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Er verneigte leicht sein Haupt und sagte, dass er schon von Signor d'Asselyno gehört hätte ... Benno hatte auf den nahe liegenden Besitzungen des Cardinals Verwandte des Grafen gesprochen, die da und dort die Oekonomie verwalteten ...
Ein Brautpaar konnte Benno kaum zu sehen glauben ...
Die Kälte und Ruhe Lucindens war der Ausdruck der höchsten Abspannung ...
Graf Sarzana schien aufgeregter, wenigstens stand ein unausgesetztes Streichen der Haare seines Helms mit seiner scheinbaren Ruhe im Widerspruch ...
Unwillkürlich bot sich für Benno die Vergleichung mit Paula und dem Grafen Hugo ... Wie anders dies Gegenbild! ...
Der Abschied des Grafen verzögerte sich ...
Benno's scharfes Auge glaubte einen gemachten Zug von Verachtung vor dem sich Empfehlenden auf Lucindens Lippen zu sehen; sie wollte wohl nur damit an ihre Liebe für Bonaventura erinnert haben ... Aber auch der Graf schien nur eine eingelernte Rolle zu spielen ... Zwar blieb er artig und plauderte noch einige Dinge, die einen Fremden interessiren durften. Die Stunden, wo der Heilige Vater seine Segnungen erteilt, sind jedem Fremden in Rom von Wichtigkeit; sie sind das, was anderswo die Wachparaden und Manöver. Einige Paläste, einige Sammlungen sind schwer zugänglich ... Graf Sarzana's Erbieten zur Vermittelung war freundlich ... Auch schien er unterrichtet und behauptete Sammler zu sein ... Er bewunderte, wie beide Deutsche sich in die italienische Art gefunden hätten, rühmte die deutschen schulen und schien vorauszusetzen, dass Lucinde eine Erziehung genossen hätte, die ihr die Kenntniss des Lateinischen schon durch die Fürsorge des staates verschafft hätte ... In allem, was er sprach, lag ein Anflug von Ironie ...
Graf Sarzana hatte auf ein Convolut von Papieren gedeutet, das auf einer Bank lag ...
Das sind deutsche Acten! sagte Lucinde und fuhr fort: Der Graf tut, als wenn ich so frischweg die Gedichte lesen könnte, die drüben auf den Wasserfall Catull gemacht hat! ... Ich verstehe das Breviarium – Das ist alles ...
Der Graf tat, als hinderte ihn am Gehen eine Zärtlichkeit, die Benno für gemacht halten musste ...
Er wollte Lucinden die Hand küssen, die ihm diese mit Koketterie entzog ... Ihre Reserve hatte immer etwas Anlockendes ... Der Graf hörte in der Ferne das Stampfen und Wiehern seines schönen neapolitanischen Rosses und konnte nicht fortkommen ...
Unter anderm sprach er von einem fest, das der Heilige Vater noch dem jungen Rucca'schen Ehepaar nachträglich geben wollte ... Es war eine Gunstbezeugung, die nicht zu selten erteilt wird, ein Mahl im Braccio nuovo des Vatican ... Die dort aufgestellten Meisterwerke der alten Bildhauerkunst werden dann im Glanz der festlichsten Beleuchtung gesehen ... Lucinde kannte diese wirkung noch nicht und bedauerte, dass nur Eine Dame, die die Honneurs macht, dabei zugegen sein dürfte – diesmal Olympia ... Der Vatican, bestätigte Graf Sarzana, gilt allerdings für ein Kloster ... Lucinde kannte allerlei Ausnahmen von der Regel der Klöster ... Ihr Lächeln konnte beim nennen der im Braccio nuovo aufgestellten Sculpturen dem Vorfall mit dem von Torwaldsen restaurirten Apollin gelten ... Sie tat, als sähe sie ganz die Furcht, die Benno schon in Wien hatte, für die junge Fürstin das zu werden, was dem Uebermut des Kindes jene Statue gewesen ... Ihr blick blieb forschend ... Inzwischen zeigte sich der Graf unterrichtet über die Meister und die schulen, denen jene Bildwerke zugeschrieben werden ...
Endlich ging er und bald hörte man nur noch das Klirren seiner Sporen, bald nur noch den Hufschlag seines dahinsprengenden Rosses ...
Nun kommen Sie! sagte Lucinde. Wir haben dort einen bequemeren Platz und ich bin ermüdet ...
Sie deutete an, dass sie den Grafen nicht im mindesten liebte und von seiner Bewerbung nur fatiguirt würde ...
Mit einigen Schritten befand man sich in einem ringsumschlossenen traulichen und völlig einsamen Bosket, wo mehrere gusseiserne Sessel standen ...
So finden wir uns wieder! ... sprach sie jetzt ... Und ich sehe schon – Sie kommen voll Zorn auf mich! ... Hat mich die Herzogin so verklagt? ...
Im Gegenteil, erwiderte Benno, des Mädchens, ihrer Umgebung, ihrer Haltung staunend; meine Mutter riet mir, mit Ihnen Frieden zu schliessen ... Sie wissen, ich habe das immer als das beste Mittel erkannt – mit Ihnen auszukommen ...
Ein lachen deutete an, dass sie sich nicht verletzt fühlen wollte ...
Nun, nun, sagte sie, verwundern Sie sich nur erst recht aus! ... Ja, das ist hier Italien, das ist Rom, die Villa des Mäcenas drüben – das hier Villa Tibur! ... Nicht wahr, wer das alles von Ihrem und unserm Leben geahnt hätte, als ich unreifes Kind auf Schloss Neuhof lebte, unter Männern voll Grausamkeit und Tücke, von denen der ärgste Ihr Vater war! ... Der beste von allen – war mein guter, närrischer Jérôme, Ihr – Bruder! Seltsam! Ich hatte dort schon Träume, die mir alles zeigten, was seiter eingetroffen ist ... Ich sah Ihre Mutter – wie oft! – in den Kellern des Schlosses ... Ich sah die alte Hauptmännin Buschbeck mit der