sie ausrotten können? Ich spreche nicht von dem Gift, an dem ein Ganganelli starb; ich spreche von jener List, die aus Wölfen Schafe machte, von jener List, die sich der Menschheit so unentbehrlich zu geben wusste, dass sogar die aufgeklärtesten Staaten, Borussia unter Friedrich, Russia unter Katarina, die Jesuiten als Lehrer beriefen! Sie sind unvertilgbar durch das Princip der Wissenschaft, dessen Lüge sie als Fahne aufstecken. Ob sie nun diesen oder jenen Namen tragen, bleiben sie unvertilgbar, solange überhaupt unsere Kirche besteht! ... Diese katolische Kirche, unter deren heiligster Oriflamme Menschen wie Grizzifalcone für den Bestand des apostolischen Stuhls wirken durften! ...
Der Sprecher war nicht der Mitpassagier von der Tiber gewesen ... Nun war es also der, der fortdauernd schwieg ... Brütend sah dieser vor sich hin, blieb unbeweglich und zog nur zuweilen seinen Fuss in die schwarze weite Umhüllung zurück und streckte ihn wieder vor ...
Letztere Geberde wiederholte sich, je lebhafter der Streit wurde ...
Wollt ihr deshalb die katolische Kirche zerstören? riefen mehrere Stimmen auf einmal ...
Eine andere setzte hinzu:
Sie ist wenigstens dem Italiener nicht zu nehmen ... Schreibt das nach London, wo man glaubt uns protestantisch machen zu können! ...
Wer will das? riefen andere Stimmen und unter ihnen aufs heftigste die des Kohlenbrenners ...
Der Italiener, fuhr der letzte Sprecher für die Kirche fort, ist und bleibt Katolik ... Ich sage nicht: Geht und seht das Volk sich beugen vor einer Mumie, die es anbetet! Geht und seht den Aberglauben, der die Stufen der heiligen Treppe mit den Knieen hinaufrutscht! Seht den Schmerz, der sich einer ganzen Stadt bemächtigen konnte, als ihm ein geliebtes Marienbild abhanden kam! ... Ich finde den Aberglauben überall, selbst bei Sokrates, der an seinen Dämon, bei Voltaire, der an sich selbst glaubte .... Nicht an sich selbst zu glauben, das ist der Katolicismus, der unausrottbar ist, so lange das Christentum die Lehre von einem Mittler zwischen Gott und dem Menschen aufstellt ... Hat Italien irgend einen politischen Reformator gehabt, den ihr euch ohne Verehrung vor dem Mysterium der Messe denken könnt? ... Selbst Savonarola war kein Huss und kein Luter ... Der frostige Gedanke des Zweifels konnte nie die Oberherrschaft über Gemüter gewinnen, die nur Phantasie und leidenschaft sind ... Und wo nun der Katolicismus sich nicht ausrotten lässt, da – ...
Liesse sich nicht die Hierarchie ausrotten? riefen andere Stimmen. Das bestreiten wir! ...
Rom ist das reine Priestertum – fuhr der Verteidiger der Hierarchie fort und liess sich nicht irre machen ... Rom kann der Duft, der höchste Auszug des katolischen Priestertums bleiben ... Alles, was für die schweren Pflichten des katolischen Priesters seine Belohnung, seine Erquickung, sein Entzücken ist, ist der blick auf die Würden, die er erklimmen kann – auf das letzte Ziel, das ihm vom Tabernakel der Peterskirche in Rom leuchtet ... Die Teokratie ist kein Gedanke der Macht, der herrschaft, kein Gedanke der reinen Aeusserlichkeit und Weltlichkeit – ... Sie ist – ...
Ein Wahngebilde der Phantasten! Ein Schlupfwinkel der Räuber und Mörder! donnerte der Kohlenbrenner ... Wie könnt ihr von einem geläuterten Papsttum sprechen! Wie könnt ihr den Papst an die Spitze unserer Reform stellen! ... Das wird vielleicht die Frauen gewinnen, die weichmütigen Seelen, aber nie gibt es ein Fundament für die Hoffnungen Italiens ... Ein Menschenalter verrinnt und wieder tauchen Ceccones und Fefelottis auf – ... Sie, die beiden arme des Papsttums, die sich verschränken konnten in Taten, wie dieser teuflische Plan gegen die Gebrüder Bandiera war ...
Die Bandiera? sprach jetzt Benno laut und vernehmlich dazwischen ...
Die streitenden Principien – den Kampf der Lehren Gioberti's und Mazzini's – verstand er, aber die Ursache desselben blieb ihm fremd ...
Alle wandten sich ...
Benno war es fast, als regte sich sein Gegenüber, der zweite der schwarzen Leichenbrüder, noch lebhafter als bisher ...
Aber die stürmende Rede des Kohlenbrenners übertönte alles – auch eine Antwort auf Benno's Frage ...
Rom bleibt so lange das Verderben der Welt, fuhr dieser fort, als seine Gestalt nicht eine rein weltliche, der geistliche Hof für immer aufgehoben wird ... Ich bin im Princip für die Republik ... Doch ich werde gegen sie sein müssen, weil leider sie es ist, die, auf die massen und deren geringe Bildung gebaut, uns immer und immer wieder in Rom die Macht der Päpste zurückgeführt hat ... Ich muss aus praktischen Gründen gegen sie sein ... Wir müssen nach Rom ein weltliches Königtum in den Formen der Neuzeit verpflanzen ... Ha, die Könige! – ... Die, die ich so liebe, und besonders die, die mit der Lüge der constitutionellen Formen gekräftigt sind, die wissen sich auszudehnen und zu befestigen ... Das sind Schmarotzerpflanzen, die Boden und Luft brauchen und beides nur zu bald gewinnen werden ... Die pflanzen an die Stelle der geistlichen Legitimität ihre weltliche; die sorgen für ihr Geschlecht, für die, die ihm dienen ... Wir müssen Rom einem Könige schenken,