Pavillon Vorauseilenden von der Gesellschaft angeregt und lachend nach ...
Benno erzählte, als sie durch den Garten huschten, von Bonaventura's Gefahr, von seiner Berufung vor ein geistliches Gericht, vom Stab, der für immer über Paula's Seelenleben gebrochen wurde ...
Tiebold fand sich aus seinen römischen Verwickelungen mit Schwierigkeit in die eigentliche Aufgabe der Freunde zurück ...
Die aus Tiebold's Vaterstadt gekommene, an sich wohlwollende, die Anschuldigungen der Frau von Sicking und des Cajetan Roter sogar zurückweisende Anfrage entielt Stellen, die in deutscher Uebertragung lauteten:1
"Ist die person, über welche die Manetisirte gefragt wird, abwesend, so ist dazu eine Haarlocke von deren haupt vollkommen hinreichend. Sobald die Haarlokke in ihrer Handfläche ruht, sieht sie schlafend und mit geschlossenen Augen, wo diese person verweilt und was sie tut" ...
Eine Haarlocke! ... sprach Benno ...
Schon ergrauten des teuern Freundes Locken ...
Und seine eigenen –? ...
Er sah den Aschenbecher Armgart's ... Gedachte des Abschieds – des Briefwechsels durch – "ausgetauschtes Blut" ...
Tiebold verstand Benno's heute so düsteres Leid nur aus Bonaventura's Gefahr und vertröstete, übermüdet von den Huldigungen, die seine Galanterie so vielen Contessinen und Principessen dargebracht hatte – und die wiederum auch ihm zu teil geworden waren, sich entkleidend, mit Olympiens und Ceccone's Schutz ...
"O so wolle", übersetzte Benno eine andere Stelle, "eine hohe Curie nach deren Weisheit, zur grösseren Ehre des Allmächtigen, zur grösseren Wohlfahrt der Seelen, die unser Heiland so teuer erlöst hat, entscheiden, ob alles das eine göttliche oder nur satanische Einwirkung ist" –2
Benno schleuderte das Papier von sich ...
Die Versicherung Tiebold's, dass Olympia alle schützen würde, konnte wenig nachhaltenden Trost gewähren ...
Tiebold ermunterte zum Ausharren ...
Mit grösster Spannung sprach er von dem fest im Braccio Nuovo, auf das er sich nicht nur in der Toilette, sondern auch mit einem Handbuch der Antiquitäten gründlich vorbereiten wollte ...
Am folgenden Morgen – wieder ein Brief der Mutter und – unter dem mit verstellter Handschrift geschriebenen Couvert, wieder die kurze Anzeige, dass sich advokat Clemente Bertinazzi aufs neue nach Signore d'Asselyno hätte erkundigen lassen ...
Benno kleidete sich rasch an, liess im Stall des Fürsten ein ihm immer zu Gebot gestelltes Ross satteln, verbarg sich vor jedermann, selbst vor Tiebold, und sprengte sofort und in höchster Eile nach Rom.
Fussnoten
1 Dieser Anfrage wörtlich entlehnt. 2 Gleichfalls.
9.
Unterweges hatte Benno ein Misgeschick mit seinem Pferde ... Er musste dem Tier, das sich den Fuss verstauchte, mitten auf der Heide, in einer Schäferhütte der Campagna, einige Stunden Ruhe gönnen ...
So war es schon spät Nachmittag, fast Abend geworden, als er in Rom ankam ...
Er musste sogleich das kranke Pferd in Palazzo Rucca den Leuten des alten Fürsten übergeben ...
Dann eilte er in seine wohnung ...
Sein Zustand war der der Verzweiflung ... Für morgen erwartete ihn die junge Fürstin auf Villa Rucca ... Zu gleicher Zeit mahnten ihn die Freunde der Gebrüder Bandiera ... Nicht umsonst war er in die Kreise der Revolution getreten ... Unsichtbare Geister nicht nur, nicht nur die Stimmen seines inneren, sondern wirkliche Personen, die ihn beobachteten, ihn vielleicht richteten, verlangten eine Entscheidung ....
tot blickte ihn die "Stadt der Städte" an ... Nur Opfer des geistigen Despotismus sah er überall ... Jeder Abbate, der an ihm vorüberhuschte, lächelte ihm wie mit geheimem Hohn ... Die Menschen gingen und kamen so gedankenlos und leer ... Die Trümmer des Altertums waren ihm mehr denn je nur Gräberstätten – und was war – die lebendige Gegenwart? Aus Gebetbüchern an den Schaufenstern der Buchläden sprach sie ...
Es war fast Abend ... Er fürchtete sich, zur Mutter zu gehen ... Die Scham, eingestehen zu müssen, wie weit er mit Olympien gekommen, hielt ihn zurück ... Aber dennoch, dennoch musste er nach einer Trennung von mehreren Tagen sie begrüssen, musste um die auffallenden Mahnungen Bertinazzi's nähere Erkundigungen einziehen ...
Er nahm ein leichtes Mahl in der Nähe des Corso ...
Im Winter besuchte er, um den Kaffee zu trinken, öfters das Café Greco ... Sonst setzte er sich gern zu den deutschen Malern, die im Café Greco hausen ... Aber auch hier war es ihm jetzt nur unheimlich geworden ... Die Monotonie klappernder Dominosteine, das Rascheln der Tassen auf den schmuzigen Marmorplatten der Tische, die rauhen Kellnerstimmen, die in den lächerlichsten Tonschwingungen Erfrischungen, die aus der Küche herausgebracht werden sollen, ausschreien, die phantastisch aufgeputzten Bettler an der Schwelle, die sich als Modelle vermieten zu jener unwahren Welt, die die Romantik der Maler noch immer in ihren Ateliers mit südlichen Staffagen gruppirt, während Italien diese Trachten und Sitten naturwüchsig nur noch an wenig Stellen bewahrt hat – vollends die Künstler selbst konnte Benno schon lange nicht mehr sehen, ohne auch sie der Fortpflanzung jener lügenhaften Zauber anzuklagen, mit denen Rom die Welt gefangen hält ... Die Akademie sage ihnen schon, was sie allein hier finden sollten ... Selten,