1858_Gutzkow_031_873.txt

ist wie die beichte ... Auch ihr liegt eine Erfahrung des Gemüts zum grund, die ohne höhere Einbusse niemanden entzogen werden kann ... Aber wie sie jetzt besteht, ist sie doch der unwürdigste Zwang ... Eine Zeit wird kommen, wo man erkennt, dass sie dem Priester das Unmögliche zumutet ... Was drückt unsere innere Würde mehr als die Beichtbürden, die wir tragen, ohne das Gute befördern, das Schlechte, das wir erfahren, verhindern zu können ... Wenn die Unmöglichkeit und der notwendige Heuchelschein des katolischen Priestertums erst erkannt sein wird, dann – ...

Bonaventura brach ab und erhob sich, weil ein Geräusch vernehmbar wurde ...

Auch der Cardinal erhob sich und betrachtete Bonaventura mit heissen, glänzenden Augen ...

Ich möchte nur von dem die beichte hören, dem ich sie selber spräche, sagte er ... Ein Austausch des Vertrauens unter Freunden – ...

Ihnen – – könnt' ich wahr sein – ... wallte Bonaventura in seiner deutschen, vom Herzen kommenden Regung auf und hielt dem Cardinal die Rechte hin ...

Der Cardinal nahm sie zitterndbewegt – ...

Da trat einer der Caudatarien ein und erinnerte an die vorgerückte Stunde ... Eine Sitzung des Consistoriums rief ihn ab ...

Der Caudatar liess die Tür offen, durch die er gekommen und wieder gegangen war, und harrte im Nebenzimmer ...

Es handeltsich heuteum Ihre Ernennung zum Erzbischof von Conisprach Ambrosi tief bewegt. Sie sollen an die Stelle Fefelotti's kommen ...

Bonaventura's Mienen drückten einen Schmerz aus, als trüg' er zu schwer schon an seinem gegenwärtigen Kleide des Nessus ...

Der Cardinal winkte ihmzu schweigenDie Zahl der Diener, die draussen harrten, mehrte sich ...

Denken Sie an Ihren Commandostab! sprach er ... Es muss ein Feldherrnstab sein –, den wir in unsern Händen haben! Was ist eineinzelnes Kriegerschwert! ...

Der Ton dieser Worte war so mutig, so offendass Bonaventura seine Vision bestätigt sah ... Ambrosi hatte Jahre lang sich selbst getödtet, um eine Auferstehung zur Tat zu feiern ... Kein Zweifel, dass diese Annahme die richtige war ... Und nun hätte er weiter forschen, von seinem Vater beginnen mögen, fragen, ob nie über dessen Herkunft, über dessen frühere Verhältnisse von ihm gesprochen wurdenur seiner Mutter wegen hemmte er den Drang der Mitteilung, der immer höher stiegEndlich begann Ambrosi, der Umgebung lauschend, von gleichgültigen Dingen ... Ein Schimmer von List sogar blitzte aus seinem Antlitz ... Einige Worte wagte er in deutscher Sprache; seine Gedanken wurden nicht klar; er sprach wieder italienisch ... Anerkennend urteilte er von Klingsohr's Gelehrsamkeit ... Vom Bruder Hubertus sagte er:

Dem kommt es zu statten, dass der geistliche Stand im Süden Europas etwas anderes ist, als im Norden ... Unsere Mönche sind schwer an ihre Regel zu bannen ... Sie ergreifen jede gelegenheit, ihrem Temperament zu folgen und viele gibt es, die immer unterweges sind ... Aufträge gibt es genug und wenn sonst kein Entschuldigungsgrund vorliegt, wird dem Drang zum Betteln als einer heiligen Vocation Gehör gegeben ... Ich war zugegen, wie der Todtenkopf den Auftrag erhielt, den Bischof von Macerata zu befreien, und noch dringender, den Gefangenen des Grizzifalcone, den Pilger von Loretto ... Eines gelang ihm durch List, das andere, hör' ich, durch wunderbare Abenteuer, an denensogar die Treue eines Hundes beteiligt ist ... Der Cardinal erzählte, was Bonaventura durch Klingsohr wusste ...

Die Vertraulichkeit kehrte wieder ganz zurück ... Mit leiser stimme gaben sich diese Gefangenen ihrer Würde der Geständnisse immer mehr ... Ambrosi gab die Bestätigung der Schilderungen, die Bonaventura von Benno nach seiner Befreiung von Frankreich aus über die Loge bei Bertinazzi und den Brief Attilio Bandiera's erhalten hatte ... Bonaventura hörte die Vermutung, dass sein unglücklicher Vater in seiner Gefangenschaft die Doppelrolle Grizzifalcone's hatte unterstützen müssen, die Dienste, die er dem Fürsten Rucca im Interesse der römischen Finanzen und die er dem Cardinal Ceccone im Interesse der Politik leisten sollte ... Nur angedeutet zu werden brauchte diese Vermutung, um auch die Gefahr auszusprechen, in die sich Federigo gestürzt haben würde, wenn er, durch die Kunst der Federführung zum Vertrauten des verschmitzten, beutegierigen Räubers geworden, nach Rom gekommen wäre und seine Geständnisse wirklich dem alten Rucca hätte aus dem Gedächtniss wiederholen wollen ... Ich würde sagen, schloss der Cardinal, vom erglühten Aufhorchen seines Besuches nicht zu auffallend befremdet, ich würde sagen, beide, der Gefangene und sein mutiger Befreier, verabscheuten die Rückkehr in eine so verderbte Welt, wenn nicht auch der stille Waldesfriede, den sie dann gefunden haben, wiederum von menschlicher Verworfenheit wäre heimgesucht worden; man sagt, dass im Silaswald der von Grizzifalcone angelegte Verrat zum Ausbruch kam und auch dort der mutige Mönch seine Mission der strafenden Gerechtigkeit an einem der gedungenen Verräter vollziehen konnte ...

Bonaventura hörte zum ersten mal von den näheren Umständen, unter denen die Invasion der Bandiera gescheitert war ... Bisher hatte er nur gewusst, dass die kleine Schaar durch einige aus ihrer Mitte verraten wurde ...

Die