selbst wenn keiner die Hand danach ausstreckt! Wir müssen ihm den Köder unserer eigenen Freiheit bieten, die wir ihm eine Weile opfern! ... Ich gebe Rom an den, der das Meiste bietet und das Wenigste verlangt ... Dem Türken, wenn er es begehrt! ... Nur nicht einem Volkstribunen, der sich bisjetzt nur noch durch den Aberglauben der Masse hat halten können und zuletzt so regiert, wie die Ceccones regierten – durch die Räuber ... In hundert Jahren hat der Italiener eine Bildung und Erziehung gewonnen, dann – ...
Zwei Anhänger der Republik – einer darunter hatte deutlich die stimme eines Buonaparte, den noch vor kurzem Benno an Rucca's Tafel gesehen – stellten diese retrogade Wendung, die auch noch jetzt die Republik nehmen würde, in Abrede ...
Die Mehrzahl widersprach aber allen diesen Anschauungen ... Sie blieb bei dem Glauben, dass gerade durch die dreifache Krone Italiens Zukunft am ehesten gewinnen würde ... Die Fürsten böten keine Bürgschaft ... Die Läuterung des Papsttums von seinen unreinen Elementen, die Sicherung einer bessern Wahl der Umgebungen des Heiligen Vaters, die Auflösung des Jesuitenordens schien der Mehrzahl die sicherste Aussicht für die Verwirklichung ihrer Hoffnungen ... In der Abwehr der Fremden waren alle einig ... Diejenigen, die der Hierarchie überhaupt, dem Priesterwesen und der katolischen Kirche abgeneigt waren, blieben in der Minderzahl ... Und jetzt lachten sie selbst darüber, dass in Italien besonders erhebliche Wirkungen durch Volksunterricht, Verbesserung der schulen, die Verbreitung nützlicher Schriften zu erreichen wären ...
Benno sah, dass er sich unter Männern der höheren Gesellschaft befand, die in der Mehrzahl sich noch vor äussersten Schritten hüteten ... Die idee des Papsttums möglichst von weltlichem Einflusse zu reinigen, die nächst bevorstehende Wahl auf einen Italiener voll Nationalgefühl und politischer Aufklärung zu lenken, die Cardinäle, die jetzt den meisten Einfluss hätten, unschädlich zu machen und den Volksgeist so zu beleben, dass er an allem, was zur Erhebung Italiens geschähe, ein Interesse nähme – das blieb die Losung der Majorität ... Unter den Hoffnungen für die Papstwahl wurde Cardinal Ambrosi genannt, den freilich wieder andere eine Creatur der Intriguanten und Tyrannen nannten ... La morte a Ceccone! La morte a Fefelotti! war die Schlussbekräftigung ... Dieser Ausruf kam einstimmig ... Er drückte einen Wunsch, eine moralische Verurteilung, wie unser Pereat! – keine Losung zum Morde aus ...
Dennoch folgte Todtenstille ...
Jetzt fragte Benno, was den Unwillen der Versammlung in Betreff Porto d'Ascoli's und der Brüder Bandiera veranlasst hätte ...
Er hatte leise, wenn auch nicht verstellt, gesprochen ...
Alle horchten dem wohllautenden Klang der stimme des neuen "Spartakus" ...
Bertinazzi nahm das Wort und sagte:
Die Brüder Bandiera werden nicht in den Kirchenstaat einfallen ...
Das überrascht mich ... sprach Benno voll freudiger Wallung überlaut und vergessend, seine stimme zu verändern ...
Bertinazzi reichte Benno einen Brief Attilio's ... Benno übersah ihn ... In jeder Zeile bekundete er seine Echteit ...
Lest ihn! sprach Bertinazzi ... Ihr seid neu in unserm Kreise und wisst nicht, wie tief Rom und die Welt, die sich noch von Rom beherrschen lässt, gesunken sind ...
Benno las mit starrem Auge ... Seine Hand zitterte ... Ceccone, Olympia entschieden nicht über das Leben der Freunde –? ...
Inzwischen liess Bertinazzi einige Schriften circuliren und teilte jedem Exemplare aus ...
Benno war solange seiner fieberhaften Erregung allein überlassen ...
Er las, dass die Lenker des Kirchenstaats gemeinschaftlich mit den Jesuiten einen Plan angezettelt hatten, demzufolge die "Verjüngung Italiens" als der Wunsch – nur der Räuber und Mörder erscheinen sollte ... Grizzifalcone war ausersehen worden, dies Werk in Ausführung zu bringen1... Bis nach London hin verzweigte sich eine falsche Fährte, auf der die Verschwörer in die Lage kommen sollten, Bundsgenossen nur der Schmuggler und der Räuber zu werden ... Man hatte vom Vatican aus eine falsche Correspondenz mit Korfu angeknüpft, um das dortige Comité glauben zu machen, an der Küste des Adriatischen Meers, in Porto d'Ascoli, wäre alles reif, eine Invasion zu unterstützen ... Während der alte Principe Rucca nur seine Zölle im Auge hatte, richtete Ceccone seine Blicke weiter ... Auch ihm war das erscheinen des Räubers in der Hauptstadt der Christenheit willkommen ... Auch seine Verhandlungen mit ihm, die gleichfalls jener Pilger geleitet hatte, bezweckten eine grosse Anerkennung des Reuigen ... Die Liste, deren wesentlichen Inhalt er lange schon vor dem alten Rucca kannte, sollte den Schrecken, den Grizzifalcone's Verrat unter den Zollbedienten und Schmugglern verbreiten musste, zum Verderben der Revolution ausbeuten ... Ceccone liess die Ortschaften, wo, wie ihm durch londoner Verrat bekannt geworden, die Brüder Bandiera landen sollten, so durch die Anzeigen, die dem Fürsten Rucca gemacht wurden, einschüchtern, dass die Räuber, die Schmuggler, die Zollbediente die Fahne des Aufstands als hülfe und Rettung begrüssen mussten ... Wie diese Elemente die Revolution verstehen würden, lag auf der Hand ... Hier konnte nur Mord, Brand, Plünderung im Gefolge der dreifarbigen Fahne gehen ... Die reinsten, edelsten Zwecke mussten von