1858_Gutzkow_031_858.txt

Die nächtlichen Wanderer standen am Eingang zu jenem mächtig sich ausdehnenden Eichenwalde, der die noch unzerstörte Einsiedelei des Eremiten barg ... Sie schritten in die sich mehrende Dunkelheit hinaus ... Eben gingen der Pfarrer und der Gemeindeälteste an ihnen vorüber und sprachen, als beide stillstanden und sie vorüberliessen, ein: Salute! ...

Buon viaggio! durfte der Graf erwidern, da die Wanderer bis zu ihrem Gebirgstale eine weite Strekke hatten ...

Terschka wandte sich abseits, um nicht erkannt zu werden ... In früheren Jahren war er nicht selten hier gewesen und geredet wurde noch oft genug von ihm ... Er kannte hier Weg und Steg ...

Werden Sie denn auch für diese Schwärmer, fragte er den Vorausgehenden nach, ebenso ein Protector sein, wie Ihre Mutter? ...

Die gesetz protegiren sie ... entgegnete der Graf und sah, nur noch Benno's gedenkend, nach der Uhr ...

Terschka wollte ihn nicht lassen ... Er suchte ihn in Interessen zu verwickeln, die für beide gemeinschaftliche waren ...

Man sagt, begann er, dass Ihre Freundschaft für den Erzbischof von ConiIhre Zärtlichkeit fürIhre Gemahlin jetzt vielleichtnach dem todIhrer Mutter – – ...

Der Graf hörte nicht ... Seine Gedanken waren nur dem schloss und Coni zugewandt ...

Warum bin ich nur so feige und tödte mich nicht selbst! ... unterbrach sich Terschka mit wilder Geberde und weckte somit gewaltsam den Grafen aus seinem fortgesetzten Brüten ...

Sie erwarten wirklich jetzt erst in Rom die ganze Strenge Ihres Ordens für Ihre Flucht! ... sagte der Graf, mit zerstreuter Teilnahme auf seine Worte hörend ...

Terschka erwiderte nichts, sondern blickte nieder ...

Sie haben mir von den Exercitien des heiligen Ignatius erzählt! fuhr der Graf, um ihn zu beruhigen, fort ... Werden Sie also in einer dunklen Zelle zubringen müssen mit einem Todtenkopf auf Ihrem Betpult, mit dem Bild einerverwesenden Leiche in Ihrem Bett –?10...

Terschka schwieg ...

Das sind doch in der Tat nur kindische Dinge ... Auch hab' ich gehört, dass Sie Ihren Uebertritt, Ihren Verrat am Orden, wenn Sie wollen, als eine wohlberechnete Strategie darstellen dürfen, als ein Mittel, desto besser zu Ihrem Ziel zu gelangen – ...

Jawas wardenn mein Ziel? fiel Terschka mit zustimmendem Aufhorchen ein ...

Der Graf bereuete diese Andeutung gegeben zu haben ...

Sie werden, begann Terschka anfangs lebhaft, bald aber seine stimme dämpfend, als könnten die Blätter der immer mehr bewegten Bäume seine Worte weiter tragen, Sie werden in diesem Tal, in diesen öden Wäldern nicht ewig bleiben wollen ... Ihre Liebe zu den Waffen wird sich wieder regen, zumal wenn Sie sehen, dass eine Zeit kommt, wo nur noch die Waffen die Welt regieren ... Oft schon sind Ihnen glänzende Anerbietungen zum Rücktritt in die Armee gemacht worden ... Ihre Lage, zweien Staaten angehören zu sollen, zumal zweien, die sich unausgesetzt befehden werden, wird Sie zuletzt zu einem Entschluss veranlassen müssen ... Ich weiss nicht, wohin Sie Ihre überzeugung zieht ... Katolisch sein! ... Selbst in jenen lächerlichen Exercitien des Ignatius liegt eindumpfer Ernstmache nur Einer mit, was ich in Freiburg habe erleiden müssen ... Die Revolution machte dem schrecklichen Kinderspiel, das man mit mir trieb, ein Ende ...

Was in Freiburg unterbrochen wurde, wird in Rom wieder aufgenommen werden –? ...

Ja Graf –! Aber gesetzt, Sie nähmen wieder bei Ihren alten Waffengefährten Dienste, Sie lebten in Wien, wofür sich doch zuletzt die sehnsucht Ihres Herzens entscheiden wirdGesetztSie brauchten ja Castellungo nicht zu verkaufendie notwendigkeit für Ihre Gemahlin, in des Erzbischofs Nähe leben zu müssen – ...

Was redenSie! ... unterbrach der Graf ...

Vergebung! schmiegte sich Terschka in demütiger Geberde ... Sie misverstehen michIch meine, der Oberst von Hülleshoven ist ein Projectenmacher und eigensinnig wie seine Frau ... Hedemann wäre für die Verwaltung Castellungos zu brauchen gewesenAber der istja wohl auch tot? ...

Sie sindein schnellerReiter! ... entgegnete Graf Hugo, sich erst langsam beruhigend ... Nie noch hatte jemand gewagt, ihm persönlich die notwendigkeit, Paula in des Erzbischofs Nähe zu lassen, so offen auszusprechen, wie Terschka ... I h m war Bonaventura notwendig, Er nur blieb in des Freundes Nähe –! So und nie anders hatte sich seit Jahren das verhältnis im mund seiner Umgebungen gestalten dürfen ...

Wollen Sie diese herrliche Besitzung zu grund gehen lassen? fuhr Terschka immer demütiger fort ... Konnten Sie über meine Art, in Westerhof zu Geld für Sie zu kommen, klagen? ... Behalten Sie mich hier! ...

Ich verstehe nichtentgegnete der Graf ...

Ich fürchte mich vor Rom ... Man wird Dinge von mir verlangendie über meine Kraft gehen ... Die einzige Möglichkeit der Rettung für mich wäre, dass ich draussen in der Welt eine Aufgabe fortsetzte ... Was ich Ihnen früher im Geheimen war,