1858_Gutzkow_031_777.txt

reiften Bananen ... dicht am Fenster, wo Olympia schlief, hauchte eine Gruppe Gardenien aus ihren weissen, grossmächtigen Blütentrichtern und aus der wollüstig feuchten Wärme der fortdauernd zu erneuernden Berieselung einen Duft aus, gegen den der Duft der Rose verschwand ...

Olympia lachte im HalbschlafSie lachte sogar des Cardinals Ambrosi, der sich ihren Sorgen für eine seiner würdige Einrichtung durch den eifersüchtigen Fefelotti hatte entziehen müssen ... Dann erschrak sie, weil denCardinal-Conservator der Reliquien nichts als Todtenschädel umgaben ... Durch eine nahe liegende Ideenverbindung kam sie auf den deutschen Mönch Hubertus und Grizzifalcone ... Sie warf sich auf die andere Seite und wieder lachte sie ihrer Schwiegermutter, die sie fortwährend hofmeistern wollte ... Sie lachte Lucindens, des Cardinals und der Herzogin von Amarillas – ...

Da eben erscholl das klopfen des betressten DienersDa kam die Karte ...

drei, vier Klingeln gingen durcheinander, als sie die Karte gelesen hatte ... Portier, Diener, Kammerzofewem hatte sie nicht alles Befehle zu erteilen! ...

"Recommandé par le Baron d'Asselyn" ...

Die Fürstin, ausser sich, weckte ihren nebenan schnarchenden Ercolano ...

Für diesen war sogar ein Brief vom Signor d'Asselyno durch den draussen harrenden mit Extrapost vorgefahrenen Monsieur Tiebold de Jonge selbst überbracht worden ...

Sie herrschte dem schlaftrunkenen Gatten zu, er sollte den Fremdling so lange unterhalten, bis sie sich in Toilette geworfen hätte ... Den Brief nahm sie selbst und erbrach ihn ...

Benno von Asselyn beklagte in diesem Briefe sein bisheriges Los, das ihn in der Welt hin- und herzureisen gezwungen und erst jetzt nach Rom zurückgeführt hätte ... In acht Tagen spätestens würde er dem Fürsten seine Glückwünsche und der Fürstin sich selbst zu Füssen legen ...

So schallen auf der Insel Ceilon plötzlich wunderbare Klänge aus der Luft ... So richtet sich die Blume auf, die nach langer Dürre ein stürzender Regen erfrischt ... Olympia flog in ihre Garderobe ...

Tiebold de Jonge hatte inzwischen in einer Empfangsrotunde gelegenheit, die geschichte der alten Kunst zu studiren ... Neun Marmorstatuen zierten sie, geschmackvoll in Nischen angebracht; sie sowohl wie der Mosaikfussboden gehörten dem wirklichen Altertum an ... Hier war alles echt ... Das alte Rom war hier noch nicht untergegangen ...

Später hat es Tiebold oft erzählt, wie ihm der erste Anblick der "kleinen Heuschrecke", die nach einer halben Stunde in gelbnaturseidenen, mit grünen Blättern und bunten Blüten bedruckten Gewändern hereinrauschte, Lexikon, Grammatik, Alberti's Complimentirbuch in vollständigste Verwirrung brachte ... Die "gelbe Hexe" wäre viel, viel anziehender gewesen, als er erwartet ...

Dennoch musste er sich früh erholt haben ... Er "reussirte" schon beim ersten Grusse ... Benno hätte sich getrost noch acht Tage in Rom können versteckt halten ... Tiebold beschäftigte den Fürsten und die Fürstin schon am ersten Tag mit all den Erfolgen, die wir als die gewöhnliche Belohnung seiner geselligen Talente kennen ... Sogar ein Begrüssen der Villa Tibur wurde ihm am ersten Tag nicht möglich ... Das Französische unterstützte die Verständigung ... Olympia und Ercolano liessen den liebenswürdigen "Baron" de Jonge nicht wieder frei ...

Der Brief, die Ankunft Tiebold's hatten sich verspätet ... Folglich erschien Benno schon am Tag nach dem Siestentraum ...

Ercolano holte ihn aus Rom ab und er holte ihn im Triumph ... Da hatte denn der junge Römer den Mann, der es möglich machte, die geschichte von seinem "Kampf mit einem Elefanten" zu wiederholen ... "Dies ist der Herr, der mich damals in Wien –" ... Ercolano erdrückte Benno mit seinen Umarmungen ...

Und siehe da! ... Als Benno auf Villa Torresani ankam, hatten sich geradeTiebold und Olympia schon bei einem Ausflug in den Gebirgen verspätet ...

Es konnte kein Wunder nehmen, dass in drei Tagen Tiebold und Benno schon auf der Villa Torresani selbst wohnten ... Im Garten gab es mehrere, die reizendste Aussicht gewährende Pavillons ... Diese allerliebsten kleinen Häuschen mit den grünen Jalousieen! hatte Tiebold seltsam kokettirend zur Fürstin gesagt und sogleich wurde eines für sie aufgeschlossen ... Es war die Zeit, wo alles auf dem land lebte ... Was wollen Sie in Rom, was in Tivoli! – wo die Freunde sich eingerichtet hatten im Gastof zur SibylleSie wohnen bei uns! jubelte Ercolano ... Lucinde wohnte tausend Schritte weiter von den Wasserstürzen Tivolis ... Weder Benno noch Tiebold hatten sie begrüsst und schon wohnten sie in dem Pavillon der Villa Torresani ... Die Italiener sind sonst nicht gastfrei ... Hier aber traten Gründe ein, diese beiden jungen Fremdlinge nicht wieder frei zu lassen ... Schon das erste Zusammentreffen des Besuchs mit einer Visite der Schwiegermutter, das Hinzukommen anderer Nachbarschaften entschied – ... Alle sagten: Diese beiden Deutschen werden die Löwen der römischen Gesellschaft! ...

Tiebold's Kunst, die Menschen und Verhältnisse in Verwirrung zu bringen, ohne die erstern übermässig zu reizen und die letzteren zu unglücklich ausgehen zu lassen, bewährte sich auf eine bestrickende Art ... Benno konnte in der Tat einige Tage zweifelhaft sein