sein heiseres unterdrücktes Bellen erschien ihm immer auffallender ... Schon nahm Hubertus an, das treue Tier hätte wohl gar dem Pasqualetto selbst gehört und suchte zu den nächsten Verbündeten des Räubers zurückzukommen ...
Seine Erkundigungen machten ihm immer mehr und mehr wahrscheinlich, dass jene wie ein riesiger Felsenzahn aus dem Meer aufragende Klippe die Stelle war, die er suchte ... Eine unruhige, über Entschlüsse brütende Nacht verbrachte er auf dem Steingeröll am felsigen Ufer ... Hubertus setzte sich der Gefahr aus, vom Anwachsen der Flut verschlungen zu werden ... über ihm ragten die starren Häupter der Küste, umflattert von aufgeschreckten Seegeiern ... Zuweilen liessen sich oben die Stimmen dort hantierender Menschen vernehmen ... Um Mitternacht tauchten auf dem Wasserspiegel Segel auf ... Deutlich sah Hubertus, wie nur immer und immer drüben die eine Klippe gesucht wurde ... Schon richtete sein bei Nacht doppelt wachsamer Hund Auge und Ohr mit starrem Verlangen hinüber ...
Plötzlich hörte Hubertus in der Nähe des Ufers ein Rauschen ... Er erhob sich von seinem Versteck am Fuss des feuchten Felsens, den nur zu bald wieder die herantretende Flut bespülen konnte, hielt dem Hund, um durch sein Bellen nicht verraten zu werden, fest die Lefzen zusammen und lauschte, ob es wohl eine Barke war, was am Kieselsand die Felsenküste entlang so anschlug und vom Wellenschlag mehr geworfen, als getragen wurde ...
Vom Seetang, auf welchem Hubertus ruhte, kroch er vor und entdeckte einen Kahn, den ein einziger Ruderer mit grösster Anstrengung führte ... Ein Moment und Hubertus rief sogleich in seiner humoristischen Zutraulichkeit: Heda, seid Ihr's denn –? Endlich! Endlich! ...
Ja, Tonello! lautete die Antwort ... Sind die Kisten herunter? ...
Die Kisten herunter –? dachte Hubertus –. Sie lassen oben an Stricken die Schmuggelwaaren herunter, die zu wasser dann am Ufer entlang weiter geführt werden sollen – ... Rasch hatte er seine Kutte ausgezogen, sie wie einen Mantelsack zusammengerollt, auch die Sandalen von den Füssen geschnallt, alles, um nicht auf den ersten blick als Mönch erkannt zu werden ... Ebenso schnell nahm er die volle Sprache eines Holländers an ... Da er der Tonello nicht sein konnte, wollte er sich wenigstens für einen mit Tonello im Einvernehmen stehenden fremden Matrosen geben ...
Inzwischen war die Barke ganz um den Felsenvorsprung herumgekommen ... Ihr Führer war ein junger Bursche ... Nicht wenig erstaunte er, hier statt des Tonello einen halbnackten Menschen zu finden, der sich ihm durch unverständliche Reden, aber deutliche Geberden, vorzugsweise durch ein Zeigen bald aufs Meer, bald auf seinen Hals, dem gewiss die Schlinge drohe, als einen Ausreisser von seinem Schiffe zu erkennen gab, der mit den oben vorausgesetzten Helfershelfern im Einvernehmen stand ...
Ohne weiteres deutete Hubertus an, der Schiffer möchte ihn ja in seine Barke aufnehmen und auf den Felsen hinüberfahren, wohin schon lange die andern, so sprach mit unwiderstehlicher Beredsamkeit sein Mienenspiel, voraus wären ...
Durch sein fragen bestimmte der Bursche schon immer selbst die Antworten, die Hubertus geben konnte ... Und bald war die Barke dem Ufer so nahe, dass sein Hund nur einen Satz brauchte, um hinüberzuspringen ... Hubertus folgte, ergriff noch ein zweites Ruder, das am Boden lag, und deutete auf den Felsen, dem zusteuern zu sollen der Bursche unausgesetzt in einer kauderwelschen Sprache von ihm bedeutet wurde; die Genossen hier am Meer gehörten allen Nationen an; vorzugsweise fehlten flüchtige Matrosen von Dalmatiens Küste nicht, deren Sprache vielleicht nach des Knaben Meinung es war, die der halbnackte Mensch mit dem grinsenden Todtengesicht sprach ... Hubertus hatte seine Kutte mit seiner weissen Schnur umwickelt ...
Je mehr Hubertus durcheinander sprach, desto sichrer wurde der Knabe und noch sichrer musste ihn das Benehmen des Hundes machen, der mit vorgestreckter Schnauze und aufgereckten Ohren wie auf dem Sprunge stand – keine Muskel rührte, das Auge unverwandt dem Felsen zu gerichtet ... Die glückliche Erwartung des Tiers verriet dann und wann ein leises kurzes Bellen ...
Die Fahrt dauerte länger, als sich Hubertus vorgestellt ... Das Meer lag durchaus ruhig und doch ging bis zum Landen eine Stunde hin ...
Die wunderlichsten Bewegungen, Sprünge und das kurze Bellen des Hundes mehrten sich ... Kaum war der Nachen an einem zum Landen geeigneten Vorsprung des Ufers angekommen, so war Hubertus nicht mehr im stand, dem Knaben Auskunft zu geben; denn sein Hund sprang wie der Blitz aus dem Nachen und im Zanken darüber, im Begehren, den Flüchtling festzuhalten, konnte ihm Hubertus nacheilen ohne damit aufzufallen ... Satz über Satz ging es vorwärts, als wäre der Hund auf der Insel zu haus – ... Kaum konnte Hubertus folgen ...
Nun musst' er wohl fürchten, der Hund möchte den Räubern gehören, deren Anwesenheit ihm jetzt aus Tonnen, Waarenballen, grossen runden Flaschen, wie sie auf Schiffen gebraucht werden, unzweifelhaft wurde ... Erkannte man ihn, so hatte seine letzte Stunde geschlagen ...
Alles blieb still ... Die Waaren lagen aufgespeichert unter den Wölbungen hoher Felsgesteine, verborgen von wildwucherndem Strauchwerk ... Manche dieser Wölbungen waren tiefgehende Höhlen ... Der hellste Mondschein liess alles deutlich erkennen ... Im Schneckengang wand sich der oft schlüpfrige