", des Grafen Terenzio Mamiani, des Advocaten Pietro Renzi, die alle bei Bertinazzi zum "jungen Italien" geschworen hatten, schwang sich auf seinen zweirädrigen Karren und wurde ein so beliebter Volksredner, dass sein Ruf als "kleiner Cicero" (Ciceruacchio) durch die Welt erscholl ... Freisinnige innere Reformen wurden versucht ... Der alte Rucca, ohnehin entsetzt über die Rückkehr seiner Schwiegertochter aus London, wo sie fast das ganze Vermögen ihres Onkels, des Cardinals, vergeudet hatte, verlor die Pacht her Zölle, die ihm Fefelotti bereits für den ganzen Kirchenstaat verschafft hatte ... Der Schrecken und der Widerspruch der Cardinäle, die Besorgniss der Gesandten wurde durch vorsichtige Allocutionen niedergehalten ... Die Amnestie fand ihre unbeschränkte Ausführung ... Aus Beetoven's "Fidelio" kennt ihr jene rührenden Züge von Staatsgefangenen – Schaaren, zerlumpt, verhungert, hohläugig, gingen so aus den überfüllten Kerkern hervor ... Das Volk holte sie im Triumph, hob sie auf Wagen, schmückte und bekränzte sie ... Bürgerwachen wurden gebildet ... Ja eine Aussicht auf eine Repräsentativverfassung zeigte sich, als eines Morgens ein Decret die Vorstände der Provinzen aufforderte, Männer des öffentlichen Vertrauens zu bezeichnen, die die Regierung in den notwendigen Reformen des Kirchenstaats durch Rat und Tat unterstützen sollten ... Die Bewegung griff weiter und weiter ... In der Tat bewährte sich, wie noch die Welt durch Rom getragen und regiert wird ... Mit dem, wie sonst im Schlechten, so hier im Guten sich gleichbleibenden Zauber Roms griff die Bewegung über Italien hinaus, stürzte den Julitron, rief in Frankreich die Republik hervor, brach die Knechtschaft Deutschlands, verjagte den Staatskanzler, entfesselte alle Völker, die in unnatürlicher Zusammenkoppelung zu dynastischen Zwecken mit Aufgebung ihrer eigenen Nationalität um so weniger länger leben mochten, als gerade die zunehmende Förderung der Volksbildung an nichts anderes zunächst angeknüpft hatte, als an die Erhebung des Sinns für Sprache, geschichte, eigentümliche Volkslebensart ... Auch Dalschefski und der nunmehr ganz zusammengegangene, mumienhaft vertrocknete Luigi Biancchi kamen vom Spielberg herunter und Resi Kuchelmeister weinte in ihren Armen ... Auch sie gingen nach Rom, wo aus London Marco Biancchi eintraf – Napoleone blieb bei seinen Gipsfiguren, bei seiner Giuseppina, seinen Kindern und Ersparnissen in Deutschland und ohnehin war er mit seiner Tochter Porzia Hedemann gespannt. Sie hatte sich nicht bereit finden lassen, in Witoborn ein Depot für seine Heiligen zu übernehmen ... Da aber bangte dem nächtlichen Schwärmer vom Marktplatz zu Sinigaglia – ... Die blaue Teaterflamme war ihm wider Willen zu einem Fegefeuer schon hienieden für Gut und Böse geworden ...
Grösser und grösser wurde der Druck der Mahnungen von Fürsten und Staatsmännern auf den Träger der dreifachen Krone ... Immer weiter griff der Zwiespalt im geheimen Consistorium ... Fefelotti, das AlGesù, dessen Bewohner sich beim ersten Anbruch der grossen Veränderungen geflüchtet hatten (die jesuitischen Rundhüte sind seitdem ganz in Italien abgeschafft und eckige geworden wie die Hüte aller andern Priester), alle Vertreter des geistigen und weltlichen Despotismus suchten den dreifach gekrönten Schwärmer zur Besinnung zu bringen ... In der Tat stutzte er ... Seine Wonne war zu sehr nur die äussere Acclamation gewesen ... Diese blieb schon zuweilen aus; der tausendstimmige Mund des volkes schwieg zuweilen bei seinen Segnungen und solche Kränkungen wurzeln im Gemüt eines Mannes, der, wie alle Italiener, den Beifall liebt ... Schon schmollte er zuweilen ... Er fand Freunde und Freundinnen, die sein Schmollen für gerecht nahmen ... Noch nannte er seine Erfahrungen die gewöhnlichen Belohnungen des Undanks ... Mit der Zeit vergrösserte sich die Zahl derjenigen, die mit ihm nicht gern in der Minorität standen ... Endlich sollte gar sein kleines Heer zu den Kämpfern stossen, die Oesterreich gegenüber mit den Waffen behaupten wollten, was bisher nur in Liedern gesungen, in Declamationen gesprochen worden ... Da fing die Hand, die die Fahnen zum Unabhängigkeitskriege segnen sollte, zu zittern an ... Die Zeit der Dictatoren, der Consuln und Tribunen Roms mit dem ganzen Gefolge der Demütigungen des geistlichen Primats schien im Anzuge ... Nun rief der Heilige Vater vom Balcon des Quirinal herab: "Gewisse Rufe, die nicht vom volk, sondern von wenigen herrühren, k a n n ich, d a r f ich, w i l l ich nicht hören!" ...
Es sanken die Fahnen der Erhebung Italiens gegen Oesterreich ... Die von Sardinien erhobenen Banner mit dem weissen Malteserkreuz zersplitterten ... Das "Schwert Italiens" brach in Stücke ... Das hatte' ich nimmermehr gewollt! erklärte der Zauberer aller dieser Stürme; Prospero, der Beherrscher der Winde, ging zum Sieger über ... Er dachte noch nicht wieder an Fefelotti, den er hasste; noch bot eine starke Hand, die den Nachen Petri retten sollte, Pellegrino Rossi ... Als dieser vom Dolch eines Mörders durchbohrt, der Vatican von einer Revolution belagert wurde, Kugeln in die Gemächer des Stellvertreters Christi flogen – da verkleidete sich der Ueberwundene in den Diener eines deutschen Grafen, täuschte seine Wächter und überliess die ewige Stadt ihrem Verhängniss, den Siegern, den Bertinazzis, Venturas, Sarzanas, allen denen, die auf Crucifix, Todtenkopf und Rosenkranz geschworen hatten für eine Sache, der sie jetzt auf dem Capitol als Rächer sassen – Sarzana, das wusste jetzt alle