Welt, hatte an Ceccone die geheiligte Rache eines Italieners geübt ...
Rom war eine Republik geworden und stand unter dem Bann der kirchlichen Excommunication ... Die Stadt selbst kümmerte die Ungnade des himmels wenig; – in einem mit Priestern und Mönchen überfüllten land fanden sich hände genug, die die notwendigsten Sacramente erteilten ... Das "Schwert Italiens" rüstete sich am Fuss der Alpen zu einem zweiten Gange ... Viele Flüchtlinge der Staaten, wo die frühere Ordnung schon wiederhergestellt war, strömten nach Rom ... Cäsar von Montalto – Italiener geworden – nach manchem bittern Seelenkampfe – nun schon mit ergrauendem Haar, fehlte nicht unter denen, deren Namen bei Wahlversammlungen und Ehrenämtern auftauchten ...
Alles das verlautete nach und nach bis zum Genfersee – dann aber nach Nizza hin, wohin man von Schloss Bex in der Tat übersiedelte ...
Monika hätte sich anfangs selbst in diese Bewegung stürzen mögen ... So vieles sah sie, was, bei aller Uebereinstimmung, doch noch, nach ihrer Meinung, anders, besonnener, vorsichtiger hätte unternommen sein können ... Jener Trieb, der 1793 eine Manon Roland in den Rat der Männer und aufs Schaffot führte, regt sich in grossen Krisen bei jeder Frau von Geist – und keine grosse Begebenheit der geschichte ist ohne die Mitwirkung der Frauen geblieben ... Aber die Besorgniss um den Gatten, die Rücksicht auf den dahinsiechenden Hedemann, die Gewöhnung an die biblischen Auffassungen der Ergebung in den Ratschluss Gottes hinderten die Ausführung der sich anfangs wirr durchkreuzenden Entschlüsse, die zuletzt nur am Ziel einer Entäusserung des Schlosses Bex anlangten ...
Als die Franzosen der Republik gegen die Republik Rom zogen, sah die Familie von Nizzas Molo aus die leuchtenden Segel ihrer Flotte ...
Nizzas mildes Klima war für den Winter dem leidenden Freunde von einigem Nutzen gewesen ... Der Oberst und Monika verschlangen die Zeitungen des Café Royal ... Armgart hatte sich dem Zeichnen und Malen ergeben und hörte aus der Welt nur das Allernotwendigste ... Sie wohnten in einem Gartenhause, nicht weit vom Ufer des Meeres ... Tag und Nacht vernahmen sie den gleichmässigen Schlag der Wogen an das Gemäuer der Meerterrasse ... Einen Winter gab es hier nicht ... Selbst im Januar konnte Armgart im Freien, unter dem immergrünen Laub von Lebenseichen ihre kleinen Landschaftsskizzen ausführen, während Erdmute, Porzia's Kind, um sie her auf den mit zerbröckeltem Marmorkalk bestreuten Wegen zwischen den buchsbaumumfriedigten Beeten des kleinen Ziergartens sich tummelte ... Armgart hörte, dass in Rom drei Männer das Heft in Händen hielten, Terschka's früherer Beschützer, nach dem Untergang der Bandiera entschiedenster Gegner Mazzini, mit ihm Saffi und Armellini ... Graf Sarzana befehligte einen teil des Heeres ... Oft wurde Cäsar Montalto genannt – einmal als Befehlshaber einer Truppenabteilung, die in den Umgebungen Porto d'Ascolis eine Gegenrevolution unterdrückte; die Räuberelemente wurden noch immer benutzt, um den gestürzten Machtabern als Anhalt zu dienen und an andern Orten wurde, eine Veranstaltung derselben Intrigue, der Fanatismus bis zur Schreckensherrschaft gesteigert – Opfer über Opfer fielen dann unter den Dolchen dieser wahnsinnig Gemachten oder Erkauften ... Alles das waren bekannte Stratageme aus dem geheimen, allerdings ungeschriebenen, aber praktisch vorhandenen Codex der Monita secreta Loyola's ...
In diese Schrecken der aufgeregten leidenschaft donnerten nun die Kanonen der Belagerung Roms ... Die Höhe, bis zu der die Bewegung durch Rom gekommen, sollte selbst in den Augen der französischen Republik aufhören, die sich schon für den Uebergang zum Kaiserreich rüstete ... Wir kommen als Freunde! riefen die Abgeordneten der Franzosen – aber Rom antwortete durch eine Rüstung zum Kampf auf Leben und Tod ... Avezzana, Garibaldi, Sarzana befehligten ... Der Kampf entbrannte an der Porta San-Pancrazio zu einer Schlacht ... Die Römer siegten ... Die Franzosen, ohne Entusiasmus für ihre Aufgabe, zogen sich zurück ... Vom Norden kamen die Heersäulen Oesterreichs, vom Süden die des Königs von Neapel ... Spanier landeten und die Franzosen erhielten Verstärkung ... Vergebens rief das römische Triumvirat: "Ein fester Zug waltet im Herzen des römischen Volkes: der Hass gegen die Priesterherrschaft, unter welcher Form sie auch auftrete, der Widerwille gegen die weltliche herrschaft der Päpste!"3... Der Kampf entbrannte aufs neue ... Die Franzosen nahmen die Villa Pamfili und die Villa Corsini ... Garibaldi stürzte sich mit seiner italienischen Legion auf die letztere und liess sie wieder im Sturm angreifen ... drei Stunden der äussersten Anstrengung und es gelang, die Franzosen von den Wällen zu vertreiben, zwölfhundert tote bedeckten das Feld; wieder war der Sieg den Belagerten geblieben ... Aber die Uebermacht war zu gross; nicht endender Kanonendonner verwirrte die Gemüter; glühende Bomben flogen bei Tag und bei Nacht, die Luft war ein Feuermeer; unter Schrecken, die dem entsetzten Volk dem Weltuntergang gleichzukommen schienen, liessen sich über Rauch und Trümmern die ersten Franzosen in der Stadt sehen ... Am 2. Juli empfing Oudinot die Capitulation ...
Noch vor diesem Tage, während sich das blutige Schauspiel des untergehenden republikanischen Roms vollzog, hatte sich die Aufregung der Gemüter nicht länger in Nizza beruhigen können ... Der Aufentalt daselbst war ohnehin im Sommer zu widerraten. Trockene scharfe Winde wehen von den Alpen her, die Luft ist heiss, spärlich die