wandelten, funkelten die Sterne herab, als wollten sie sagen: Halte sie doch fest, die Stunde der Versöhnung! ... Sieh, dies wahnsinnige Weib, so sprachen die Sterne, hat zwei Jahre geschmachtet nach Wiedervereinigung mit dir! Nun kommt sie und pocht, voll Hoffnung an deine Hütte! Du – du opferst sie aber schon der alten Magd, die dich bedient! ... lachen Sie nicht! – Die Sterne sprachen mehr ... Sie sagten: Du schmähst ihre Verehrung, die so ganz ohne Interesse, nur ein reines Opfer der Liebe ist! – Ich bin um diesen Mann katolisch geworden – ich wäre schon glücklich gewesen, nur dann und wann mit ihm sprechen zu dürfen ... Dass ich seine Magd hätte sein können, mich wirklich als Bäuerin bei Renate verdingen, davon will ich gar nicht reden ... Ich war heimisch in ihm, als ich ihn das erste mal sah ... Ich fand einen Menschen wieder, der tot war und in ihm sein Testament zurückgelassen hatte ... Schon damals, als Ihr Vetter geweiht wurde, kannte ich seine Zukunft; ich kannte die ganze kommende Zerrissenheit seines Gemüts; wusste, dass er dort enden würde, wo er jetzt steht – an einem furchtbaren Abgrund, den nur noch seine äussere Würde deckt ... Ich kannte alles, was ihm über die Leiden dieses Daseins hinweggeholfen hätte ... Er verschmähte es ... Nun folg' ich dem Ruf in die Dechanei, erlebe die Demütigung, zum haus hinausgeworfen zu werden; ich klammere mich an den Saum seines Kleides, an den Teppich der Altäre, die sein Fuss berührt; ich wage mich in die schwierigsten, demütigendsten Lebensverhältnisse, nur um eine Erhörung meines – um Güte und Vertrauen – Gott, ich sage nicht: um Liebe – verschmachtenden Herzens zu finden ... Keine hülfe! ... Nichts als die kalte Sprache der Lehre und Ermahnung ... Mit der Zeit konnte' ich ihm furchtbar erscheinen, konnte ihm drohen, ich tat es auch – ... Als ich dennoch mich bekämpfte, dennoch von dem beweinenswerten, rasenden, wahnsinnigen Gefühl für diesen Mann mich beherrschen lasse, alle meine Waffen senke, sind' ich noch immer keine Regung der Versöhnung, kein Wort der Güte, keines des Vertrauens! ... Noch in Wien stösst er den Nachen zurück, auf dem ich mich zu ihm geflüchtet ... Das ist wahr – er nahm mir in Wien eine Bürde ab, die mich zum Tod niederdrückte – aber kaum fliessen meine Tränen, so lässt er mich auch wieder hinaus auf die stürmende See in ein Leben, das bisher nur Not und Demütigung mir gebracht ... Jetzt hab' ich einen kurzen Augenblick des Glücks! Er macht – euch alle schwindeln ... – Mich nicht! Ich weiss, was ich tue! ... Ja! Wie eine Bettlerin – will ich nicht wieder vor euern Türen stehen! ...
Lucinde war aufgestanden ...
Benno erbebte vor ihrem blick ... Er fürchtete für Bonaventura's schwierig gewordene Stellung ...
Sie sind bei alledem dem Bischof wert ... sagte er und mit voller überzeugung ...
Sie anerkannte diese Aeusserung, fuhr aber fort:
Weil er mich fürchtet! Weil ihr alle mich fürchtet! ... Ich habe mich freilich rüsten müssen gegen euch! Gesucht hab' ich nichts – ich fand alles von selbst ... Auf dem schloss Ihrer Väter hab' ich schon als Mädchen von sechzehn Jahren die sibyllinischen Bücher aufgeschlagen gesehen und verstand nur noch nicht die Zeichen, die in ihnen wie durchstochene blutige Herzen funkelten ... Jetzt liegt mir jeder Traum der Kindheit offen ... Ich verstehe das Wimmern und Seufzen in den Ulmen des Schlossparks von Neuhof, ich sehe die Verwirrung euerer ganzen Familie und euer – tragisches Ende ... Mit dem Bischof hab' ich Mitleid ... Er liebt, ein umgekehrter Jupiter, statt eines Weibes eine Wolke ... Erzählen Sie mir von Paula! Ich denke, ich verdiene, dass Sie sich's etwas kosten lassen, mich wenigstens – zu unterhalten ...
Diese Worte waren freundlich ... Benno musste ihr den vorangegangenen Ton des übermütigen Emporkömmlings vergeben ...
Sie setzte sich wieder ...
Benno sollte es ebenfalls tun ... angezogen hatte sie ihn niemals so wie heute ... Die leidenschaft verjüngte Lucinden zu ihrer ersten Jugendschönheit ... Ja sie fiel sogar in ihren naiven "Hessenmädchen"Ton ...
Also – Paula! Bitte, bitte! ... Erzählen Sie! ...
Ich kann Ihnen nur erzählen, sagte Benno, was alle wissen! Ich ehre den Bischof zu sehr, als dass ich ihm durch unberufene fragen gelegenheit geben sollte, sich über Gefühle auszusprechen, die ihm schmerzlich sind – ...
Die Wunde nicht berühren, heilt sie euch! ... schaltete Lucinde ein ...
In den meisten Fällen ist es auch so ... Ob beim Bischof und bei Paula – ich weiss es nicht ... Ich kann nur berichten, dass dieser Ihnen so undankbar erscheinende Bonaventura an Verklärung und Hoheit der Gesinnung von Tage zu Tage wächst ... Er entschwebt dem Irdischen und ich mag ihn durch fragen nicht niederziehen aus seinen reinen Höhen ... So