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ihr Sohn, verkündete sie nun selbst; ihr verzweifelndes Muttergefühl hatte ohne jedes Besinnen den Schleier des Geheimnisses zerrissenund Lucinde, die vorher so gefürchtete Mitwisserin des Geheimnisses, wurde nun ohne Scheu die Dritte im Bunde; die Herzogin hatte jede Demütigung vergessen ... Zwei Menschen gab es nur, die helfen konnten, Olympia und Lucindeihr erschienen sie jetzt wie Engel und gottgesandte Heilige ...

Als Benno in Sicherheit war, errichteten die Frauen Pforten des Triumphes für Bonaventura ... Fefelotti musste ihn von ganz Rom wie auf Händen getragen und sogar vom Heiligen Vater begnadet sehen ... Ermüdet und beschämt von soviel Glück und Erfolg, hatte Bonaventura den Trost, zu sehen, dass seine Sache wenigstens von einigen unabhängigen Männern und Richtern aus überzeugung gefördert wurde ... Er hatte gehört, dass seine Angelegenheit besonders freundlich Ambrosi vertrat ... Diesen seltsamen Menschen, für den er ja selbst in Robillante Bischof geworden und von dem er mit doppelt begründeter Rührung vernommen, dass sein Vater ein Professor in Robillante war, der auf einer Alpenwanderung, wo Vermessungen von ihm vorgenommen werden sollten, umgekommendiesen besuchte er jetzt ... Wie drängte es ihn, zu hören, ob sein Vater, der einen solchen Tod nur fingirt hatte, wirklich als Lehrer oder Verführer zu ketzerischen Gesinnungen mit ihm in näherer Verbindung stand ...

Im früheren germanischen Collegium liegt die "Custodia der Reliquien und Katakomben" ... In dem untern Geschoss des düstern Palastes befinden sich lange, an den Fenstern vergitterte Säle, in denen die alten Steinsärge ihres Inhalts entleert, die vermoderten Knochen gesäubert und in grünangestrichene Kisten gesammelt werden ... Nach den Inschriften der Särge werden die Namen der Bekenner festgestellt ... Findet man kleine Phiolen mit einer eingetrockneten Flüssigkeit, die vielleicht Blut war, so hegt man die überzeugung, die Knochen eines Märtyrers gewonnen zu haben ... Ueberall liegen hier Glassplitter, zerbrochene tönerne Lampen, selbst Kleiderreste einer uralten Vergangenheit ...

Soeben war Cardinal Ambrosi beschäftigt, einen von einem Professor des Collegiums, einem Jesuiten, "getauften" heiligen "Xystus" nach Amerika zu versenden, wo man in Mexico das dringendste Bedürfniss ausgesprochen und viel Geld darum nach Rom gesandt hatte, für eine neugebaute Katedrale den kostbarsten Schmuck in einem heiligen Reliquienleib zu besitzen ...

Bonaventura wartete in einem Nebenzimmer und gedachte an das Wort: "Ich ziehe in die Katakomben!" ein Wort, das Frâ Federigo zu Klingsohr und Hubertus gesprochen hatte ... über Hubertus hatte sich Bonaventura schon bei Klingsohr beruhigt, den er mehrmals in Santa-Maria besuchen wollte, endlich nur im Archiv des Vatican fand, wo Pater Sebastus die deutschen Schriften excerpirte, die Rom auf den Index setztWohl eine Tätigkeit, die Bonaventura an Benno's Wort vom Vatermorde erinnern konnte, dessen dieser den Sohn des Deichgrafen mehr bezichtigte, als seinen eigenen Vater, den Kronsyndikus ... Klingsohr's demütiger Brief aus San-Pietro in Montorio nach Robillante, den Lucinde damals besorgen sollte und besorgt hatte, stand im auffallendsten Widerspruchmit einer Cigarre, die Pater Sebastus am offenen Fenster in der Nähe der Loggien des Raphael zu rauchen wagte ... Soviel stand festdie Situation hier oben, dieser blick auf die Grösse Roms, dieser heraufströmende Duft aus den lieblichen Gärten des Vaticanes verlohnte sich, mit dem deutschen Vaterland, mit Schiller, Goete, Kant gebrochen zu haben ... Klingsohr analysirte sein Glück mit der ganzen Kraft der ihm zu Gebote stehenden poetischen Reproduktion – ... Die "dummen, albernen Wahngebilde" in den Büchern vor ihm, die ewige Schönheit Raphael's um ihn herauch Lucindens beseligende Nähealledem wusste der kahlköpfige, hektisch hustende Mönch goldene Worte zu leihen ... Von Hubertus berichtete er, dass dieser den Pilger von Loretto aus der Gefangenschaft der Räuber mit Lebensgefahr befreit hatte, dann aber leider, den Verfolgern ausweichend, mit dem Geretteten nach dem Süden verschlagen wäre ... Hubertus unterhandelte damals mit dem General der Franciscaner um die erlaubnis, in dem Kloster San-Firmiano, am Eingang in den Silaswald, für immer bleiben zu dürfen und schon hatte seine Bitte die Unterstützung Lucindens und Ceccone's gefundenBeide waren froh, den Unheimlichen in der Ferne zu wissen ... In ruhiger Ergebenheit liess Bonaventura Klingsohrn die gelegenheit, alle Erfahrungen seines Gemütes gegen einen Mann durchzusprechen, der ihm so mannichfach nahe stand ... Und wie orakelte Klingsohr! ... Am längsten verweilten seine Einfälle und Paradoxen diesmal beim Lebender "Tierseele" ... Hubertus sollte den Pilger mit hülfe eines Hundes, ohne Zweifel des seinem Herrn bis nach Loretto und dann bis an die Bai von Ascoli nachgelaufenen "Sultan" entdeckt haben ... Den Pilger selbst charakterisirte Klingsohr als einen Deutschen, der der alten Zeit des Turnertums und der Romantik entlaufen wäre und "sozusagen Eichendorff ins Protestantische übersetzt hätte –", wahrscheinlich hätte er in Loretto "die Andacht statistisch studiren" und das hochheilige Wunder von der durch die Lüfte nach Loretto getragenen Heilandskrippe in der Darmstädter Kirchenzeitung lächerlich machen wollen ... Grizzifalcone hätte einen scharfen blick verraten, als er diesen Mann zu seinem Schreiber machte ...

Bonaventura hielt seinen heftigsten Zorn und Unwillen zurück und rühmte nur die Bildung des Verschollenen ...

Klingsohr räumte diese ein und erzählte: Als wir in einer Nacht im