er nicht kannte, anfangs harmlos geschrieben ... Als er die Absichten ahnte, die ihm die unheimlichsten schienen, zwangen ihm nur noch die furchtbarsten Qualen und Drohungen der von Cardinal Ceccone gedungenen Räuber die Feder in die Hand – ...
Eine Folge der, des unsichern Postganges wegen, mehrfach aufgesetzten, aber in Korfu richtig angekommenen Briefe war dann die Landung der Bandiera in Calabrien ... In jenem Briefe Attilio's, von welchem damals in Bertinazzi's Loge sich Benno so mächtig hatte aufregen lassen, waren diese Mitteilungen Federigo's sämmtlich wiedergegeben worden ...
Langsam kamen der Gerettete und Hubertus, welcher sich von seinem neuen Freunde nicht zu trennen vermochte, durch die Abhänge des Monte Sasso und durch die Abruzzen ... Endlich erreichten sie jenen alten Wald, in welchem Federigo seine Tage beschliessen wollte ... Die religiösen gespräche des Pilgers, seine genaue Bekanntschaft mit jenem deutschen Landstrich, wo Hubertus soviel Freude und Leid erfahren, des Pilgers Bekanntschaft mit soviel Personen, die in die schmerzlichsten Schicksale seines Lebens verwickelt waren, fesselten ihn in dem Grade an den deutschen greisen Sonderling, dass er sich nicht mehr von ihm trennen mochte ... Durch ihn liess er dann an Lucinden nach Rom schreiben, bat sie, seinen Aufentalt vorläufig noch dem Cardinal und dem Fürsten Rucca zu verschweigen, fügte hinzu, sie möchte ihm insgeheim von seinem General die erlaubnis erwirken, in San-Firmiano, einem Franciscanerkloster, bleiben zu dürfen, das glücklicherweise in der Nähe des Ortes lag, wo sich Federigo seine Hütte gebaut ... Sein früherer Pflegling, Pater Sebastus, war genesen und hatte eine seinen Wünschen entsprechende Stellung gefunden ... Lucinde vermittelte alles, was er wünschte und seine Bitte wurde gewährt ...
Durch eine wunderbare Fügung des Zufalls traf es sich auch, dass gerade dies plötzliche Verschlagenwerden nach dem Süden Italiens zugleich die Anknüpfungen an eine so lange von Hubertus verfolgte Absicht bot, sein von Brigitte von Gülpen ererbtes Vermögen dem verhassten Kloster Himmelpfort zu entziehen und zweien Personen zuzuwenden, die ihm seine von Gott ihm auf die Seele gebundenen Kinder schienen, da sie einst in seinen Armen gerettet blieben bei jenem verzweifelten Sprunge aus der Höhe eines brennenden Hauses in Holland ...
Einer derselben hatte seine Güte nicht verdient ... Und doch hatte wiederum Jân Picard, damals Dionysius Schneid genannt, aus dem Brand von Westerhof von ihm gerettet werden müssen ... Andertalb Jahre war es damals her, dass Löb Seligmann am Eingang zur Kirche des Klosters Himmelpfort jenes furchtbare Krachen gehört und im Todtengewölbe Licht gesehen hatte ... Damals benutzte Hubertus die gerade noch im Bau begriffene Begräbnissstätte des Kronsyndikus, um den mutmasslichen Brandstifter im Todtengewölbe der Kirche zu verbergen ... Die mächtige Marmorplatte, auf welche Namen und Würden des Geschiedenen gemeisselt werden sollten, liess er oberhalb der Grube niederfallen, in die sein damals noch unwiderstehlicher Arm den Verwundeten über die hinunterführende Leiter trug ... Für einige Augenblicke machte er dann Licht und bereitete unter den Särgen dem Kranken ein Lager ... Seine Drohungen musste Jân Picard aus einem so entschlossenen mund für Ernst nehmen ... drei Tage und drei Nächte verpflegte ihn Hubertus, ohne in den Verstockten dringen, ganz seine auf Westerhof vollführte Tat erforschen zu können ... Sein Interesse für Terschka, seine sorge für den auf seiner Zelle und unter des Pater Maurus' Zucht verzweifelnden Klingsohr bestimmten ihn, diese Last sich je eher je lieber abzuschütteln ... Lucinden hatte er das Wort gegeben, ihn nicht zu verraten ... Zugleich vertraute er dem Ton der Verstellung, die von einer dumpfen Bigotterie, die in Picard lebte, unterstützt wurde, nahm von ihm das Gelöbniss der Besserung entgegen, liess den gegen religiöse Eindrücke nicht Verschlossenen bei einem der auf den Gräbern angebrachten Kreuze schwören und vertraute dem Versprechen, dass der Zögling der Galeeren nach Amerika auswandern und dort mit hülfe der grossen Summe, die er ihm für diesen Fall bestimmt hatte, ein neues Leben beginnen wolle ... Diese Summe, vor kurzem erst erhoben, trug Hubertus in Papieren bei sich ... Die Ueberraschung und Geldgier des Räubers nahm die Form einer Dankbarkeit an, die aufrichtig schien ... Picard vermass sich hoch und teuer, an den Ufern irgend eines der Ströme Amerikas Grundbesitz kaufen und sein Leben hinfort nur noch der Reue und Arbeit widmen zu wollen ... Nach einigen Tagen, während ihn Hubertus unter den Särgen verpflegt hatte, brachte er ihn mit grösster Behutsamkeit auf den Weg nach Bremen ...
Picard ging, wie wir wissen, über London und geriet unter seine gewohnte Gesellschaft ... Er vertat die für England nicht zu grosse Summe in kurzer Zeit ... Ohne Mittel, fiel er in seine frühern Gewohnheiten zurück ... Die französische Sprache, deren er mächtig war, die anfänglich ihm so reich zu Gebote stehenden Summen hatten ihn in Verbindungen gebracht, die weit über die Sphäre gingen, auf welche seine rohe Bildung angewiesen war ... So war es möglich geworden, dass er Terschka begegnete, den er von Westerhof kannte ... Ohne sich ihm als Dionysius Schneid zu erkennen zu geben – seine kunstreichen Perücken sind uns vom Finkenhof her bekannt – knüpfte er an die ihm von Hubertus ausgesprochenen Vermutungen über Terschka's person an, erinnerte an ihre gemeinschaftlich bei einem Müller, später bei einem Scharfrichter verlebte Jugendzeit und hatte, da sich Terschka, trotz