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einliefen; diese kamen von Rom und waren, wie Hubertus gelegentlich bemerkte, in seltsamen Chiffern geschrieben ...

Als den Mönch eines Tages wieder die Hütte seines Freundes mit seinem, dem Leichnam abgenommenen Funde beherbergte, betrachtete dieser die Uhr mit äusserstem Erstaunen ... Der Eremit erkannte sie für die seinige ... Nicht dass sie ihm jetzt geraubt war, sie hatte ihm vor vielen Jahren gehört ... Dass Picard sie aus dem grab des alten Mevissen gestohlen, konnte durch die Mitteilungen des Mönches teilweise erraten werdenHubertus wusste, dass Picard auf dem Friedhof eines deutschen Dorfes ein Grab erbrochen hatte ... War es das des alten Mevissen –? dachte Federigo. Welche Verwickelungen konnten dann entstanden sein, falls sein Vertrauter an solchen Erinnerungen noch mehr in die Grube mit sich genommen hatte! – ... Mit einer Aufregung, die Hubertus an seinem Freunde sonst nicht gewohnt war, durchflog dieser die Papierreste, die sich in Picard's Nähe gefunden hatten ... Ihr Inhalt schien ihn allmählich zu beruhigen ...

Aus einigen Brieffragmenten ergab sich aber eine Beziehung Picard's zu Terschka ... Sie hatten sich, das ersah man deutlich, in London gekannt ... Die Briefe waren vorsichtig abgefasst und entielten sogar besonnene Mahnungen, manche Ablehnung der Picard'schen ZudringlichkeitTerschka's Ton war hier in hohem Grade vertrauenerweckend – ...

Die nunmehrige Entdeckung der Tatsache, dass sich Hubertus damals auf Schloss Westerhof in Terschka's person nicht geirrt hatte, nahm ihn trotz Terschka's damals so schroffer Ablehnung für ihn ein ... Die Klage Terschka's über seine eigene hülflose Lage, auch die zufälligerweise in diesen Briefen von ihm ausgesprochene Reue über seine schnöde Behandlung des "guten Franz Bosbeck", der ihm so wohlgesinnt gewesen, alles das konnte Hubertus nicht hören, ohne an sein noch in Witoborn bei einem Advocaten stehendes Geld zu denken ... Auch Federigo kannte von Castellungo her den Lebenslauf Terschka's, kannte seinen Uebertritt zu einer Confession, die an Federigo und den Waldensern der nur in jüngeren Jahren fanatisch katolische Mönch zu achten gelernt hatte, und riet dazu, diesen Wink des Schicksals zu beachten ... Wenn Hubertus doch einmal sein Vermögen dem Kloster Himmelpfort entziehen wollteund nach seinem tod würde Pater Maurus in Himmelpfort sich schon zu Gunsten seiner Ansprüche regen und geltend machen, dass Hubertus nur als ein auf Urlaub befindlicher Mönch seiner Provinz betrachtet werden konnteso sollte er sich eilen, dem Erben, den er sich nun einmal gewählt und der hoffentlich besser damit verfahren würde, als Jân Picard, seine, wie man sähe, dringend ersehnte Hoffnung nicht zu entziehenDie Parteilichkeit, die Gräfin Erdmute für Terschka von jeher gezeigt, hatte sich auch dem Einsiedler mitgeteilt ...

Durch ihn, als Schreibkundigen, zugleich durch den wohlgesinnten Guardian des Klosters Firmiano, leitete Hubertus eine Verhandlung mit den Gerichten im fernen Witoborn ein, der zufolge Terschka die Summe, die er diesem gleich anfangs bestimmt hatte, richtig in London ausgezahlt erhielt ... Es währte ein Jahr, bis diese Procedur zu stand kam ... Terschka's Dankesbriefe hoben nicht wenig das Gefühl des alten Mannes, der sich einer guten Tat bewusst war und oft mit Schmerz von seinem Schicksal sprach, das ihn gerade über die, denen er Gutes erweisen wollte, zum willenlosen und wie von Gott bestimmten Richter machte ...

Die Rätsel, die den deutschen Pilger umgaben, hatten sich für Hubertus nur teilweise gelüftet ... Bald nach dem Vorfall mit jener Uhr, einem Zusammentreffen, das Federigo am wenigsten aufklären mochte, kam das Ende des treuen Sultan, der, von seiner Wunde geheilt und einen Augenblick die Freiheit nutzend, seinem Herrn wieder bis auf mehr als funfzig Meilen gefolgt war und am Ziel seiner sehnsucht durch den Pfarrer von San-Giovanni so misverständlich sein Ende finden musste3...

Lebhafter denn je gedachte Hubertus heute der Folgen, welche damals eine an sich so entschuldigte Tat des edlen Paolo Vigo nach sich zog ... Er gedachte seiner Klagen damals, als sein zufälliger Ausgang aus dem Kloster, um zu terminiren, ihn nach San-Gio führte, ein Volkshaufe um den verendenden Hund stand, er ihn erkannte, ins Kloster trug, ganz so, wie zuweilen sankt-Philippo Neri, mit dem ihn Klingsohr so oft verglichen, abgebildet wird ... Paolo Vigo erfuhr die geschichte des Hundes, war davon aufs tiefste ergriffen und besuchte den Eremiten unter den Bluteichen, gleichsam um seine rasche Tat zu entschuldigen ... So knüpfte sich zuletzt eine Freundschaft, die auch ihn ins Strafkloster Firmiano brachte ...

Hier aber zeigte sich die gute wirkung solcher Nachbarschaft ... Jähzorn, Völlerei, alle Leidenschaften, von denen das Amt des Priesters geschändet wird, fingen dort allmählich zu verschwinden an ... Nicht genug konnte der Guardian, ein milder gutgesinnter Mann, nach Cosenza rühmen, wie sich seine Pfleglinge gebessert hätten ... Schickte man aber eben deshalb schon seit lange niemanden mehr her? ... Nahm man eben deshalb niemanden mehr fort? ... Es war, als wenn dies stille Waldkloster in der Welt vergessen war ... Hatte Hubertus Recht getan, so ausdrücklich die Jesuiten an die Existenz desselben zu erinnern? ...

Gerade Diesem vorzugsweise nachdenkend, hörte Hubertus jetzt die Uhr des Klosters die vierte, d