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Erzbischof gutschmecken, kauft' ich nochmals, nach allem, was schon draufgegangen war, für zehn Ducati Wachskerzen und schenkte sie in Cosenza der heiligen Rosalia ... Seitdem hiess es: "Seid gutes Mutes, Frau, reist getrost nach San-GiovanniIn San-Firmiano sind Wunder geschehenDer Guardian hat einen Boten nach Neapel geschickt an das heilige Officio. Wir wissen es ja, das ganze Kloster ist heilig gewordenSie bekommen alle die besten Stellen in der Christenheit, denn die Mutter Kirche ist gütig und belohnt jeden, welcher sie liebtja, und ein Bote, Frâ Hubertus, muss bald zurück sein von Neapel –" ... So sprach der Erzbischof und das ganze Kapitel stimmte ein ... Da vertraut' ich denn und machte mich auf den Weg und jetzt bin ich da und Ihr seid es auch und nun bringt Ihr doch nichts und schweigt –? Ihr wisst, denke' ich, nur zu gut, dass mein guter Bruder nur durch Euch ins Elend gekommen ist .... Ohne Euch könnte er längst in Nocera Bischof sein ...

Diese mutige, für Scagnarello zum Bewundern sachgemässe und kenntnissreiche, nur am Schluss etwas frauenzimmerlich ausfallende Rede hatte Hubertus teils mit seufzenden, teils mit begütigenden Worten begleitet ... Scagnarello hoffte, der schwer Beleidigte würde mit einer Rechtfertigung früherer Misverständnisse, vor allem mit Rückblicken auf die wunderbare geschichte vom feurigen Hunde vernehmbar werden; aber Hubertus beschäftigte sich allein mit dem kind und sang seine "russischen" Lieder ...

Rosalia Mateucci ersah nun wohl aus Allem, dass Hubertus kein Vertrauen auf den Erfolg seiner Mission hatte, und fuhr in ihren Klagen über diese arge Welt fort ... Sie liess dabei jedem seine äussere Ehre, bezeichnete ihn aber bei näherer Betrachtung um so mehr als Spitzbuben ... Vom Standpunkt einer vermögenden Krämerin von Nocera gab sie einen Rückblick auf die ganze bewegte Zeit der letzten Jahrenamentlich auf die wilde Anarchie, welche damals entstand, als die in Neapel durch Lazzaroniaufstand und Schweizerregimenter gesprengte Nationalvertretung sich in Cosenza noch einmal, unterstützt von einem Aufstand der Calabresen, wieder gesammelt hatte, doch von jenem ehemaligen Räuber, spätern General Nunziante, im Süden, vom General Lanzi im Norden angegriffen mehr durch Uneinigkeit, als Ueberlegenheit der Truppen sich auflöste ... Die Bewaffneten wurden damals zu Flüchtlingen, und wie es im Süden geht, zu Wegelagerern und Räubern ... Dieser anarchische Zustand hatte im Silaswald erst seit kurzem aufgehört ... Das Kloster San-Firmiano hatte lange Zeit nur ein gefängnis und Lazaret sein können, wo die Brüder sich wahrhafte Verdienste erwarben ... Und nun sollten alle diese guten Taten ohne ihren Lohn bleiben? Märtyrer sollten sich bewährt haben und keine Krone gewinnen –! Da müsste ja der Giosafat von Lipari als ein wahrer Retter ersehnt werden und mit der Zeit in Neapel am königlichen schloss kein Stein mehr auf dem andern bleiben ...

Hubertus entgegnete in leidlichem "Campanisch" auf diese unausgesetzten Verwünschungen, die schon Marietta's Weinen und Scagnarello's loyalen Protest zur Folge hatten:

Beim heiligen Hubert, meinem Schutzpatron! Frau, ich kann Euch versichern, dass ganz San-Giovanni und wer anders noch von damals am Leben ist, sich freuen wird, Euch und die kleine Marietta zu sehen ... Euern heiligen Bruder nehm' ich nicht aus, wenn ich auch zweifle, dass Eure Hoffnung, ihn als Pfarrer in San-Spiridion nach Nocera zu bekommen, so bald in Erfüllung geht, zugleich auch, ob dies seinen Wünschen entspricht ... Indessen beruhigt Euch! ... Ei, so weint nicht! ... Ich will Euch sagen, wie es ist ... Ich hätte gute Freunde und gönnersagt man? ... Nun, das San-Officio in Neapel war sackgrob – ... Aber gutich fand immer, die Leute sind geneigter, uns Gehör zu geben, wenn sie grob sind ... Leider, leiderkann ich dasselbe nicht vom Ohr und Mund Seiner Majestät, Monsignore Celestino, sagen ... Das ist wahr, artig war er ... Dem musst' ich haarklein erzählen, was seit Jahr und Tag hier in diesen Bergen vorgegangen ist! ... Und wenn ich jetzt so schlummerköpfig nachdenklich bin, so ist es bloss, weil ich, aufrichtig gesagt, meine Erzdummheit bereue ... Ich ging auf alle seine Artigkeiten ein ... "Gut! Gut! Das freut mich! Um so besser! Und was wünschen die guten Brüder von San-Firmiano?" – ... Ich Tropf! Das hätt' ich mir doch sagen sollen, dass es mit all diesen Süssigkeiten nur bitter stand –! ... Wir Brüder haben in San-Firmiano um nichts gebeten, als um was die Hechte bitten, wenn in einem Teich ihrer zu viel sind ... Lasst Euer Licht leuchten vor den Leuten! hat schon unser allerheiligster Erlöser gesagtund nur deshalb sehnen sich unsere Gefangenen von San-Firmiano in ihre Klöster und Pfarreien zurück, um zu zeigen, dass sie aus Wölfen gute Hirten geworden sind ... Seht nun, das alles hab' ich in Neapel vorgetragen; aberEi was! Bei Alledem kann ich mich irren! Es ist im Namen unsres heiligsten Erlösers gar nicht unmöglichwir finden in San