derjenigen Bestandteile der katolischen Kirche, die uns Katoliken von einer engern Gemeinschaft mit den Protestanten trennen ... Ein gestürztes Papsttum wird Deutschland einigen; ein frei gewordenes Italien wird Oesterreich erinnern, wo Kaiser Joseph die Kraft des Kaiserstaates suchte – in einer Fortsetzung des Fridericianischen Zeitalters der Preussen ... Gibt es einen Katolicismus ohne den Papst? ... Das ist die grosse Frage der Befreiung der Gewissen ... Und wird sie in dem Sinne beantwortet, dass Rom aufhört, die Metropole der katolischen Kirche zu sein, was kann, das ist die zweite Frage, von ihrem Leben zurückbleiben, um die Schranken zwischen ihr und den Protestanten niederzureissen? ... Bonaventura will die Bibel und eine geläuterte Messe ... Es sind seine täglichen Gedanken – sie erfüllen ihn ganz ... Ich selbst besitze zu wenig das Bedürfniss des – Cultus, um darüber ein Urteil zu haben" ...
Benno fand die Mutter nicht daheim ... Marco, der ihn bei jedem Besuch mit grösserm Befremden musterte, versicherte, er würde sie beim Kloster der "Lebendigbegrabenen" oder vielleicht jenseits der Tiber finden ... Sie hätte Sancta Cäcilia, der heiligen Sangesmuse, ihrer alten Schutzpatronin, "der sie so vieles Gute dankte", ihre Verehrung bezeugen wollen ... Von bedenklichen Vorfällen meldete Marco nichts ... Der advokat Bertinazzi hatte in der Tat zweimal anfragen lassen ...
Was ist Religion! sagte sich Benno – als er sich auf den Weg machte zu den "Lebendigbegrabenen" ... Bei ihnen war heute die Mumie ausgestellt ... Die Menschen standen noch bis auf die Strasse hinaus und jeder hatte dem gläsernen Kasten ein Leiden vorzutragen ... Starr hing das braune Schreckbild der Eusebia Recanati an seinen goldenen Klammern ... Die Menschen berührten den Glasschrank und erwarteten hülfe ... Selbst aus der Zahl der Falten ihrer Kleider suchten sie sich die Nummern – die sie für die nächste Tombola setzen wollten! ... Die Masse ist unverbesserlich! sagte sich Benno ... Die Eingeweide der Vögel oder die Gewänder einer Mumie – gleichviel! Auch in der protestantischen Kirche lässt die Hebamme unter dem Kissen des Täuflings die Nabelschnur der Gebärerin mittaufen –! ... Nur auf die Verteilung der herrschaft kommt es an, nur darauf, was im G e s e t z den Vorzug hat, die Vernunft oder die getaufte Nabelschnur – Alles andere macht die Strömung der Luft, der Wind, das ansteckende Beispiel – Ohne den Widerstand der Priester und der Doctrinäre könnte der Deutschkatolicismus sogar den Rationalismus zu einer Art von Mystik erheben, deren die Menschheit nicht scheint entbehren zu können ...
Weder vor der Kirche, noch im Kloster bei Olympiens Mutter fand sich die Herzogin ... Equipagen gab es genug; keine mit dem Wappen des Marquis Don Albufera de Heñares, Herzogs von Amarillas, ein Wappen, das der Mietkutscher auf seine Wägen zu setzen gestattet hatte ... Benno wollte nach Sancta Cäcilia, zu welcher Kirche gleichfalls ein Kloster gehörte ...
Es war nun in den Strassen dunkel geworden, obgleich die Abendröte noch schimmerte ... Das Volksgewühl begann in dieser Gegend wie täglich bei Untergang der Sonne ... Da wogten die Menschen durcheinander, da erscholl jener Lärm des Südens – um ein Nichts, um ein Paar alte Schuhe, um Schwefelfaden, um etwas wasser mit einem Stückchen Eis ... Immer glaubt man, ein Kauffahrteischiff wäre eben angekommen und lüde die Schätze beider Indien aus ... Schon dampften Maccaroni in den auf offener Strasse errichteten Küchen ... Fische wurden gesotten in Pfannen, über die – wende dich ab, deutscher Geschmack! – der aufgekrämpte rotnackte Arm der Volksköchin die Oelflasche giesst ... So mancher Arbeiter hält jetzt erst sein Mittagsmahl auf Piazza Navona ... Die Fleischerbuden bieten noch feil ... Seltsam geformt und fast an die alten Arenen erinnernd sind die zerteilten Stücke, an denen die Knochen mehr als bei uns zurückbleiben ... "Unsere Sitten das und unsere Sitten sind gut!" – liegt auf den Mienen dieser schreienden, singenden, schmausenden – dann auch dazwischen wieder betenden Welt – ... Die Türen der erleuchteten Kirche Santa Agnese stehen weit offen ... Auf ihren Stufen im herausströmenden Weihrauchduft lagert sich in bequemster Behaglichkeit das südliche Abendleben ...
vorüber am Pasquino – am Palazzo Rucca – am Ufficio delle SS. Reliquie e dei Catacombe, wo Cardinal Ambrosi wohnt ...
Benno stand schon zu mehreren malen an dem grauen spanischen Gebäude mit den vergitterten Fenstern ... Er dachte: Da hinten im düstern hof wohnt ein Mensch, der ein geheimnis ist! ... Bonaventura erfuhr sein Leben von mir ... Er floh vor einem Sektirer – hatte die Mutter erzählt ... Und doch soll er mit Fra Federigo im Einverständniss leben? ...
So bilden sich die Sagen, so verknüpft der Volksglaube ... Das Volk kann das Seltene sich nicht denken ohne unmittelbare Beziehung zu Gott; das Edle kann ihm nie ohne Wunder sein; zwei grosse Menschen können ihm nicht ohne das Band des Einverständnisses leben – ... Dieser einfache, ascetische Mönch erhielt eine geschichte, von der er schwerlich selbst eine Ahnung hatte ... Benno musste auf den Beistand auch dieses Cardinals rechnen, wenn Bonaventura in Rom erscheinen sollte ... Eine Regung der Dankbarkeit für Fra Federigo