, die ihr zu allen zeiten so wert gewesen, noch einmal sehen konnte, brachen unverkennbar aus ihren, schon halb erstarrten Zügen ...
Wo gehst du denn hin? sprach die kleine Erdmute, da die Gräfin ihre Rede mit einem mehrmaligen: "Ich gehe –" begonnen hatte ...
In einen schönen – Garten –! ... antwortete die Sterbende mühsam jede Sylbe betonend ...
Wohl in den, in den auch der Vater geht? ... fragte das Kind und wurde um dieser fragen willen leise von Porzia weggezogen ...
Aber die Gräfin langte nach ihrem Patchen und wehrte allen, ihm sein zutraulich fragen zu verbieten ...
Hedemann stand hinter dem Stuhl der Sterbenden und verriet sein Leiden durch seinen Husten ... Die Gräfin hatte ihn mit besonderer Teilnahme begrüsst ... Da sie ihm nun, sich nach ihm wendend, zuflüsterte: "Ei – du – frommer – und – getreuer Knecht!" fiel er, das Wort des Kindes bestätigend, ein: "Gehe ein zu deines Herrn Freude!" ...
Eine Pause trat ein, unterbrochen vom Weinen Porzia's, auch jetzt vom Weinen des erschreckten Kindes ...
Als es stiller geworden, winkte die Matrone dem Obersten, der ihr in Witoborn und Westerhof immer einen so vorteilhaften Eindruck gemacht hatte und dem sie schon aus Reue über ihre Absicht, Monika mit Terschka zu vermählen, besonders ergeben war, und sprach mit ihm ... Es währte lange, bis der Oberst verstand, was sie wollte ...
Wie ist es – mit – Rom? verstand er endlich ...
Er nannte ihr mit scharfbetonten Worten die gegenwärtige Sachlage des Kampfes ... Der Sieg der Franzosen wäre, sagte er, so gut wie entschieden ...
Sie überlegte lange, was gesprochen worden ...
Monika erriet ihren Gedankengang und half dem Aussprechen desselben nach ... Dieser Sieg, sagte sie dicht am Ohr der Gräfin, wird noch einmal die herrschaft des Heiligen Vaters wieder zurückführen – bis – einst – ...
Die Gräfin verfiel in einen röchelnden Husten, ergänzte aber, als der krampfhafte Anfall vorüber war, mit einer überraschenden Kraft: Bis einst die wahren Streiter kommen ... Das ist das Lamm auf dem Berge – und mit ihm hundert – und vierzigtausend ohne andere – Waffen – als – ...
Nun versagte die stimme der Gräfin und Hedemann und Monika fielen ergänzend ein:
Als – den Namen des Herrn ...
Den Namen des Herrn aus Monika's mund zu vernehmen schien der Gräfin ausserordentlich wohlzutun ... Sie hatte früher an ihr den "rechten Grund" vermisst, wusste nun aber aus Briefen schon lange, um wie viel die jüngere Freundin ihr näher gerückt war ...
Der Sohn trat heran, um die Erregung der Mutter zu beschwichtigen ...
Die Mutter hielt seine Hand fest und sah ihm mit weitgeöffneten Augen ins Antlitz ...
Warum läuten die Glocken? ... fragte sie ihn feierlich ...
Es klangen keine Glocken ... Nur im Nebenzimmer regte sich der Arzt, der hochberühmte Doctor Savelli aus Coni, der mit einem Glase näher trat, an dem nur so der silberne Löffel erklang ...
Die Mutter hörte wohl diesen Klang und deutete ihn auf das Läuten von Glocken und starrte wie ins Leere ...
Nimm, Mutter! sprach der Graf mit liebevoller Bitte und reichte ihr selbst das Glas dar, das kräftig und würzig duftete ... Es war die letzte Stärkung eines von seinen Lebensgeistern immer mehr Verlassenen – edler Tokayerwein ...
Die Mutter betrachtete das Glas und erkannte wohl, dass das dargereichte Getränk Tokayer war ... In ihrem Ideengang unterbrochen, sah sie den Sohn mit einem schmelzenden Liebesblick an ... Nun zog sie ihn näher und heftete die Augen auf ein gerade vor ihr befindliches lebensgrosses Bild, das den Vater Hugo's in Generalsuniform darstellte ... Der Sohn verstand ihre Empfindungen ... In Ungarn hatten ja er und der Vater gestanden ... Er trocknete den Schweiss vom kalten Antlitz der immer mehr sich Aufregenden ...
Hinter dem Arzt trat der Mann hervor, der alle anfangs empfangen hatte ... Es war der Geistliche, der "Barbe" des jenseits des Waldes, der sich hinter dem Schlossgarten erhob, gelegenen Waldenserdorfes, ein Herr Baldasseroni ... Er hatte bisher für sich in Diodati's italienischer Bibel gelesen ...
Die Mutter sah zu ihm hinüber, langte nach der Bibel, liess sie sich auf den Schoos legen und setzte mit zitternden Händen das Glas mit dem Tokayerwein darauf ... An seinem Inhalt, deutete sie an, wollte sie sich nach und nach erquicken ... So sitzend hielt sie lange des Sohnes Hand ...
Sie wiederholte aber, dass sie Glocken hörte, und murmelte, das Ohr gegen das Fenster richtend:
Glocken haben die Armen ja nicht – und keine Türme ... Nimm nicht die Glocke – von Federigo's – Hütte ... hörst du, mein Sohn? ...
Der Graf nickte mit einer Miene, die fast vorwurfsvoll war ... Er tat, als traute sie ihm Unwürdiges zu ...
Dann winkte sie Monika und Armgart, dass auch sie näher treten sollten ... Beide nannte sie Du und langte nach Monika