der lockenden Aufforderung, die sein Jugendgespiele an ihn richtete, er sollte sich getrost die auch ihm bestimmte Summe vom alten Jugendkameraden, Franz Bosbeck, dem jetzigen närrischen Mönch Hubertus kommen lassen, befremdet und höchst entrüstet zeigte und diese Reden zurückwies, die Frechheit, Terschka's Rock- und Hemdärmel aufzureissen und ihm das holländische Brandmal der Verbrecher auf seinem Arm zu zeigen ... Terschka, nun zum Schweigen verurteilt, kämpfte mit sich, was er tun sollte ... Hubertus war nach Italien gegangen; eine Correspondenz mit dem in Rom auf San-Pietro in Montorio Verweilenden war nicht möglich, ohne sein geheimnis noch mehr zu compromittiren; – die grosse Summe reizte ihn aber – für ihn bestimmt war sie in Witoborn niedergelegt ... Terschka musste sie zu bekommen suchen ...
Einstweilen suchte sich Terschka Picard's selbst zu entledigen ... Die Reihen der Emigrationen waren von je gemischt ... Mit dem Schein des politischen Flüchtlings umgibt sich der betrügerische und flüchtige Bankrottirer, der Spion, der falsche Spieler ... Unter den verbannten Karlisten und Sicilianern gab es Charaktere, für deren erste Lebensanfänge niemand gutsagen konnte ... Nicht nur Ceccone's Intrigue, die Intrigue der meisten Regierungen ging in England dahin, irgendwie in das innere Getriebe der Conspirationen einzutreten. Zu Horchern und Provocatoren geben sich dann reine Charaktere nicht her – so mussten sich den oft phantastischen und der Welt unkundigen Edelgesinnten Betrüger zugesellen ... Das grosse Weltgewühl erschwert die gegenseitigen Prüfungen ... Picard, der seit Jahren schon verschiedene Namen geführt und in den abwechselndsten Lagen gelebt hatte, schloss sich den für Malta und Korfu geworbenen entschlossenen Revolutionären an ... Boccheciampo, ein ehemaliger sicilianischer Bravo, ging wie jeder andere Flüchtling unter einer Mehrzahl unbescholtener und den reinsten Ueberzeugungen lebender Männer .... Diesem schloss sich Picard an ... Mit goldenen Ringen, Uhrketten überladen, nannte er sich einen Belgier van der Meulen ... Boccheciampo leitete jene Intrigue des Cardinals Ceccone, der zufolge mit den römischen Invasionen der Flüchtlinge, um sie zu compromittiren, die Räuberelemente der Mark Ancona und der Abruzzen verbunden werden sollten ... Van der Meulen reiste mit Boccheciampo über Gibraltar und Malta nach Korfu ... Hier musterten die Bandiera ihr Fähnlein und beurteilten es im besten Vertrauen auf die Bürgschaft der londoner Absender ... Schon sollte ein von ihnen gemietetes und commandirtes Schiff nach Porto d'Ascoli in See stechen, als die Briefe des von Hubertus befreiten Federigo ankamen und die Insurgenten vor einer ihnen gelegten Falle warnten ... So spielte sich der Schauplatz der demnach schon im Keim hoffnungslosen Unternehmung auf eine andere Stelle Italiens, wo eine gleichzeitige Erhebung Siciliens in Aussicht gestellt wurde ...
Hier offenbarten sich die schlechten Elemente, die sich unter den Insurgenten befanden2... Mit der dreifarbigen Fahne marschirten die Verschworenen, die in Punta d'Allice landeten, über Rossano auf Salerno zu, wo gleichfalls eine Erhebung angesagt war ... Aber im Gegenteil; vorbereitet fand man überall nur den Widerstand; sämmtliche Bürgergarden waren einberufen ... Wuchs auch der Haufen der Insurgenten von Ort zu Ort, so konnte er doch die erste Begegnung mit regulären Truppen nicht aushalten ... Die Trümmer des zersprengten Corps suchten Schutz auf dem hohen Kamm der Apenninen ...
Hier irrten sie bis auf die höchsten Gipfel und bis da hinauf, wo im schmelzenden Schnee die Ströme des Neto, Leso, Arvo ihren Ursprung nehmen ... Hubertus erfuhr im Kloster, dass die Bandiera mit zwanzig ihrer Angehörigen in jene Schlucht gedrungen waren, wo unter den Bluteichen Frâ Federigo seine Hütte erbaut hatte ... Unruhig, ob sich die Nachricht bestätigte, dass von Spezzano aus eine Militärcolonne in den Wald rücken sollte, verliess Hubertus sein Kloster, ging die Windungen des Neto entlang und begegnete zweien zerlumpten, Banditen ähnlichen Männern, die in Eile daherlaufend und sich scheu umblikkend ihn anriefen: Sind in San-Giovanni Soldaten? ... Kaum waren sie so nahe, um unter seine Kapuze zu blicken, so wandte sich der eine ... Die stimme, die Hubertus gehört, schien ihm bekannt; der flüchtige blick hatte ihm eine selbst in solcher Verwilderung erkennbare Physiognomie ins Gedächtniss gerufen ... Das ist ja Picard! sagte er sich mit dem höchsten Erstaunen und beflügelte seine Schritte, die Flüchtigen einzuholen ... Je lebhafter sie von ihm verfolgt wurden, desto schneller eilten sie vorwärts ... Bei SanGiovanni machten sie einen Umweg und schlichen unterwärts durch die Kornfelder ... Hubertus folgte rastlos; zumal da er sah, wie sie sich furchtsam die Mauern entlang drückten und den Schutz der Gärten suchten ... Es ist Picard! wiederholte er sich. Picard, den ich in Amerika glaubte! Picard, der die Kraft meines Armes fürchtet! ...
Der Ideenkreis unsres guten Hubertus war klein – aber klar trat ihm Picard's Teilnahme an jener von Porto d'Ascoli aus irregeleiteten Unternehmung vors Auge ... Eine Gefahr, sowohl für die ihm durch Federigo's Mitteilung bemitleidenswert gewordenen Brüder Bandiera, wie für Federigo, welcher die der deutschen Sprache Kundigen vielleicht gastlich aufgenommen – stand lebhaft vor seinen Augen ... Ahnend, dass die Flüchtlinge trotz der Soldaten ausdrücklich Spezzano suchten, schnitt er ihnen bei seiner schon gewonnenen Terrainkenntniss den Weg ab ...
Inzwischen kletterten die Flüchtlinge aus der Tiefe, die keinen Weg mehr