Sie katolisch! ... So hab' ich wenigstens Ruhe vor Denen, die auf mich die ersten Rechte hatten ...
Terschka versicherte dann, dass ihn Pater Speziano nach Rom führen müsse wie einen Gefangenen ...
Der Graf stand schon lange wie eingewurzelt ... Er blickte um sich und sah, dass er in dem Hain des Eremiten unter dem majestätischen Dach der uralten "Eichen von Castellungo" stand ... Noch glänzte die von Birkenzweigen und verwittertem Moos gebaute Hütte ... Noch lag wie sonst der Verschlag für Federigo's treuen Hund, den "Sultan", wie er hiess, unverändert; noch die Hütte für die Ziege, beide Tiere, die die einzige lebende Gesellschaft des Freundes seiner Mutter waren ... Eine mächtige runde Steinplatte, verwittert und mit gelblichen Moosflechten überzogen, die als Altar zu dienen pflegte, stand in der Mitte des mächtigen Rundes, über dem die Baumkronen sich schüttelten im zunehmenden Sturm ... Noch hing in den ächzenden Zweigen des stärksten dieser Bäume die Glocke, durch deren Ruf der Einsiedler in einiger Verbindung mit der Welt blieb ... Die schlummernden Vögel auf den Zweigen schienen zu träumen, mancher leise laut erscholl, mancher Vogel flog erschreckt vom Neste ... Der Wind bewegte durch die Zweige auch die Glocke ... Zuweilen schlug sie an – leise, geheimnissvoll, geisterhaft – Graf Hugo sah ein ganzes Leben ihn hier wie mit stiller Bitte mahnen; er hörte den Ruf der Mutter, als sie ihn um die Erhaltung der Glocke – um die Erhaltung Castellungo's und des Glaubens seiner Väter bat ...
Terschka erkannte diese Zauber der Bestrickung für den Grafen ... Oft hatte er hier selbst den Eremiten gesprochen, hatte sich mit dem "Sultan" in der Hütte dort geneckt; er wusste, dass dies treue Tier dem vermeintlichen Gefangenen der Inquisition gefolgt sein sollte ... Noch deutlich sah er die Gräfin auf einem Sessel von Baumzweigen, auf dem sie hier oft stundenlang bei ihrem Schützling zu verweilen liebte ... Gerade damals war Terschka hier zum ersten mal gewesen, als sich die Sage von Vincente Ambrosi verbreitet hatte, der vor Frâ Federigo's Lehren geflohen wäre ...
Träumend stand der Graf und blickte auf die Glokke, deren Bewegungen immer stärker und stärker wurden ... Er fuhr auf, als er Fusstritte hörte und die beiden Diener sah, die gefolgt waren und jetzt näher kamen, um die Mäntel anzubieten ...
Mechanisch nahm er den einen und bot Terschka den andern ... Dieser nahm ihn schnell, nur um die Diener zu entfernen ... Lebhafter und lebhafter drängte er auf Entscheidung ... Er schilderte alles, was er wünschte, als ein Facit von Umständen, die gebieterisch gegeben wären ...
Der Graf lauschte der Glocke unter den Bäumen, die die heftigen Windstösse in Bewegung erhielten ... Der ungleiche Klang war wie die unregelmässigen Atemzüge einer von Angst bedrängten Seele ... Das Bild der sterbenden Mutter stand dem Sohn vor Augen ... Ihr Wort: "Du wirst dem Tiere folgen!", ihre Bitte für diese Glocke, ihre Bitte für den jetzt schon in so wilder Störung begriffenen Frieden dieses einsamen Ortes sprach ihm aus dem Wehen jedes zitternden Blattes ...
Lassen Sie, Terschka! schnitt er jetzt, wie aus Träumen erwachend, alle Vorstellungen ab, die ihm dieser im Ton einer unverstellten Verzweiflung machte – Es war eine Proselytenwerbung so eigner Art, wie sie auch nur durch Jesuiten veranstaltet werden konnte ... Keine Salbung, keine überzeugung – eine Sache nur der Etikette und der praktischen Psychologie ... Der Graf widerstand ... Dort hinaus führen Sie meine Diener auf kürzerm Weg nach San-Medardo zurück, sagte er ... Was die Zukunft bringen wird, weiss ich nicht ... So, wie Sie es begehren, Terschka, wird und kann es nicht sein ...
Graf! flehte Terschka ... Ist das Ihr letztes Wort ...
Mein letztes, Terschka! Mein Inneres – Sie haben es erraten – ist zerrissen und unglücklich ... Noch weiss ich nicht, was werden soll und ob ich länger mein los ertrage ... Ich liebe – mein Weib! ... Aber I h r Auskunftmittel – – Weiss ich doch kaum, ob die Gräfin gerade dies noch begehren würde –! ...
Graf, um so mehr! fiel Terschka ein. Allbekannt ist die Gesinnung des Erzbischofs ... Auch die Gräfin, sie, die einst eine Seherin war, erkaltete in ihrer alten Glut und Andacht für den Glauben ... Es ziehen Gefahren für Ihren Freund herauf, denen er jetzt erliegen dürfte, jetzt, wo die Richtung der Zeit sich ändern wird ... Verachten Sie meinen Beistand nicht – auch ein Sturla kann mich kennen lernen ... Aber nehmen Sie mich wieder auf! Schützen Sie mich durch Ihren geheimen Uebertritt! Ich lenke alles, was Ihr Herz, Ihre natur, das Glück Ihrer Freunde verlangt ... Und Monika, selbst den Obersten gewinn' ich – pah durch einen einzigen Tag ... Selbst Armgart soll nicht vor mir entfliehen ... Ich bin ja – ein Greis – alt – ich entwaffne halt jeden durch meine Ergebung – durch meine Demut ... Graf, zum letzten mal, ich,