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, ob ich geplaudert! ... Selbst über Armgart werden Sie sie nicht unterrichtet findenSie Ungetreuer! Was wird Armgart sagen! Nicht nur Sie, sondern auch Herr de Jonge brechen ihr die Treue! ... Meine Herren, sie erfährt alles! Darauf verlassen Sie sich ... Herr von Terschka wird sie von allem in Kenntniss setzen ... Apropos, hüten Sie sich doch vor den politischen Grillen Ihrer Mutter ...

Benno musste anerkennen, dass der Ton des Wohlwollens durch alle diese Reden klang ... Dennoch lag er auf der Folter und hätte mit einem einzigen Wort die Maske seiner Selbstbeherrschung abwerfen mögen ...

Werden Sie den Namen Asselyn behalten? fragte Lucinde nach einer Weile ...

Benno konnte die quälende Erörterung nicht mehr pariren ... Auch sah er, dass sich ihr Sinnen immer mehr und mehr auf den Bischof richtete ...

Der Name Asselynerwiderte erklingt dem Italiener nicht fremd – ...

Der Präsident, Ihr Bruder, ist kinderlosfuhr sie fortWenn Sie daNein, neinlassen Sie die Wittekinds aussterben! Bleiben Sie der rätselhafte "Sohn der Spanierin", der Neffe des guten Dechanten, ein Asselyn! ... Ich habe mir viel Mühe gegeben, hinter Ihr geheimnis zu kommen, das ist wahr ... Aber es wissen nicht mehr darum, als der Bischof, ich, ohne Zweifel der Dechant und meine alte Freundin, Frau von Gülpen ... Aber Tiebold de Jonge scheint eingeweiht ... Das ist töricht ... Sie müssen ihn freilich erprobt haben ... Ganz so dumm, wie Piter Kattendyk ist er nicht ... Sagen Sie, wie können Sie Dergleichen um sich ertragen! ...

Benno erhob sich und sagte halb scherzend, halb im Ernst:

Nun wollen wir von den neuesten mailänder Moden sprechen ... Sonst erleben Sie, dass ich Sie auf Pistolen fordere ...

Pistolen! sagte sie kopfschüttelnd. Auch das kommt, in Italien nicht vor ... Wer uns hier beleidigt, fällt durch das Stilet eines Rächers, den man dafür bezahlt ... Das ist schrecklich und dochist es nicht eine unendliche Wonne, aus den deutschen Verhältnissen erlöst zu sein? ... Rom hat seine Lügen, seine Schlechtigkeitenaber dieses Mass von schwatzhafter Tugend, eitler Sittsamkeit, biederer Langeweile von jenseits der Berge gibt es hier gar nicht ... Erzählen Sie mir aber –! ... Ja wie geht es Nück? Ich weiss durch Herrn de Jonge, dass er ohne seine Frau in Wien ist und noch unentschlossen sein soll, ob er nach dem Orient geht oder nach Rom ...

Ein solches unentschlossenes Umherblicken wird seine Halsschmerzen vermehren ...

Sie sind boshaft! ... Lucinde errötete und schwieg ...

Woher erfuhren Sie die näheren Umstände meines Geheimnisses? Gewiss ist vorzugsweise Nück beteiligt? ... begann Benno, der endlich mehr die Oberhand gewann ...

In diesem Augenblick läutete es von Tivoli herüber ... Lucinde senkte den blick und sprach für sich den englischen Gruss ...

Benno durfte der frommen Sitte sich nicht entziehen ...

Darüber hatte sie Zeit gewonnen und kam auf die verfängliche Frage wegen Nück nicht zurück ...

Die Dämmerung war hereingebrochen ... über die Höhen des Gebirgs sah man Streifen des Monds schimmern, die bald ihr mildes Licht über die dunkelnde Schlucht verbreiteten ...

Lässt mir der Bischof nichts, gar nichts sagen? begann Lucinde ...

Nein! erwiderte Benno und sprach der Wahrheit gemäss ...

So war es ja immer, sagte sie mit stockender stimme ... Lieblos entzogt ihr mir die rettende Hand! ... Hinweggeschleudert habt ihr mich wie ein Wesen ohne Bildung! ... Wie hab' ich gerungen nach euerer Freundschaft, nach euerer Schonung nur ... Kalt, grausam habt ihr mich zurückgestossen! ... Nun musst' ich mir freilich selbst helfen ... Das ist die grösste Feigheit der Männer: Ein Weib um ihrer Torheit willen leiden sehen und sie dann auf Vernunft und Besinnung verweisen ... Vernunft und Besinnung haben wir ja nicht ... Nur in der Tat, sei's der Tat der Liebe, sei's dem Rausch des Wahns oder dem Klagegeschrei der Enttäuschung, nur in Handlungen und Zuständen sind wir, was wir sind ... Vernunft und Besinnung! ... Nachdenken und Reflexion! ... Was soll das uns! ... Ich vergebe dem Bischofdoch nie, was er alles, alles an mir getan hat ...

Benno wusste kaum, was er einem weiblichen Wesen erwidern sollte, das auf einen katolischen Priester Rechte der Liebe zu haben behauptete ... Er begnügte sich, die Wildaufgeregte zu beruhigen mit einem einfachen und ironischen:

Sie beteten doch eben voll Frömmigkeit das Ave Mariaund verlangen das Unheiligste ... Sie haben nie das Gemüt dieses edelsten der Menschen verstanden ...

Ein Gemüt ist's, wie das dieser Bildsäule! sagte Lucinde zornig ... Als wenn ein Priester von seinen Gelübden sprechen könnte, der sie doch einer andern gegenüber nicht hält! ... An jenem Abend auf dem Friedhof von St.-Wolfgang schon, wo wir unter den – – Gräbern