Tränen des Redners, dass jene sich still hinter einer der Bluteichen verbargen und die Worte ihres Freundes und Lehrers nicht stören mochten –! ...
Jetzt musste Hubertus, der Schärferspähende, die erstickte Abschiedsrede Federigo's unterbrechen, musste auf die ihnen gegenüberliegenden waldbedeckten Berge deuten und in wilder Hast wie ein Verzückter rufen:
Besteigt den Nachen Jesu! Rettet, rettet euch! ...
Und auch aus dem um den Greis zusammengedrängten Haufen mussten nun wohl andere, die seinen Leib zu umfassen, seine hände, seine Füsse zu küssen nicht hindurchdringen konnten, ihr Auge auf die von Hubertus bezeichnete Stelle gerichtet und unter den Bäumen an einzelnen offenen Stellen schon dieselbe Störung erblickt haben ... Ihr Ruf fiel in den des Mönches ein ...
Voll Entsetzen erkannten Paolo Vigo und Ambrogio Negrino, die mechanisch dem voranstürmenden Hubertus gefolgt waren, die Flinten der gefürchteten Jäger von Salerno, die in der Tat, unabhängig vom Corps in San-Giovanni, über den Aspropotamo und Gigante gekommen waren ...
Schon stand Hubertus mitten unter den in noch wildere Aufregung geratenden, teilweise zu den Waffen greifenden Verbündeten ... Die Frauen flüchteten sich zu ihren Karren ... Die Kinder drückten sich schreiend an ihre Väter, die ratschlagend zusammentraten ... Hubertus hatte Federigo schnell begrüsst und seine Hand ergriffen, um ihn den Weg zu führen, den Ambrogio zum Entkommen für den sichersten hielt ...
Federigo deutete gelassen auf eine andere Stelle des dichten Waldkranzes, wo die roten Pünktchen sich mehrten, die Federbüsche an den Hüten der Jäger von Salerno ... Die von San-Giovanni erwarteten Truppen hätten allerdings vor drei Stunden noch nicht eintreffen können ... Dies war ein Detachement, das vom Meerbusen von Squillace gekommen ...
Nun war alles auseinander gesprengt und raffte die Karren, die ausgelegten Gerätschaften, die Kinder zusammen ... Die Männer standen unentschlossen, ob sie zur Flucht oder zu Widerstand schreiten sollten ... Heute zum erstenmal hatte ihr stetes Drängen, dass ihr Freund und Ratgeber sie über Rom, über die Priester und die Lehre der Kirche aufklären sollte, eine Erhörung gefunden – Den Greis hatte der Schmerz der Trennung fortgerissen ... Vier Männer, unter ihnen Ambrogio, schwangen ihre Flinten über Federigo's Haupt ... Die Hitze des südlichen Temperaments war bei diesen Männern von ihrer religiösen Denkart nicht überwunden worden ... Hatte man auch nur ein Dutzend Schusswaffen, funfzehn Alpenstäbe waren mit Eisen beschlagen; Messer, welche die Fischer und Kohlenbrenner am Gürtel trugen, waren lang und geschliffen ... Hubertus wartete nur auf das Zeichen, das Federigo geben sollte ... Er selbst hatte sich mit einem: Halt da! denen gegenübergestellt, die ihn nicht kennen mochten und das erscheinen eines Mönches und eines Priesters für die Vorboten einer unentrinnbaren Gewalttat ansahen ...
Meine Freunde! rief Federigo in die wilde Bewegung ... Verschlimmert die Sache nicht noch mehr, als sie schon ist