dem Klang der stimme nachdenken ...
Signore, das Haus des Rienzi kenn' ich nicht, erwiderte Felice eiligst, aber ich versichere Sie, nach Civita Castellana ist es die schönste Reise von der Welt ... Auch Cicero hat da gewohnt ... Es geht gegen den Strom, aber wir nehmen noch meinen fünften Bruder –
Euere Brüder sind zahllos! unterbrach Benno ungeduldig ... Dann nach dem Todtenbruder sich wendend, sagte er: Wo hat nicht alles in Italien Cicero gewohnt! ... Cicero und Virgil sind dem Italiener geläufig wie die Heiligen ... Aber Cola Rienzi, euer Volkstribun, ist euch unbekannt geblieben, Felice! ...
Jetzt glaubte Benno für bestimmt annehmen zu dürfen, dass der schwarze Leichenbruder unter seiner Kapuze lachte ...
Es war ein lachen des Hohns ...
Prinz Corsini konnte das nicht sein ... Corsini gehörte zu den Freimütigen, aber er war in seinen Manieren höflich ...
Unter dem ersten Hermenkopf der "Vierhäupterbrücke", eines alten Römerwerks, stieg der Todtenbruder aus ... Er schien voll Ungeduld die Steintreppe erwartet zu haben ... Beim Abschied bot er Benno auch nicht den leisesten Gruss ... Seinen kupfernen Obolus warf er dem Schiffer in die Mitte des Kahns wie ein Almosen ...
Felice's Grazie Eccellenza! sagte wenig über seinen Stand ...
Benno zahlte mehr, als üblich ... Da durfte er sich nicht wundern, dass Felice, den er fragte, ob er den Todtenbruder kenne, behauptete, diesen nicht bloss öfters, sondern alle Tage zu fahren ... Er nannte ihn einen Herzog, einen Principe, "wenn er auch nur zahlte, was in der Regel" ... Dass er Cardinäle fahre, offen und geheim, Principessen, mit und ohne Schleier, setzte er ermutigend hinzu ... In jener Unermüdlichkeit, mit der der Italiener seinen Einen Gedanken des Gewinns, darin ganz dem Juden gleich, festält, kam er wieder auf die Reize einer Stromfahrt von zwei Tagen bis zu dem Ort zurück, zu deren Merkwürdigkeiten nun auch noch der Eingang in die Hölle gehören sollte ...
Benno war endlich von ihm befreit und ging, umrauscht vom Lärm der Strassen ...
Das Benehmen des Todtenbruders, sein stolzes, festes Dahinschreiten am Quai, das Benno noch beobachten konnte, sein höhnisches lachen, die scharfe Betonung über die Falschheit der Welt veranlasste Benno, dem Unfreundlichen noch einige Schritte weiter als nötig zu folgen ... Er hatte Worte gehört, die sein Innerstes erschütterten ... Wandelte er denn auch auf Wegen, die offene und gerade waren? ...
In wenig Augenblicken war die gespenstische Erscheinung verschwunden ... Benno sah ein offenes Tor, durch das der Todtenbruder mit seinem flatternden schwarzen Gewande hindurchschritt ...
Benno befand sich hier bei den Hinterpforten grösserer Häuser, die nach vorn dem Teater des Marcellus zu liegen ... Hier gibt es kleine Gärten, kleine Pavillons ... Die Dunkelheit verbarg den unschönen Anblick italienischer Hinterfronten mit ihren schmutzigen Galerieen, ihren ausgehängten alten Teppichen, ihrer aufgehängten zerrissenen Wäsche, ihren schmutzigen Gerätschaften und jenem Colorit der Wände, dessen vorherrschender Ton ein verfängliches Gelb ist ... Alles das vergisst man freilich in Italien um einer einzigen Palme willen, die aus solchem Gewirr in einem kleinen Gärtchen versteckt emporwächst ...
Auch hinter jener Pforte, wo der Todtenbruder verschwunden war, lag, wie Benno jetzt sah, ein solches Gärtchen ...
Wer wohnt hier? fragte er einen am wasser mit dem Ausladen eines verspätet angekommenen Kahns Beschäftigten ...
In diesem Palazzo –? erwiderte der Angeredete und bot sofort statt der Antwort, auf die er sich die Miene gab, sich gründlich besinnen zu wollen, vorerst seine Waaren an, die der Herr gerade hier am zweckmässigsten angetroffen hätte ... Walzbreter zur Bereitung von Nudeln, hölzerne Löffel, einen Steinkrug zur Aufbewahrung seines Oels ... Wer in Italien handelt, glaubt, dass man sich zu jeder Zeit aus dem Gebiete gerade seiner Branche assortiren könne; in die Eilwägen hinein reicht man zinnerne und blecherne Küchengegenstände, "die man jetzt gerade wohlfeil haben könnte" ... Und auch dieser Mann wahrte erst seinen Vorteil und zeigte auf hundert Schritte weiter seinen Laden ...
Aber den Besitzer des "Palazzo" konnte er nicht nennen ... Dann war es eine grossmütige Regung von ihm, dass er, als Benno keinen Steinkrug für sein Oel mitnahm, doch einen andern Mann anrief und diesen fragte:
Wer wohnt in dem Palazzo? ...
Nach vorn hin, hatte Benno inzwischen gesehen, stand allerdings ein stattliches Gebäude ...
Ein advokat ... Ein reicher Mann – hiess es ...
Ein advokat? ... Vielleicht Bertinazzi? dachte Benno und sah sich nach einem mittelalterlichen alten haus, dem des Rienzi, um ...
Wie auch bei uns die Kinder in die Läden treten und fragen können: Wollen Sie mir nicht sagen, wie viel die Uhr ist? und, wenn sie's gehört haben, als Zugabe ihrer Frage ein Paar Rosinen verlangen, so tauschten sich auch hier mit den paar Worten die Interessen der sich versammelnden Italiener aus ... Benno bekam so viel Anerbietungen von Waaren, so viel Verlangen nach Bajocci, so viel Anerbietungen zum führen, zum Tragen, zum Helfen,