liess sich bei ihm voraussetzen ...
Und Fra Federigo selbst! ... Benno's eigene Erinnerungen trugen von Friedrich von Asselyn kein Bild ... Nur aus Bonaventura's Charakter, nur aus dem Bestreben seines Vaters, für die Welt seinem weib zu Liebe ein Gestorbener sein zu wollen, konnte er sich die Züge erklären, die allgemein von jenem Einsiedler unter dem Laubdach eines waldensischen Eichenhains erzählt wurden ... Von Gräfin Erdmute wusste er, dass sie eines tages vor längern Jahren aus einem waldensischen Gottesdienst zu Fuss nach haus kam, mit einem ihrer Diener auf dem Heimweg deutsch sprach und darüber von einem Mann angeredet wurde, der hinter ihr her ging, sich als Deutscher zu erkennen gab, auf einer Fusswanderung nach den Seealpen begriffen zu sein erklärte und durch Zufall jener Predigt beigewohnt hatte, die ein Geistlicher gehalten, der keinen katolischen Ornat trug ... Der Fremdling konnte diese fast altluterischen Sitten des Gottesdienstes nicht unterbringen und liess sich über die Waldenser von einer Dame unterrichten, in der er mit Ueberraschung einer geborenen Freiin Hardenberg, aus altem norddeutschen Geschlecht, begegnete ... Ihm selbst, sagte er, wären die Gedichte eines Hardenberg (Novalis) von grösster Anregung gewesen ... Dann – bei einer Kapelle – zur "besten Maria", an der sie vorüber mussten – bekannte er sich der über die Anerkennung eines Verwandten freudigerregten Frau zwar als Katoliken, sagte aber: Was hat wohl Ihr frühvollendeter Vetter unter jener Maria verstanden, die er zum Anstoss der Seinen so oft besang! Doch wohl nur Sophia von Kühn, die er liebte und die ihm starb, noch ehe sie die Seine geworden! So wird unser eigenes Leben zuletzt die lauterste Quelle unserer Religion ... Hardenberg-Novalis sang, fuhr er fort:
"Wenn alle untreu werden,
So bleib' ich dir doch treu –!"
Er sang es in so persönlicher Freundschaft für den Erlöser, dass ich diesem Lied mein Glaubensbekenntniss verdanke ... Die Religion muss für jeden Einzelnen sein eigenes persönliches verhältnis zu Gott werden und die Kirche soll nur so viel dazu mittun und mitelfen, wie ein Wächter, der ein Stelldichein der Liebe h ü t e t ! Alles andere, jede andere Einmischung in unsere innere Welt ist vom Uebel! ... Die Gräfin, gedeutet sah, bat den Fremdling, auf Castellungo einige Tage Rast zu halten ... Er zögerte anfangs, folgte aber doch, da er ermüdet und offenbar im Beginn einer Krankheit schien ... Diese überfiel ihn denn auch, als er das stolze Schloss beschritten und die erste freundliche Bewirtung der Gräfin genossen hatte ... Sein überreizter Zustand gab sich sogleich in einem heftigen Strom von Tränen kund, dem ein Fieberfrost und eine lange Nervenkrankheit folgte ... Die Gräfin widmete ihm die grösste Sorgfalt und erfüllte zugleich die Bitte, die sich in einzelnen lichten Momenten von seinen fahlen Lippen stahl, dass sie keine Nachforschungen über seinen Namen und seine Herkunft anstellen sollte ... Er hätte keine Verwandte mehr, wollte tot sein und bäte, ihn nicht anders als Friedrich zu nennen – Das Reich des Friedens, sagte er, find' ich nicht mehr auf dieser Erde, ich zöge gern hinüber; mir selbst aber den Tod zu geben, wäre vermessen; unsichtbare Fesseln halten mich auch noch – doch bin ich nicht mehr, was ich war – ich bin ein Todter ... Die Gräfin hatte Benno erzählt, dass der Fremdling damals wenig über vierzig Jahre zählte, eine seltene Bildung besass und mit den Lehrsätzen seiner Kirche um persönlicher Erlebnisse willen in Spannung schien ... Oft hätte sie ihn für einen flüchtigen Priester gehalten ... In ihn zu drängen und Namen und Stand von ihm zu begehren, widersprach ihrer Sinnesart, ja die Verehrung vor dem "Signor Federigo", wie ihn sogleich die Schlossbewohner nannten, wuchs bei ihr zu einer so innigen Freundschaft, dass die schon gereifte Frau, damals Witwe, sein Scheiden nur mit grösster Betrübniss würde erlebt haben ... Er seinerseits fasste die gleiche Neigung für die edle Dame, deren religiöse Denkweise nicht ganz mit der seinigen übereinstimmte, die aber Verbindungsglieder gemeinschaftlicher Ansichten und Stimmungen bot ... So knüpfte sich zwischen beiden ein seelisches Band, das aus den Erzählungen der Gräfin mehr von Benno geahnt werden konnte, als ihre Worte schilderten ... Sie liess die jedenfalls auf Friedrich von Asselyn passende Aeusserung fallen, dass der Fremdling die Wappen und Farben ihres Hauses von der ältern Linie her kannte, sie oft mit Rührung betrachtet hätte und selbst wohl dem Adel angehörte ... Fast wie aus Furcht vor Begegnungen, die gerade auf diesem schloss nicht unmöglich waren, hätte der Fremde sowohl den langen Bart, der ihm in seiner Krankheit gewachsen war, nicht entfernen, noch auch auf dem schloss selbst länger wohnen mögen ... Unter dem Schutz der gesetz, die aus aufgeklärtern zeiten, als die unserigen, stammten und den die Gräfin so mutig wiedererobert hatte, verweilte er eine halbe Meile vom schloss entfernt in einem haus, das er sich im Wald aus Baumstämmen selbst gezimmert hatte ... Die Menschen der Umgegend nannten ihn "Fra Federigo" ... Man rühmte seine Kenntnisse in der Heilkunde, in Sachen des Ackerbaus und der Güterbewirtschaftung ... Er kannte das Recht, die geschichte, die Lehnsverhältnisse in allen europäischen Gesetzgebungen ... Anfangs liess er sich nur mit Widerstreben von den