– Friede! ... Mein – Gefühl für diese Mutter war – wie der angesammelte Schatz meiner unerwiderten Liebe zu allen Menschen der Erde ... Was hab' ich ihr – nicht alles hingegeben ... Als diese heiligen Flammen verloderten, sah ich nur die Asche – Berechnung – Eigenwille – List, Rache, Hass ... Hab's – lange ertragen – ... Abgerechnet – nun mit – ihr und – ihrem Schatten – ... Stille – nur Stille – um – mich her ... Ich – ersticke – noch – vor – südlicher – Luft –! ...
Bonaventura und Armgart erbebten ... Sie sahen zehn Jahre eines Lebens voller Qualen, eines Lebens ohne Willen, eines Lebens der Gebundenheit und eine furchtbar ausbrechende Reue ... Wie sollten sie helfen –! ... Eben musste auch die Fürstin heraufgekommen sein – Wieder wurde es im Bibliotekzimmer unruhig ... Man hörte das Schluchzen und laute Reden italienischer Frauenstimmen ...
Benno bat mit stummem blick, die Tür nicht zu öffnen ... Die Kraft seines Blicks stand in wunderbarem Contrast mit dem ersichtlichen Zunehmen seiner Schwäche ...
Ich will gehen, Freund ... sprach Armgart atemlos ... Lass' sie ein, sie, denen du jahrelang ihr Glück gewesen bist ...
Benno hielt krampfhaft ihre Hand fest und ebenso die des Erzbischofs ... Die Frauenstimmen verhallten wieder und nun sagte Bonaventura, er wolle gehen und sie beruhigen, Benno würde inzwischen selbst auf einen andern Entschluss kommen ...
Nein ... Nein –! ... sprach dieser und fuhr in kurzen Unterbrechungen fort: Priester! ... Wenn der letzte – Wunsch eines – Sterbenden – dir heilig ist, bewahre mich vor diesen Klagerufen! ... Die toten – hören noch lange – hören die Klagen um – ihr – Abscheiden ... Angiolina, auch du vernahmst – den Ruf der Mutter –! ... Abgerechnet – Stille – Stille – wie im wald – die Blätter – rauschen – an unserm – schönen – Strom – Armgart! – Lasst – – mich – ...
Im Hinblick auf Hüneneck, Drusenheim und Lindenwert schien sein Bewusstsein zu erlöschen ... Erschöpft sank Benno in die Kissen zurück ...
Bonaventura fragte Armgart, ob sie die Kraft behalten würde, eine Weile allein beim Freunde auszuharren, bis er den Vicar schicken würde ...
Armgart verneigte bejahend das Haupt ...
Bonaventura verliess durch die hintere Tür das Zimmer, machte einen Umweg durch mehrere der Gemächer und kam in den Empfangssaal zu den Aerzten und den Brüdern, die er glücklicherweise allein fand ... Er bedeutete sie, leise und unbemerkt mit dem Priester und dem Sakrament zum Lager des Kranken zu treten ... Dann ging er ins Nebenzimmer, aus dem die wildesten Weherufe der Frauen erschallten ...
8.
Vier Personen traf Bonaventura, die wohl die grössten Gegensätze der Charaktere und der äusseren Erscheinung bildeten ...
Olympia, die jetzt Dreissigjährige, in Reisekleidern ...
Die Herzogin von Amarillas, eine weisshaarige Matrone – redend gegen die verschlossene Tür, ja an ihr – mit den Nägeln kratzend ...
Graf Hugo, der die Herzogin von Amarillas, nachdem sie ihm als Angiolinens Mutter bekannt war, heute zum ersten male sah ...
Die reine, nur in der Hoheit ihres Schmerzes strahlende Paula trostspendend und versuchend die Frauen zu beruhigen ...
Olympia ging, wie die Löwin im Käfig, auf und nieder ... Schmerz, Reue, tiefbeleidigter Stolz kämpften in ihren Mienen ... Reue – denn sie hatte seit einigen Jahren mit Benno in Streit gelebt, hatte ihm, als er ohne sie nach Rom gegangen war, Lebewohl für immer gesagt ... Die kleine Gestalt war bewegt von Atemzügen, die ihr mächtig die Brust hoben ... Ihre seidnen Gewänder rauschten ganz schrillenden Tones ...
Die Herzogin, ohnehin von der Reise erschöpft, sank zitternd, beengt von den Umgebungen, auf einen Sessel ... Sie blickte auf den Grafen, auf die Tür ... Ihr ganzes Benehmen drohte mit einem Ausbruch von Irrsinn ...
Der Graf musste sich mit Paula beschäftigen, die keine Kraft besass, diesen wilden südlichen Leidenschaften, denen, wie man deutlich ersah, Benno's Kraft schon in Paris und London hatte erliegen müssen, länger die Spitze zu bieten ...
Noch ahnten die Ankömmlinge nicht die Ablehnung Benno's ... Sie jammerten nur um die lange Verzögerung, die Vorbereitung des Todkranken auf ihr erscheinen ... Sie wussten doch, dass Armgart von Hülleshoven am Krankenlager war ... Olympia kannte diese als Benno's Jugendliebe ... Ihre Mienen glichen dem elektrischen Leuchten eines dunkeln Gewölks, das ein Ungewitter birgt ...
Als die Herzogin und die Fürstin Bonaventura eintreten sahen, stürzten sie auf ihn zu, warfen sich ihm an die Brust, umklammerten sogar sein Knie und beschworen ihn, sie wissen zu lassen, wie es ihrem Cäsare erginge ... Sie wollten den Geliebtesten sehen ...
Graf Hugo und Paula traten in die vorderen Zimmer ... Sie sahen am Benehmen des Erzbischofs eine feierliche Bewegung des Ueberlegens, eine ernste Entschlussnahme ... Wohl kannten sie die Strenge, deren sein sonst so mildes Gemüt unter Umständen fähig war, kannten