von Asselyn, überall anerkannt als Halbbruder Friedrichs von Wittekind und demgemäss mit Lebensgütern reich gesegnet, verweilte nach wie vor als Cäsar von Montalto in London – bei ihm die Mutter und die Fürstin ...
Diese Existenz währte einige Jahre, bis eine unerwartete Wiederbegegnung den schon mächtig hereinzubrechendrohenden Stillstand und Abschluss in Armgart's jungfräulichem Leben unterbrach und überhaupt die Schicksale der ganzen kleinen Colonie wieder in neue Bewegung brachte.
Fussnoten
1 Tatsache.
3.
Eines Winterabends herrschte auf Schloss Bex eine grosse Aufregung ...
Sie galt einer Karte, die man, heimkehrend von einer Talfahrt an den See, auf dem grossen grünverhangenen, von einer brennenden Ampel beschienenen Tische des Eintrittsvestibüls vorgefunden hatte, wo regelmässig die Karten der inzwischen dagewesenen Besucher niedergelegt wurden ...
"Der Baron Wenzel von Terschka" lautete die Aufschrift ...
Dazu sein Wappen und die mit "p.f.v." bezeichnete Ecke eingebogen ...
Terschka! ... rief Monika erstaunt und reichte Armgart die Karte ... Der lebt noch! ...
Seit lange hatte man von ihm nur gehört, dass er nach Amerika gegangen war ...
Armgart, die nun schon über die Mitte der Zwanzig gerückte schlanke, stattliche Herrin von Schloss Bex, schlug ihren Schleier auf, der sie beim Heimfahren im offenen Wagen gegen die rauhe Winterluft geschützt hatte, und sah, so errötet sie war, sogleich erblassend auf die Karte, die in ihren Händen zitterte ...
Erregt ergriff auch der Oberst die Karte ... Düster drückte er die Augenbrauen zusammen und wiederholte mehrmals:
Ist der aus Amerika zurück! ...
Armgart hatte den Abend für sich allein sein wollen ... Es war der 28. Januar, der Tag der heiligen Paula ... Sie hatte ihren Kalender, den sie auf eigene Art einhielt ... Schon freute sie sich auf die Wärme ihres Zimmers ... Am Kamin wollte sie sitzen, ihren Tee für sich allein nehmen, ihre alten Angedenken hervorsuchen und über den Montblanc hinweg so stark und lebhaft nach Castellungo und Coni, wo Paula mit ihrem Gatten in Bonaventura's unmittelbarer Nähe wohnte, hinüberdenken, dass Paula, dachte sie, sie sehen müsste ... Schon hatte sie sich ausgemalt, wie zu gleicher Zeit, während die Uhr über ihrem Sopha tickte, Paula den Brief las, den sie ihr zu ihrem Namenstage geschrieben ... Vielleicht war der, wie man hörte, in viele Händel verwickelte Erzbischof bei ihr ... Schwerlich die alte Gräfin ... Aber gewiss alle Freunde und Verehrer, die einer so hochgestellten Dame, wie Paula, auch dort nicht fehlen konnten ... Sie hatte in jenem Briefe von Sancta-Paula geschrieben, jener römischen jungen Witwe, die sich von ihren Kindern trennen konnte, um die Stätten Jerusalems zu sehen und mit hülfe des heiligen Hieronymus über dem Grab Christi ein Kloster zu bauen ... Und um so lieber träumte sie von jenem eigentümlichen verhältnis, in dem ihre Lieben dort lebten, als sich vieles davon aus Paula's Briefen doch nur zwischen den Zeilen ersehen liess und der immer und immer besprochene endliche Besuch des Tals von Castellungo seine Mislichkeiten bot ... Ohne die älteren mochte sie nicht gehen und mit ihnen hatte es der religiösen Differenzen wegen ebenso seine Schwierigkeiten, wie in Rücksicht auf den Vater, der mit Paula im magnetischen Rapport gestanden hatte ... Diese Zustände hatten in Italien abgenommen; aber Gräfin Erdmute, so sehr sie die Familie der Hülleshovens schätzte und liebte, schien eine verstärkte Rückkehr derselben zu befürchten, wenn sich ihrer Schwiegertochter wieder die alten Elemente ihres Umgangs näherten ... Die alte Gräfin trug schon schwer genug an Bonaventura, den sie lieber ganz gemieden hätte, wäre nicht einst sein Eifer so mutvoll für ihren Eremiten aufgetreten ... Die Reise über die Alpen war unter solchen Umständen nur ein Sehnsuchtsziel der Familie geblieben ...
Dies stille Abendträumen musste sich Armgart nun versagen ... Denn mit dem Namen Terschka zog Beunruhigung ins ganze Haus, Schrecken vorzugsweise in ihre eigene Seele ... Ein eisiger Winter war es wieder ... Sie sah sich wie damals im frosterstarrten wald zwischen Westerhof und ihrem Stifte, sah an ihrer Seite den dämonischen Schmeichler, von dem sie damals mit Recht geglaubt hatte, dass er die Mutter berückte ... Ein Schauder ergriff sie in Erinnerung an ihr Gelübde, an ihr Suchen der Gefahr, an ihre Hingebung an diesen Mann ohne jede Spur der Neigung, an alles, was sie um ihn verloren und freiwillig geopfert hatte ... Wieder in ihrer Nähe dieser Schein der Harmlosigkeit, diese leichte zutrauliche Manier, die nichts begehren zu wollen schien und eben deshalb sogleich alles besass? ...
Vater und Mutter, die sich mit politischen Dingen deshalb ausdrücklich nicht befassten, weil ihrer religiösen Richtung vorgeworfen wurde, dass sie nur die maskirte Revolution wäre, hatten nichts mehr über Terschka's Leben und Treiben vernommen ... Nur das eine war ihnen zu Ohr gekommen, dass Terschka in irgendeiner Weise, welche, wussten sie nicht, sogar mit dem Untergang der Brüder Bandiera in Verbindung stand, einem Ereigniss, an dem der Oberst den schmerzlichsten Anteil nahm, da ihm in Amerika der Vater der Jünglinge bekannt geworden war und durch Tiebold auch dessen an Benno aufgetragenen Grüsse ihm ausgerichtet wurden ... Noch hatte man vernommen, dass Terschka in dem