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ihr im bittersten Leid eigenen Hoheit den zurückbleibenden Frauen Worte des Trostes zu spenden ...

Die Fürstin sah, dass die Herzogin dieser edlen Erscheinung gegenüber schon lange die Fassung verloren hatte, ob sie gleich wusste, dass diese blonde Deutsche die Ursache des Bruchs zwischen dem Grafen und Angiolinen war ... Oft, wenn von ihrem Ritt durch den Park von Schloss Salem als Ursache des Todes Angiolinens gesprochen wurde, hatte Olympia die Schuld auf diese Gräfin und ihr Geld geworfen ... Jetzt auch sah Olympia allmählich schon verächtlich zu ihr empor und sprach zur Herzogin, die auch von den Jahren schon tiefgebeugt schien, ein Andiamo! nach dem andern; ja als diese mit den Nägeln in ihrem Antlitz wühlte, brauchte sie die kalten Worte: Keine Schwäche! ... Die Nähe des nun wirklich eingetretenen Todes beängstigte im grund niemanden mehr als Olympien ... Sie hätte den ehemals heissgeliebten Freund vielleicht nicht einmal im Tod betrachten können ... "Nichts ist schöner, als der Tod!" hatte einst die Mutter Benno's gesagt, als sie zu Angiolinens Leiche trat ... Sie wiederholte dies Wort – ... Sie kannte aber Olympiens abergläubische Furcht, ergab sich und sagte nun schon, dass sie auch ihrerseits fürchtete, dem Anblick zu erliegen ... Die aufgeregt hin- und hereilenden Bewohner und Diener des Hauses konnten es zuletzt natürlich finden, dass die greise Dame, die zum allgemeinem Staunen die Mutter des Hingeschiedenen war, langsam die Treppe niederstieg und am Portal in ihren Wagen sank ... Die Fürstin ging der Schluchzenden zur Linken ... Paula begleitete sie zur Rechten ...

Auf der Mitte der Stiege waren ihnen noch der Erzbischof und der Graf nachgekommen und begleiteten sie beide bis zum Portal ... Noch einmal bat Bonaventura um Vergebung und lud die Frauen ein, in einigen Stunden wiederzukommenGraf Hugo träfe Anstalten, dem Geschiedenen einen militärischen Katafalk zu errichten mit allen kriegerischen Reliquien, die sich noch in Benno's Gepäck vorgefunden hätten ... Ohne Zweifel strömte die ganze Stadt herbei, den römischen Republikaner zu sehen ... Die Herzogin versprach, in einigen Stunden zu kommen ...

Olympia schwieg ... Sie sah sich mit Verachtung und einer vor Zorn bitterlächelnden Miene um ... Ihre Gedanken schienen abwesend ... Fast war es, als wollte sie die Menschen messen, die sie sah, und etwa wahrnehmen, bis wie weit sie an ihnen ihre Rache kühlen könnte ...

Der Graf bot sofort den beiden Scheidenden eine wohnung in seinem Palais an, ja er traf in ihrer Gegenwart Anordnungen, sie bis zum Begräbniss und noch auf längere Zeit würdig bei sich zu beherbergen ...

Die Herzogin sah gerührt und bittend auf Olympien ... Diese nickte gelassen mit dem Kopf und liess zum Hotel fahren ...

Olympia hatte anders beschlossen ...

Von den flehentlichsten, ja fussfälligen Bitten der Herzogin, dass sie beide wenigstens bis zum Begräbniss blieben, erfuhren nur zufällige Lauscher an den Türen des Hotels ... Trotz Benno's Beistand, trotz der Mittel, die ihr Benno schon bei seiner Abreise nach Rom lebenslänglich ausgesetzt hatte, war die Herzogin schon wieder nur die Duenna Olympiens ... Sie hatte gegen diesen wilden Charakter keine Kraft des Widerstands ...

Olympia fragte die gebeugte, reuevolle Frau mit durchbohrender Ironie, ob sie Verlangen trüge, Armgart von Hülleshoven kennen zu lernen –? ...

Alle Welt erstaunte, als sie dann Postpferde bestellte ... Diese kamen nicht sofort und schon machte sie dem Wirt eine Scene ...

Ihr Reisewagen fuhr an, sie bezahlte den Aufentalt dieser wenigen Stunden und schritt ruhig die Treppe des Hotels nieder an den geöffneten, rings von Menschen umstandenen Schlag ihres Reisewagens ... Die Herzogin kam nicht ... Olympia liess den Postillon eine Mahnung blasen ... Zehn Minuten und die Herzogin erschien ...

Wären die Frauen noch einen Tag geblieben, so hätte sich ein Zwiespalt, der, wie sämmtliche über diese Abreise erstaunten Freunde fürchten mussten, nicht ohne Folgen bleiben konnte, durch eine glückliche Vermittlung vielleicht gelöst ... Tiebold de Jonge traf am Morgen nach dem erschütternden Heimgang Benno's ein und bot eine wahrhafte Erquikkung allen trauererfüllten Herzen, die er hier antraf ... Auch der Oberst und Monika waren von Castellungo herübergeeilt, sogar Hedemann, der dem ersten Jugendleben Benno's so nahe gestanden hatte ... Tiebold, der in innigster Verbindung mit Benno geblieben war, hatte kaum von den ersten Opfern der Belagerung Roms an Porta Pancrazio gelesen, als er sich "vom Geschäft" losriss und "bei allem Unglück den glücklichen Gedanken" hatte, erst über Coni und Castellungo zu reisen ... Mit dem ganzen Schmerz der hingebendsten, treuesten, bis über den Tod ausdauernden Freundschaft traf er den Freund schon vom Leben geschieden ... Bebend trat er an den ausgestellten Leichnam, weinte wie ein Kindordnete aber doch sogleich des Freundes graue Locken mit seiner Linken und drückte mit der Rechten Armgart's Hand, die ihn gewähren liess ... fand er von allen gebeugten Herzen den Ton der natürlichen Ergebung zuerst wieder und konnte, den teuern, mit seinem Leben so innig verwachsenen Freund betrachtend, mit liebevollster Prosa sagen: "Merkwürdig; eigentlich hat er sich nicht verändert!" so konnte er doch sein "Er hat mich erzogen