dass er zu dem seiner natur wenig entsprechenden Mittel greifen musste, aus der Geberdensprache der Italiener eine Miene zu wählen, die die einzige ist, der die unerträgliche Zudringlichkeit weicht ... Macht jemand diese Miene, so ist der Italiener gewiss, einen Landsmann vor sich zu haben, von dem er nichts zu erwarten hat ... Benno streckte nicht gerade die Zunge aus, was in solchen Fällen, um vor dem italienischen Bettelgesindel Ruhe zu bekommen, das allersicherste Mittel ist; er warf nur einfach den Kopf in den Nacken mit der Miene eines gleichsam vor Hochmut Närrischgewordenen ... Da liess man ihn gehen ...
In der Tat hatte er aber doch erfahren, dass dieser Hausbesitzer, dieser reiche Mann und advokat – Signore Clemente Bertinazzi war ...
Bertinazzi! ...
Wieder blickte er auf die Pforte und siehe da, wieder trat jemand, diesmal ein Mönch mit heraufgezogener Kapuze ein ...
Das sind Verschworene! sagte sich Benno ...
Der Gedanke überlief ihn wie siedende Glut ...
Er sann und sann nun um so mehr: Wer war der schwarze Todtenbruder, der dich offenbar kannte, der dir seine Verachtung ausdrückte – trotz deiner Erwähnung Rienzi's ...
Benno wandte sich in grösster Aufregung wieder der brücke zu ... Hier hatte er einen Fiaker zu finden gehofft ...
Schon suchte er danach nicht mehr ... Es trieb ihn in die Strasse, nach der hinaus das Wohnhaus des Advocaten seine Vorderfront hatte ...
Auch hier bemerkte er, rasch nacheinander kommend, zwei weisse Todtenbrüder, die in dem offenen Torweg des Hauses verschwanden ...
Bertinazzi hält eben seine Loge ...
Diese Vorstellung stand nun fest bei ihm ...
Sollte er folgen? ...
Er hatte das Losungswort ... Er trug in seinem Portefeuille ein Zeichen von Silberblech mit einem aus den Flammen sich erhebenden Phönix ... Beides hatten ihm die Brüder Bandiera für den Fall gegeben, dass er in Rom die Bekanntschaft des Advocaten Bertinazzi machen wollte, dem sie aufs wärmste über ihn geschrieben zu haben behaupteten ...
Mit lautklopfendem Herzen kehrte er zur Flussseite zurück ...
Hier war es jetzt stiller geworden ... Ruhig wogte der Strom ...
Den Besuch der Mutter gab er auf ... Schon schlug es zehn ...
Im haus des Advocaten, dem er von der Gartenseite näher zu kommen suchte, war alles still und dunkel ... Es musste eine gewaltige Tiefe haben; die Entfernung vom Ende des Gärtchens bis zur Vorderseite war eine ansehnliche ...
Wieder näherte sich ein Schatten der Gartenpforte – ... Wieder huschte dieser an Benno vorüber und ging ins Haus ...
Benno stand – wie am Scheidewege seines Lebens ... Der Gedanke an morgen war ihm an sich schon der Tod – was verschlug es, wenn er den letzten Anlauf nahm und sich in den Abgrund stürzte? ...
Wo sollte er die stimme, den Wuchs, den gang des schwarzen Todtenbruders hinbringen ...
Eine fieberhafte Ideenverbindung zeigte ihm die drei Reiter, die ihm im Gebirge so seltsam den Weg hatten abschneiden wollen ... erschien sein Umgang mit den Tyrannen Italiens denen verdächtig, an die er empfohlen war? ...
Voll Unruhe begab sich Benno abermals nach vorn ...
Jetzt sah er einen Kapuziner zu Bertinazzi eintreten ...
Und nur ihm schien alles das aufzufallen; die Strasse hatte ganz ihr übliches Leben ...
Schon griff Benno nach seinem Portefeuille und überzeugte sich, dass er das Symbol des Phönix bei sich hatte ...
Einen in Hemdärmeln vor der Tür seiner Taverne stehenden Wirt fragte er:
Ist das – da drüben – ein Kloster? ...
Nein, Signore! war die Antwort ... Das Haus, des Advocaten Bertinazzi ...
Ich sehe Mönche eintreten ...
Bei einem Arzt und Advocaten, Herr, sagte der Wirt lachend, hat alle Welt zu tun ... Und nicht jeder zeigt's dann gern ... Mancher Principe wartet auf den Abend, wo er die Kutte des Todtenbruders umlegen darf – Und – nun – die pfaffen gar ...
Der Wirt machte eine Miene, als wäre Rom einmal die Stadt des Carnevals und der Carneval stünde nicht bloss im Februar im Kalender – sondern zu jeder Zeit und dann hätten am meisten die Priester ihre Heimlichkeit ...
Die Geberdensprache des Südens ist die Sprache der grössten Deutlichkeit ...
Benno musste, um dem vertrauensvollen mann zu danken, seinen Wein versuchen ...
Es war nicht der Wirt der nahen Goete-Campanella ... Der Orvieto, den Benno begehrte, war gut ... Stürmisch rollte das Blut in Benno's Adern auch ohne den Wein ... Er war in einer Stimmung, die Welt herauszufordern ...
In dem dunkeln Gewölbe der Kneipe sassen beim qualmenden Licht der Oellampe Männer aus dem Volk ... Die Unterhaltung betraf noch immer den Grizzifalcone ... Einige Häuser weiter hatte der Räuber gewohnt, als er die Courage gehabt, nach Rom zu kommen ... Man erzählte seine Heldentaten ...
Man rühmte auch den Mut der beiden deutschen Mönche ...
Benno horchte und horchte ...
Der Wirt pries sich glücklich, den Pasqualetto nicht beherbergt zu haben ... Die Polizei hätte jeden Winkel der