1858_Gutzkow_031_804.txt

Herberge an der Tiber nach dem tod des Räubers durchsucht ... Alle Welt wusste, dass niemand durch diesen Tod glücklicher war, als die Zollbediente, auf deren Strafe der alte Rucca es abgesehen hatte ...

Die Pfiffigen und Klugen haben hier immer Recht ... Um den Grizzifalcone blieb es "Schade, dass er nichtGonfalionere in Ascoli geworden" ...

Benno hörte lachendie Gläser aufstampfenhörte Gesinnungen, die denen der Lazzaronis Neapels entsprachen ...

In seinem inneren klangen die Worte des Attilio Bandiera: "Man muss die Völker zur Freiheit zwingen!" ...

Damals hatte er noch erwidert: "Mit der Guillotine?" ...

Neue Welten waren in ihm aufgegangen ...

In jenem haus konnte er das Schicksal der Freunde erfahren, um die er sich in so grosse Gefahren des Lebens und der Seele gewagt hatte ... Der Tag, vielleicht die Stunde konnte ihm dort genannt werden, wann die Brüder in Porto d'Ascoli landen mussten, wann Ravenna, Bologna sich erhoben ...

Er sagte sich: Es ist der Weg des Todes! Sollst du ihn beschreiten? ...

Und gehst du ihn nicht schon? antwortete eine stimme seines inneren ... Bleib' auf deiner Strassedes Verhängnisses! ...

wild mit der Rechten durch seine Locken fahrend erhob er sich ... Stürmenden Mutes verliess er die Schenke ... Sie rufen mich! sprach er vor sich hin und sahjene Geister des Beistands, von denen ihm Attilio gesprochen ...

Auf der Höhe seines Lebens war er angekommen ... Dahin also hatten alle Ziele seines Schicksals gedeutet ... Er sah seine ersten Anfänge wiederfühlte den Kuss jener schönen Frau, die sich trauernd über ihn beugte, wenn sie aus dem Wagen gestiegenDie in Spanien erworbenen goldenen Epaulettes seines Adoptivvaters Max von Asselyn blitzten auf ... Zigeunerknabe, du bist in deiner Heimat! klang es um ihn her wie aus tausend silbernen Glöckchen ... Dann wieder waren es Geigentönewie sie damals der bucklige Stammer zwischen seinen Erzählungen von der Frau, die nur die deutschen Worte: "Tar Teifel!" kannte, auf dem Finkenhof strich ...

Du gehst! sagte er sich und schritt dem haus näher ...

Und dennoch würde Benno vorübergegangen sein, wenn nicht die menschlichen Entschliessungen unter dämonischen Gesetzen stünden ...

Der eine Flügel des offen stehenden Haustors war soeben von einer nicht sichtbaren Hand von innen geschlossen worden ... Eben bewegte sich der andere Flügel, um gleichfalls zuzufallen ... Der Anblick dieser kleinen, noch eine Secunde offen gelassenen Spalte bestimmte den wie vom Schwindel Ergriffenen und halb Besinnungslosen rasch vorzutreten und die beiden Worte zu sprechen:

Con permesa! ...

Eine stimme antwortete:

Que commande? ...

Eine kurze Pause folgte ...

Die Schlange wechselt ihr altes K l e i d ! ...

Das Erkennungswort des "Jungen Italien" war ausgesprochen ...

Es war kein freier Wille gewesen, der diese verhängnissvollen Worte von Benno's Lippen brachte ... Es war ein fremder Geist, der aus ihm sprach, jader ihn diese Losung ganz deutlich und fest aussprechen liess ...

Er trat in den wiedergeöffneten Flügel und befand sich in einem dunkeln Gange ...

Die Torpforte fiel hinter ihm zu ...

Fussnoten

1 Tatsache.

10.

Kommen Sie aus der Schweiz? fragte aus dem Dunkel heraus eine heisere rauhe stimme ...

Das menschliche Wesen, dem die stimme angehörte, entwickelte sich seinem Auge erst allmählich als eine Frau ...

Ich will Sie dem Herrn anmelden ... lautete die seinem Schweigen folgende Rede ...

Ein Schlorren, ein astmatisches Keuchen ... Ein langes Verhallen der Schritte ... Diese Räume schienen endlos zu sein ...

Es ist geschehen! sprach er zu sich selbst und sagte fast hörbar:

Also nur die aus der Schweiz Kommenden erkennt man an diesem Losungswort, das ich von den Bandiera weiss! ...

Benno zog sein Portefeuille, um das Zeichen des Phönix zur Hand zu haben ...

Die Flüchtlinge, die sich in Robillante an ihn wandten, um in allerlei Verkleidungen weiter zu kommen, hatten auch ihm ein solches Zeichen entgegengehalten ...

Wenn die ohne Zweifel in diesem Augenblick hier versammelte Verschwörung entdecktwenn er selbst mit den Mitgliedern derselben aufgehoben wurde! ...

Darin sah die Zerrüttung seines inneren, die Hoffnungslosigkeit seiner Seele kein Unglück mehr ...

Beim Suchen nach dem Portefeuille fand Benno ein Mittel, sich Licht zu machen ... Nach italienischer Sitte führte er ein Streichfeuerzeug bei sich ... In den finstern grossen Häusern Italiens hilft man sich auf diese Art gegen die überall mangelnde Beleuchtung ... Kleine brennende Wachsenden reichen aus für jeden zu erkletternden vierten Stock ...

Benno sah nun eine Halle, die in einen gedeckten und überbauten Hof führte ... Da hingen alte Bilder an den feuchten Wänden ... Sollte hier die Tiber zuweilen so weit austreten, um diese Häuser überschwemmen zu können? ...

Die Alte, die mit einer Lampe zurückkam, unterschied er nun ... Sie war vom Alter gekrümmt und schien aus dem Reich der Nacht zu kommen ...

Mit der Lampe den Fremdling beleuchtend, sagte