schnörkligen Schildern dran ein – ach! auch schon manche Träne ist mir in den alten Rumpelkasten gefallen ... Lassen Sie doch Ihre Principien, hochverehrter Freund! Der alte Gott sorgt ja schon selbst für seine Anerkennung! ... Der Vernünftigste, den ich seit lange beobachtet habe, war Ihr Vetter Benno, von dem ich gar nicht einen solchen Cäsar Montalto erwartet hätte – den dummen Rückfall ausgenommen, der ihn nach Rom unter die Narren von 47 trieb! ... Glauben Sie mir, er hat in Paris und London glückliche Stunden verlebt; er nahm, was sich ihm bot, und reflectirte nicht ... Kommen Sie nun auch endlich einmal ordentlich nach Rom? – Sie müssen Cardinal werden, und mehr! Nur beschwör' ich Sie, machen Sie es einst, wenn Sie die dreifache Krone tragen, wie es alle machten, nicht etwa wie unser jetziger Phantast, der sich auf den Vatican, die Hochwarte des wenigstens mir sicher bekannten Universums, wie ein Kind hinstellen und aus einem tönernen Pfeifenstummel Seifenblasen puhsten konnte! ... Wie leben Sie denn, mein hochverehrter Freund? ... Ist die alte Gräfin auf Castellungo entschlafen in jenem 'HErrn', bei dem nur sie allein courfähig war? ... O, des Hochmuts dieser Frommen! ... Finden Sie nicht, mein hochverehrter Freund, dass Jesus in den Evangelien eigentlich nur recht bei denjenigen steht, die sich gegen Gesetz und Regel auflehnen, tief in der Irre gehen und mit den respectabeln andern Leuten auf gespanntem fuss leben? ... Rauft einer am Sonntag Aehren aus, gleich entschuldigt er ihn; wäscht ihm eine Frau die Füsse mit kostbaren Salben, gleich sagt er: Lasst doch die gute Närrin! Alles, was Jesus tat, war, wie's die andern Leute nicht tun – ... Und das wäre denn der Herr für diese wohlanständigen, vornehmen Seelen, deren Sünden höchstens Neid und Hochmut sind? Nimmermehr! ... Auch das hat mich katolisch gemacht, dass mein allersüssester Jesus Mein ganz aparter Freund ist ... Im Dunkel einer kleinen Kapelle, da ein Gekennzeichneter, ein polizeilich Verfolgter, vom vornehmen Pharisäervolk Gesteinigter wie ich, gehört er ausschliesslich Mir an ... Vor dem dunkelsten Altar, da, wo von einem Crucifix, von einem schlechten Tüncher geklext, die Tropfen Blutes am Haupt und in der Seite, zum Greifen dick, herunterfliessen, da hab' ich den Liebling meiner Seele und hör' es, als sagte er: Lucinde – Alte, wie geht es dir? Bist du immer noch in der Irre, immer noch unverstanden und ohne Herzen, die dich lieben? ... Das ist wahr, vor der allerseligsten Jungfrau, zu der Sie mir vor langen Jahren rieten, mich besonders vertrauensvoll zu beugen, vor Maria entzündet sich noch immer nicht ganz mein Herz, wie ich möchte ... Ach, die Königin des himmels hat einen Sohn verloren, hat den gelästert gesehen – das sind gewiss, gewiss grosse Leiden – aber sie selbst litt nicht viel unter Lästerungen ... Maria ist noch immer meine Feindin, wie alle Frauen ... Grüssen Sie Paula, die ich mehr liebe, als sie glaubt ... Hindern Sie den Grafen nicht, katolisch zu werden ... Es wird sich dann alles zwischen Ihnen leichter machen ... Die katolische Religion ist die der menschlichen Schwäche – und eben in seiner Schwäche liegt die Grösse des Menschengeschlechts ..."
Jahr ein, Jahr aus kamen diese Ausbrüche einer erbitterten Welt- und Lebensanschauung ... Näherer persönlicher, so innigst von ihr gesuchter Umgang war ihm mit Lucinden vor einigen Jahren in Coni unmöglich gewesen – eben durch die Art, wie sich ihre Denkund Gefühlsweise mit einer scheinbar tiefüberzeugten Art, allen, selbst den bigottesten Vorschriften der Kirche nachzukommen, vertrug und wie sie ihm dadurch den katolischen Glauben, dem er immer noch sein Tieferes und Besseres abzuringen suchte, ganz verhasst machen konnte ...
Unrichtig getauft zu sein hatte Bonaventura nur damals schrecken können, als er es zuerst erfuhr und das Bekenntniss eines verbitterten Hypochonders in den Händen einer rachsüchtigen Feindin wusste ... Diese Feindschaft hatte sich durch Paula's Heirat, durch Lucindens notwendig gewordene beichte zu MariaSchnee in Wien gemildert, ja sie hatte wieder der alten Hoffnung und dem alten Werben um Bonaventura's Liebe das Feld geräumt ... In Bonaventura's inneren gingen soviel Veränderungen vor, dass ihm an ein verhältnis, das er nur zum grössten Triumph derjenigen Richtungen hätte aufklären können, die er bekämpfte, die Gewöhnung kam ... Einen Augenblick, der in den immer höher gesteigerten Wirren der Zeit einst ihm noch kommen müsse, einen Augenblick grosser Entscheidungen dachte er als ihm ganz gewiss beschieden. Dann wollte er zur Widerlegung des tridentinischen Concils sich erheben und sagen: "Priester oder Gott – das ist die Frage! Hat Christus seine Vertretung in der Gemeinde oder nur im geweihten Vorstand derselben? Kann der W i l l e eines schwachen Menschen deshalb, weil er gesalbt wurde, die Menschenseele zu seinem Spielball machen? Seht, ich bin getauft nach allen Regeln der apostolischen Einsetzung der Taufe! Und doch, doch bin ich ein Heide, wenn unsere Seele von Priestern abhängt! Unsere Kirche steht und fällt mit der Entscheidung über mein Lebensschicksal!" ... Dann sich denkend, dass alle seine Würden