besonders ihre Waisen, taufte sie schnell nach römischem Ritus und gab sie nicht wieder her ... Jedes uneheliche Kind der Waldenser gehörte an sich schon diesem "Ospizio dei Catecumeni" ... Als vorgekommen war, dass eine Gefallene, um ihr Kind zu behalten, sich auf die höchsten Spitzen des Monte Viso vor den Gensdarmen geflüchtet hatte und Kind und Mutter im Schnee elend umgekommen waren5, wallte Bonaventura's Zorn so auf, dass er nicht eher ruhte, bis jenes Ospizio geschlossen wurde ... Das Verkommen im Schnee – – gehörte ohnehin zu den erschütterndsten Vorstellungen seines Gemüts und zumal, da seines Freundes, des Cardinals Vincente Ambrosi, Vater, Professor der Matematik in Robillante (er erfuhr dies zu seiner höchsten Ueberraschung in Rom), eines solchen Todes im Alpenschnee wirklich verstorben war ...
Von Genua aus, wohin sich Gräfin Sarzana begeben hatte, als sie wagte, wieder aus Tageslicht zu kommen von den "Lebendigbegrabenen", in deren Kloster sie sich geflüchtet hatte nach dem Attentat ihres Mannes auf Ceccone, wurde der Kampf mit den freisinnigen Richtungen Italiens um so erbitterter geführt, als Genua auch für die Pforte der Mazzini'schen Einflüsse und des englischen Ketzertums galt ... Fefelotti bot alles auf, die weibliche Bundsgenossenschaft der Jesuiten gerade in Genua zu mehren und zu kräftigen ... Ein Orden, der sich offen "Jesuitessen" nannte, "Töchter Loyola's", gestiftet vor zwei Jahrhunderten, hatte sich nicht erhalten können; Papst Urban VIII. schaffte ihn schon 1631 ab ... Aber unsere Zeit hat diesen Orden erneuert – vorzugsweise in den Damen vom Heiligen Herzen Jesu (Sacré Coeur) ... Sie leiten, schaarenweise von Frankreich kommend, die Erziehung der vornehmen Stände und halten auch ausserhalb ihrer Klöster schulen für die ärmere Klasse; sie sind in weiblicher Sphäre das, was die Väter der Gesellschaft Jesu für die Erziehung in männlicher ... Wo diese Heiligen Schwestern vorangehen, folgen ihnen in noch nicht einer Generation ihre Brüder, die Jesuiten, nach ... Sie bereiten ihnen den Weg; sie wecken in den Familien, bei allen Müttern, Vätern, Kindern, eine solche sehnsucht nach diesen Ratgebern nicht nur der Seele für ihre jenseitige Bestimmung, sondern des ganzen auch diesseitigen Lebens, dass die Berufung der Väter nicht lange ausbleibt ... Umwälzungen folgen dann in den Familien, in der Gesellschaft ... Der süsse Ton der Andacht, verbunden mit den feineren Rücksichten der Geselligkeit und Eleganz, führt dieser Congregation des Sacré Coeur alle jungen weiblichen Herzen zu ... Mütter, oft bereuend, was sie selbst in ihrem Leben verschuldeten, glauben in ihren Töchtern durch so zeitige Fürsorge alles nachholen zu können, was sie an sich selbst versäumten ... So strömte auch in Genua und Turin die weibliche Jugend den Herz-Jesu-Damen zu ... Zweigvereine bildeten sich unter dem Namen der "Doroteïnerinnen" bei den Frauen, der "Raffaëliner" bei den Männern, der "Leonhardiner" unter den Klerikern ... Die obere Leitung aller dieser weitverzweigten und auf ein System gegenseitiger Ueberwachung (in den lieblichsten Ausdrücken, als: "Bewahre dir den Duft der geistlichen Blume zur einstigen festlichen Ausstellung am Altare!" d.h.: Lebe so, dass es dich nie verdriessen wird, in den Conduitenlisten von andern nach deiner geistlichen Aufführung beurteilt zu werden!) begründeten Genossenschaften hatten die Superioren der Jesuitenklöster ... Ihnen gehörte das Beichtbedürfniss, Tod und Leben dieser Seelen und ihres ganzen Anhangs ...
Die Stadt, das Land wussten, wie nahe der Erzbischof von Coni wiederum bei den äussersten Gefahren für seine Stellung angekommen war, als die neue Aera der Hoffnungen Italiens anbrach ... Schon vorher war eines Tages Lucinde – sie zählte nun schon dreissig Jahre – in Coni erschienen und hatte, man sprach wenigstens so, dem Erzbischof aus Rom die ernstesten Warnungen gebracht ... Die Leiden, die ihm dieser fast ein Vierteljahr dauernde Aufentalt Lucindens in Coni zuzog, gehörten seinem Innenleben an und konnten nur von wenigen verstanden werden ... Graf Hugo war es, der die Gräfin Sarzana damals mit Gewalt aus der Gegend vertrieb; er erinnerte sie an Nück und den Mordbrenner Picard ... Hier erst erfuhr die kleine genfer Colonie, dass Lucinde von hier nach einem Abend verschwunden war, wo auf Castellungo im Kreise der alten Gräfin, die sie nur widerstrebend empfangen hatte, die Rede auf den Bruder Hubertus kam, der noch im Silaswalde beim Eremiten Federigo leben sollte ... Man hatte erfahren, dass Hubertus einen der Verräter der Brüder Bandiera entdeckt und in seinem wilden Zornesmute gerichtet haben sollte – einen Belgier oder Franzosen, den die Emigration aus London absandte, um von Korfu aus die Bandiera zu unterstützen ... Viele behaupteten – erst jetzt erfuhren dies die alten Bewohner Witoborns – dass dieser Genosse Boccheciampo's6 jener Jan Picard gewesen, der ohne Zweifel den Schlossbrand in Westerhof angelegt und damals spurlos verschwunden war ... Allen schien ein Zusammenhang Lucindens mit diesen Vorgängen erwiesen ... Graf Hugo lehnte die Aufklärungen ab, die von ihm den Freunden gegeben werden konnten ... Man drängte in ihn ... Erst als sogar Terschka's Name als dessen, der jenen Picard der Emigration empfohlen und später Vorteile vom Scheitern der Expedition gezogen haben sollte, mitgenannt wurde, brach man von den dunkeln, Monika, den Obersten und