-Firmiano fröhliche Gesichter und Euer edler Bruder lacht hellauf, wenn er morgen früh – eher rat' ich nicht bei unserm Kloster anzupochen – die Ueberraschung hat: Gelobt sei Jesu Christ! von seiner Schwester zu hören und gar von der Kleinen da – wie heisst sie? ... Alles heisst hier Marietta ... kommt niemand von Euch auch einmal – auf den Namen – Hedwigis –? ...
Diese Worte waren so gutmütig, endeten mit einem so elegischweichen Tone, dass Rosalia Mateucci der wohltuenden wirkung derselben sich nicht entziehen konnte ... Sie sagte: Bei San-Gennaro! Hat denn San-Gio jetzt gar die neue Beleuchtung von Neapel –! Seht, wie hell es da liegt! ... – Nun lachte sie freudiglich ...
Scagnarello fand die Aufnahme des Mönches beim Erzbischof von Neapel ebenfalls nicht so bedenklich und im Gegenteil ausserordentlich schmeichelhaft ... Nun verstehe' ich, sagte er, warum die Leute Recht haben, wenn sie sagen, dass sogar Seine Heiligkeit in Rom ein alter Freund und Bekannter von Euch wäre und Euch schon in Russland kannte; denn unser heiliger Vater ist weitgereist! – ... Ja aber auch mit Recht! Habt Ihr nicht das hochheilige Erbe Petri vom Grizzifalcone befreit? ... Wusste denn auch der Erzbischof das alles von Euch? ... Hm! auch vom Kreuz – da überm Neto? ... Und – hm! hm! – von Eurem – feurigen Hunde? ...
Auf den ich Euch manchmal aufbinden möchte! schnitt Hubertus die neugierige Rede ab ... Was schlagt Ihr nur so grausam auf Euern armen Pepe! In Spezzano, vor Eurer Abfahrt nach Cosenza, da konntet Ihr ihm gewiss schmeicheln! Da konntet Ihr ihn nennen: Pepito! Mein zuckersüsses Brüderchen! Unterwegs aber ist alles vergessen! ... Der Gerechte erbarmt sich auch seines Viehs und Wort halten muss man Jedermann – selbst seinem Maulesel! ... Ein alter Jäger weiss ich, dass im Wald und auch draussen in der Welt unsere besten Freunde – wie oft – doch nur unsere Pferde und unsere Hunde sind! – ...
Hubertus sprach voll Scherz, aber auch voll Wehmut und hörbaren Anklangs an einen Gegenstand, der ihn rührte – ... Doch kam er nicht auf den Hund ... Im Gegenteil zeigte er Rosalien die sich jetzt ein wenig öffnende Gegend, an deren östlicher und walddunkler Grenze, dicht unter den glänzendsten Sternbildern, eine schwarze Turmspitze in die Höhe ragte – das Kloster San-Firmiano ...
San-Giovanni war erreicht ... Ein Bergflecken, wo sich vor Jahrhunderten einige Menschen um einige halbzerstörte Türme der Normannenzeit angesiedelt und einige hundert Nachkommen hinterlassen haben, die keinen Anblick für Götter bieten ... Aber ein Maler hätte darum doch seine Lust an diesem Städtchen gehabt ... Die Turmmauern ragten von Epheu überwuchert ... In riesiger Ausdehnung spazierte der immergrüne Kletterer bis auf die Felsen hernieder und an diesen wieder, wie eine einzige Wiese, entlang bis zu den rauschenden, sich hier vereinigenden Gewässern des Neto und des Arvo ... Ein viereckiger Glokkenturm der Kirche war der Mittelpunkt einiger im wirren Durcheinander von den beiden Wildbächen sich aufdachenden sogenannten "Strassen" ...
Nun erst entdeckte man, warum es scheinen konnte, als wäre in San-Gio die Gasbeleuchtung eingeführt ... Schon in einiger Entfernung hörte man die beim Morraspiel üblichen, aber in San-Gio nie so laut vernommenen Flüche und Verwünschungen ... Auch deutsche Laute wurden hörbar ... Pechkränze und Bivouakfeuer loderten auf ...
Auch San-Giovanni war von Soldaten überfüllt ... Hubertus sah das voll äussersten Erstaunens, sprang vom Wagen und eilte in wilder Erregung auf den Marktplatz ...
Fussnoten
1 Gregorovius' "Siciliana". 2 Ueblicher Brauch. 3 Ph. J. von R e h f u e s ' Schriften.
10.
Der "Torre del Mauro" eine Locanda, die einer Scheune ähnlich sah, war erreicht ...
Man fand sie von Soldaten in Beschlag genommen ...
Ein Leutnant in einer jener überladenen südeuropäischen Uniformen, mit Troddeln und Stickereien, die bei uns keinem Obersten zukommen würden, stand mit der Cigarre im niedrigen rauchgeschwärzten Tor eines von brennenden Spänen erleuchteten Hofraums ...
Die Bivouakfeuer brannten auf dem Platz vor der Kirche ... Dünste von gebratenem Speck, von Zwiebeln, von Käse liessen auf einen eben abgehaltenen reichlichen Abendimbiss schliessen ... Viele der Soldaten, in Mäntel gehüllt, schnarchten schon auf ausgebreitetem Stroh unter freiem Himmel ...
Diese fliegenden Corps waren in den letzten zeiten im Silaswalde so oft gesehen worden, dass sie eigentlich niemanden besonders auffallen durften ... Nur Hubertus, schon aufs bedenklichste aufgeregt, sah neues Unheil und Scagnarello, der sich mit San-Gios Einwohnerschaft in lebhafteste Conversation versetzt hatte, schürte jetzt seine Besorgniss – denn Dom Sebastiano von Spezzano hatte allerdings kürzlich gepredigt, San-Gio müsste noch einmal untergehen wie Sodom und Gomorrha ...
Den Mönchen wurde von Del Caretto's und Celestino Cocle's Regierung wenig getraut ... Ein Schweizeroffizier, welchen Hubertus in deutscher Sprache um die Ursache dieser Expedition anging, schien zwar vom laut der Muttersprache freundlich berührt, aber Ordre hatte auch er, nichts verlauten zu lassen ... Auf den im verlassenen Pfarrhaus einquartierten Oberoffizier verweisend, mischte