ein Abtrünniger, rettungslos Verlorener, ich darf m i t e i n e m g r o ss e n Z w e c k leben, wie und wo ich will – ich darf mit den Waldensern gehen – Protestant scheinen ... Nur besuchen Sie die Messe in Coni, in Robillante – wo Sie wollen – man liest sie Ihnen geheim ... Dann gehen wir zuletzt alle nach Wien – Ihre Gattin folgt – Ihr erstes Kind wird auf einen Heiligen getauft – Das ist die Sprache der Welt, der gesunden Vernunft, der Verhältnisse, in denen Sie leben, die Sprache des Trostes, der Erhebung für – die Gräfin selbst – ...
Der Graf schüttelte den Kopf und entgegnete:
Ein Abschied fürs Leben ... Wir sehen uns nicht wieder –! ...
Haben Sie Mitleid mit mir –! rief Terschka ...
Die Glocke schlug unausgesetzt ... Die Bäume rauschten im Sturme ... Die natur war im Aufruhr ... Der Graf ging jetzt und wie auf der Flucht ...
In französischer Sprache rief ihm Terschka nach:
Graf! Ich beschwöre Sie! ... Sie werden es einst aus eigenem Antriebe tun ... Tun Sie's jetzt um mich, um Ihren alten – treuen – unglücklichen Freund! ..
Die Glocke tönte ... Mit hellen, mit klagenden, mit stärkeren, mit schwächeren Klängen ...
Noch einmal wandte sich der Graf zu Terschka, wartete, bis dieser näher kam, bot ihm die Hand und sagte ihm ein letztes Lebewohl – ... Unsere Wege sind getrennt, setzte er hinzu ... Erde und Himmel können vielleicht für mich bürgen und für das, was ich tue oder lasse, Sie nicht mehr ... Das sag' ich alles ohne Groll, Terschka, ohne Sie kränken oder verurteilen zu wollen; ich urteile, Sie wissen es, über Menschen überhaupt nicht; lassen Sie alles wie es ist ... Beschütze Sie jetzt der Himmel, Terschka! ... Sans adieu! Sans adieu! ...
Der Graf schritt mächtig zu, gleichsam – um dem drohenden Unwetter zu entfliehen ... Auch begann es in der Tat zu regnen ...
Ein Diener blieb bei Terschka in dem wildbewegten Eichenhain zurück ...
Der Graf sah sich nicht mehr um ... Ohnehin ging es bergab ... Er eilte wie jetzt selbst vom Sturm ergriffen ...
In einer halben Stunde hatte sein Fuss das Schloss erreicht ... Die Frauen wachten noch ... Aber er wollte ihnen nicht die Nachtruhe nehmen durch die Mitteilung über Benno ... Sein Mund blieb auch dem Obersten noch geschlossen über alles, was er gehört ... Sein Auge durchwachte aber die ganze Nacht und sein Ohr vertausendfachte ihm alles, was er vernommen ... Die grünen sturmbewegten Wipfel der Eichen rauschten um ihn her wie ferne Donner ... Der Geisterton der klagenden Glocke wurde eine Mahnung, als bedrohte eine Feuersbrunst die Welt und – vor allem die teuersten Menschen, die um ihn her in Ruhe schlummerten. – Hatte es also zehn Jahre und erst des Todes seiner Mutter bedurft, um seinen ganzen inneren Menschen so mächtig aus einem Zustande der Letargie zu erwecken –! ...
Terschka stand eine Weile vernichtet, bis er sich sammelte ... Endlich erhob er trotzig sein Haupt, das nun schon durch die Jahre eine natürliche Tonsur trug, griff in die tasche – gab dem Diener ein Trinkgeld und liess sich im Gehen erzählen von den Bewohnern des Schlosses, vom Tod der Gräfin, vom morgenden fest in Coni, von den Ueberraschungen für den Erzbischof, von den Reiseplänen des Grafen, von der dem Obersten hier schon gegebenen Stellung, von Monika's Reformen, von Armgart ... Auch von Federigo liess er den Diener plaudern, vom Einsiedler, der noch im Silaswalde leben sollte, nachdem er in die hände der Räuber gefallen, aus denen ihn Frâ Hubertus – wie alle Welt erzählte, mit hülfe seines Hundes, des treuen Sultan – errettet haben sollte ... Terschka forschte mit kurzen fragen diesem unheimlichen Namen nach, forschte Allem, was von Franz Bosbeck, seinem ehemaligen Retter, den die Nemesis schon zum Richter über Jan Picard gemacht, im Volksmunde hier bekannt war ... Auch Frâ Hubertus mit dem Todtenkopf sollte noch leben ... Er erstaunte – künstlich ... Alles, was er hörte, war ihm schon bekannt – ...
Frost durchschüttelte seine Glieder – Jetzt erst warf er des Dieners Mantel um, den er bisher überm Arm getragen hatte, und bat um die Angabe eines kürzern Weges, um ins Tal und dort zum Pfarrer zu gelangen ...
Der Wind hatte aufgehört ... Regenströme ergossen sich ... Noch schützten ihn und den Diener hier und da die Bäume der Alleen ... Sie umgingen das geheimnissvoll nächtlich schlummernde Schloss ... Eine Weile sah es Terschka mit dem blick verzweifelnden Neides an ... Dann fragte er den Diener, ob er sich auch der Gräfin Sarzana erinnern könnte ... Auch von ihr liess er sich einiges erzählen ... Den im spottenden Ton gemachten Bericht über diesen Besuch unterbrach er mit den dumpf vor sich hingesprochenen Worten: Auch sie – ist in Rom! ...
Terschka befahl jetzt dem Diener, ihn allein zu